- 17.08.2006, 09:34:00
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AK: 33.000 Schüler mit Nachzipf - alle müssen aufsteigen können
Sitzenbleiben kostet jährlich 600 Millionen - Bildungsreform dringend notwendig
Wien (OTS) - 33.000 Schülerinnen und Schüler zittern dem Nachzipf
im Herbst entgegen: "Unser Schulsystem schüchtert die Kinder ein,
anstatt sie zu fördern", sagt Johanna Ettl, stellvertretende
Direktorin der Arbeiterkammer Wien (AK). Jährlich bleiben insgesamt
rund 35.000 sitzen - jene, die den Nachzipf nicht schaffen, plus
jene, die gar nicht erst zur Wiederholungsprüfung antreten dürfen.
Sie müssen ein ganzes Schuljahr wiederholen, obwohl ihr Schulerfolg
nur in einem bestimmten Fach - oder einigen wenigen Fächern - nicht
ausreicht. "Österreich leistet sich damit ein Auslaufmodell: In
Europa lassen nur noch acht von 28 Länder ihre Kinder sitzen. Die
große Mehrheit der Länder gibt den Kindern eine zweite Chance: Dort
können sie trotz ‚Nicht Genügend’ aufsteigen, wenn sie nur in einem
oder in zwei Fächern das Klassenziel verfehlen." Neben dem
psychologischen Druck, dem die Schülerinnen und Schüler ausgesetzt
sind, verweist die Ettl auf die enormen Kosten des Sitzenbleibens:
jährlich rund 600 Millionen Euro. Die AK fordert das automatische
Aufsteigen mit einem "Nicht Genügend" bis zur achten Schulstufe mit
einem individuellen Förderkonzept. In der Oberstufe soll es statt dem
Sitzenbleiben ein Kurssystem geben.
Von den 1,2 Millionen Schülerinnen und Schülern haben etwa 50.000
ein oder mehrere "Nicht Genügend" im Zeugnis. Gut zwei Drittel davon
(rund 33.000) bereiten sich auf die Wiederholungsprüfung vor. Knapp
die Hälfte von ihnen schafft den Aufstieg in die nächste Schulstufe,
rund 17.000 müssen die Klasse jedoch wiederholen. Dazu kommen jene
Schülerinnen und Schüler, die nicht berechtigt sind, zur
Wiederholungsprüfung anzutreten - weil sie mehr als zwei "Nicht
Genügend" haben oder nicht beurteilt wurden. Alles in allem verlieren
in Österreich also Jahr für Jahr fast 35.000 Kinder und Jugendliche
ein ganzes Ausbildungsjahr.
Die Kosten des Sitzenbleibens sind enorm: Den Staat kostet dieses
System zusätzlich etwa 300 Millionen Euro für den Schulplatz,
Familienbeihilfe, Schulbücher und SchülerInnenfreifahrt. Dazu kommen
die Kosten für die Familien: die zusätzlichen Unterhaltskosten und
der Verdienstentgang. In Summe: 500 und 600 Millionen Euro jährlich.
Das österreichische Schulsystem entspricht nicht den Anforderungen
der Zeit: Anstatt die Verantwortung für den Lernerfolg der
Schülerinnen und Schüler zu übernehmen, lastet der Druck oft genug
allein auf den Eltern. "Wir brauchen dringend eine Bildungsreform",
so Johanna Ettl: "Das derzeitige Schulsystem ist veraltet und
blockiert die Zukunftschancen unserer Kinder." Die AK fordert das
automatische Aufsteigen mit einem "Nicht Genügend" bis zur achten
Schulstufe (mit individuellem Förderkonzept) sowie ein
Mitspracherecht für die Eltern bei zwei "Nicht Genügend" bzw
Klassenwiederholung. In der Oberstufe soll es statt dem Sitzenbleiben
ein Kurssystem geben. Überdies will die AK den Ausbau der
individuellen Förderung aller Kinder, ein verpflichtendes
Vorschuljahr und ein Recht auf ganztägige Schule.
Rückfragehinweis:
Cornelia Breuß
AK Wien Kommunikation
tel.: (+43-1) 501 65-2331
mailto:cornelia.breusz@akwien.at
http://wien.arbeiterkammer.at
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