AK: 33.000 Schüler mit Nachzipf - alle müssen aufsteigen können

Sitzenbleiben kostet jährlich 600 Millionen - Bildungsreform dringend notwendig

Wien (OTS) - 33.000 Schülerinnen und Schüler zittern dem Nachzipf im Herbst entgegen: "Unser Schulsystem schüchtert die Kinder ein, anstatt sie zu fördern", sagt Johanna Ettl, stellvertretende Direktorin der Arbeiterkammer Wien (AK). Jährlich bleiben insgesamt rund 35.000 sitzen - jene, die den Nachzipf nicht schaffen, plus jene, die gar nicht erst zur Wiederholungsprüfung antreten dürfen. Sie müssen ein ganzes Schuljahr wiederholen, obwohl ihr Schulerfolg nur in einem bestimmten Fach - oder einigen wenigen Fächern - nicht ausreicht. "Österreich leistet sich damit ein Auslaufmodell: In Europa lassen nur noch acht von 28 Länder ihre Kinder sitzen. Die große Mehrheit der Länder gibt den Kindern eine zweite Chance: Dort können sie trotz ‚Nicht Genügend’ aufsteigen, wenn sie nur in einem oder in zwei Fächern das Klassenziel verfehlen." Neben dem psychologischen Druck, dem die Schülerinnen und Schüler ausgesetzt sind, verweist die Ettl auf die enormen Kosten des Sitzenbleibens:
jährlich rund 600 Millionen Euro. Die AK fordert das automatische Aufsteigen mit einem "Nicht Genügend" bis zur achten Schulstufe mit einem individuellen Förderkonzept. In der Oberstufe soll es statt dem Sitzenbleiben ein Kurssystem geben.

Von den 1,2 Millionen Schülerinnen und Schülern haben etwa 50.000 ein oder mehrere "Nicht Genügend" im Zeugnis. Gut zwei Drittel davon (rund 33.000) bereiten sich auf die Wiederholungsprüfung vor. Knapp die Hälfte von ihnen schafft den Aufstieg in die nächste Schulstufe, rund 17.000 müssen die Klasse jedoch wiederholen. Dazu kommen jene Schülerinnen und Schüler, die nicht berechtigt sind, zur Wiederholungsprüfung anzutreten - weil sie mehr als zwei "Nicht Genügend" haben oder nicht beurteilt wurden. Alles in allem verlieren in Österreich also Jahr für Jahr fast 35.000 Kinder und Jugendliche ein ganzes Ausbildungsjahr.

Die Kosten des Sitzenbleibens sind enorm: Den Staat kostet dieses System zusätzlich etwa 300 Millionen Euro für den Schulplatz, Familienbeihilfe, Schulbücher und SchülerInnenfreifahrt. Dazu kommen die Kosten für die Familien: die zusätzlichen Unterhaltskosten und der Verdienstentgang. In Summe: 500 und 600 Millionen Euro jährlich.

Das österreichische Schulsystem entspricht nicht den Anforderungen der Zeit: Anstatt die Verantwortung für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler zu übernehmen, lastet der Druck oft genug allein auf den Eltern. "Wir brauchen dringend eine Bildungsreform", so Johanna Ettl: "Das derzeitige Schulsystem ist veraltet und blockiert die Zukunftschancen unserer Kinder." Die AK fordert das automatische Aufsteigen mit einem "Nicht Genügend" bis zur achten Schulstufe (mit individuellem Förderkonzept) sowie ein Mitspracherecht für die Eltern bei zwei "Nicht Genügend" bzw Klassenwiederholung. In der Oberstufe soll es statt dem Sitzenbleiben ein Kurssystem geben. Überdies will die AK den Ausbau der individuellen Förderung aller Kinder, ein verpflichtendes Vorschuljahr und ein Recht auf ganztägige Schule.

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