- 17.08.2006, 12:39:12
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Prammer zu Frauenpensionen: Auf ältere Frauen wird von Seiten der Regierung vergessen
Dohnal - Was ist für Schüssel Pflegenotstand?
Wien (SK) - Die prekäre Lage bei den Frauenpensionen war Thema
einer gemeinsamen Pressekonferenz mit SPÖ-Bundesfrauenvorsitzender
Barbara Prammer und der ehemaligen SPÖ-Frauenministerin Johanna
Dohnal am Donnerstag. "Es ist ein besonderer Zynismus, auf die
älteren Frauen von Seiten der Bundesregierung gänzlich zu vergessen",
sagte Prammer. Kritik an Schüssel übte Dohnal. Sie wies darauf hin,
dass sich in Österreich viele Frauen aufgrund ihres geringen
Pensionseinkommens weder legale noch illegale Pflege leisten können.
Die SPÖ habe bereits 2003 ein Modell vorgestellt, das Existenz
sichernde Pensionen für Frauen garantiert. ****
Nach dreimaligem Pensionsabbau sei evident, dass Frauen mit
weniger auskommen müssen, sagte Prammer und belegte dies mit Daten.
Rund eine Million Frauen sind derzeit über 60 Jahre. Davon erhalten
rund 170.000 Frauen gar keine Pension. In der Mehrzahl sind dies
verheiratete Frauen, die erst nach dem Tode ihres Ehegatten Anspruch
auf Witwenpension - und damit erstmals eigenes Geld haben. Ein
kleiner Teil dieser Frauen ist geschieden und steht unversorgt da.
Knapp 200.000 Frauen verfügen nur über eine Witwenpension. 80.000 von
ihnen haben eine so geringe Witwenpension, dass sie Ausgleichszulage
benötigen. Von den insgesamt 227.000 AusgleichszulagenbezieherInnen
sind 160.000 Frauen. Die Durchschnittspension der Frauen betrug im
Dezember 2005 741 Euro. Bei Arbeiterinnen gar nur etwa 535 Euro. "Das
ist eine Schande", betone Prammer. Die weit unter der Inflationsrate
liegenden Pensionsanpassungen seit 2000 haben zu einem
Kaufkraftverlust von 607 Euro bei einem Pensionseinkommen von 800
Euro brutto geführt. "Das ist über das Jahr gerechnet ein Verlust in
der Höhe von beinahe einem Monatseinkommen", sagte Prammer.
"Ab fünfzig ist eine Frau verloren und verkauft bei dieser
Bundesregierung", sagte Prammer und verwies auf die besonders prekäre
Situation der älteren Arbeitnehmerinnen. 2005 standen nur 23,5
Prozent der Frauen zwischen 55 und 64 Jahren in Beschäftigung. "Das
zeigt, dass der Arbeitsmarkt noch lange nicht reif für eine Anhebung
des Pensionsalters der Frauen ist."
Nach einer von den SPÖ-Frauen in Auftrag gegebenen Umfrage unter 20-
bis 40-jährigen Frauen halten 30 Prozent eine sichere Pension für
völlig unwahrscheinlich und 38 Prozent für wenig wahrscheinlich. "Das
heißt: 68 Prozent der Frauen meinen, sie werden im Alter völlig
unzureichend abgesichert dastehen", sagte Prammer.
Von der Kinderbetreuung nahtlos zur Pflege und schließlich in
die Altersarmut
"Von den Frauen wird von dieser Regierung erwartet, dass sie für den
Staat vieles leisten: Von der Kinderbetreuung, wo sie ein wenig dazu
verdienen dürfen, sollen sie nahtlos in die unbezahlte Altenbetreuung
gleiten, um dann im eigenen Alter aufgrund ihrer geringen Einkommen
armutsgefährdet zu sein", zeigt Dohnal auf. "Diese Frauen können sich
weder illegal noch legal eine Pflege leisten, sie werden im Alter,
auch wenn sie krank sind, nicht gepflegt. Und das ist für Schüssel
kein Pflegenotstand!", so Dohnal, die einen Teufelskreis aufzeigt: Zu
wenig Kinderbetreuung und Vollzeitarbeitsplätze führen zu einem
Anwachsen von Teilzeitbeschäftigung und geringfügiger Beschäftigung
mit geringer oder gar keiner Pensionsabsicherung.
Fairness-Pension garantiert Existenz sichernde Frauenpensionen
Frauen brauchen im Erwerbsleben zunächst ein Existenz sicherndes
Erwerbseinkommen, um damit im Alter über ausreichende Pension zu
verfügen. Die nötigen Maßnahmen reichen von entsprechender Bildung
und Ausbildung bis hin zu Kinderbetreuung. Ein Knackpunkt ist die
Teilzeitarbeit, die in Österreich jede zweite Frau betrifft. "Die
Frauen reduzieren nicht wie in Skandinavien um 20 bis 30 Prozent,
sondern um 50 bis 60 Prozent", entsprechend sehen Einkommen und in
Folge Pension aus, erläutert Prammer. Der unzureichenden Anrechnung
der Kinderbetreuungszeiten soll mit einer fairen Berechnung der
Pensionshöhe begegnet werden. Konkret soll das Einkommen, das bis zur
Geburt des Kindes erzielt wurde plus dem Kindergeld als
Berechnungsgrundlage herangezogen werden. Auch sollen Männer mit 45
und Frauen mit 40 Versicherungsjahren mit 80 Prozent der
Bemessungsgrundlage in Pension gehen können - unabhängig vom Alter.
Ein eigener Pensionskorridor für Frauen soll geschaffen werden, der
von der Regierung geschaffene Korridor ermöglicht bis zum Jahr 2024
nur Männern einen früheren Pensionsantritt mit Abschlägen. Weiters
fordert Prammer, dass gleiche Beiträge zu gleichen Leistungen führen
müssen und dass die jährliche Anhebung der Pensionen zumindest die
Höhe der Inflationsrate haben soll. (Schluss) up
Rückfragehinweis:
Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at
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