- 10.08.2006, 11:44:01
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Pharmig: "Die Krankenkassen spielen das alte Spiel"
Die veröffentlichten Zahlen sprechen für sich
Wien (OTS) - Nach der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse
(NÖGKK) warnt nun auch Franz Bittner, Obmann der Wiener
Gebietskrankenkasse (WGKK), im heutigen STANDARD vor einer
angeblichen Kostenexplosion bei den Medikamenten-Ausgaben. Ähnlich
wie die NÖGKK pflegt auch der Wiener Kassen-Chef eine sehr selektive
Sicht der Daten und Fakten: Er behauptet, "wenn das so weitergeht,
werden noch heuer die Kosten für die Medikamente höher sein als die
Ärztehonorare".
Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber meint dazu: "Die Ärzte
verschreiben Medikamente nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil
ihre Patienten die Therapien benötigen." Die tatsächlichen Zahlen,
wie sie aus den veröffentlichten Gebarungen der Wiener bzw. der
Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse hervorgehen, sprechen
übrigens eine ganz andere Sprache:
-> Die letzte veröffentlichte Gebarung der WGKK bezieht sich zwar auf
das Jahr 2004, widerlegt die Argumentation Bittners aber eindeutig:
Die WGKK gab für Arzthonorare (ohne Zahnbehandlung) 574 Mio. Euro,
für Medikamente 470 Mio. Euro (brutto) aus. Nach Abzug der
Mehrwertsteuer für Medikamente, die der Kasse vom Finanzminister
refundiert wird, bleiben 392 Mio. Euro an Medikamenten-Ausgaben. Nach
dem weiteren Abzug des als "Rezeptgebühr" bekannten
Patienten-Selbstbehalts betragen die Netto-Medikamenten-Ausgaben der
WGKK noch 328 Mio. Euro. Das entspricht 57,1 Prozent der Ausgaben für
Arzthonorare.
-> Die NÖGKK zahlte laut der letzten veröffentlichten Gebarung für
2005 Arzthonorare (ohne Zahnbehandlung) in der Höhe von 370 Mio.
Euro, für Medikamente gab sie 352 Mio. Euro (brutto) aus. Nach Abzug
der Mehrwertsteuer bleiben 294 Mio. Euro an Medikamenten-Ausgaben.
Nach dem Abzug der Rezeptgebühr betragen die
Netto-Medikamenten-Ausgaben der NÖGKK noch 242 Mio. Euro. Das
entspricht 65,4 Prozent der Ausgaben für Arzthonorare.
Zu den Aussagen von Franz Bittner sagt Huber außerdem: "Bittner hätte
korrekterweise - so wie vor kurzem der Tiroler Kassen-Direktor Öhler
- dazusagen sollen, WIE die prognostizierte Steigerung bei den
Medikamenten-Ausgaben zustande kommt. Das sind nicht nur Ausgaben für
moderne Therapien. Ein zweiter wesentlicher Faktor ist, dass
Therapien immer öfter nicht in den Krankenhäusern durchgeführt
werden, sondern von niedergelassenen Ärzten und in Tageskliniken.
Viele Krankenhäuser versuchen so, ihre steigenden Ausgaben auf die
Krankenkassen abzuschieben. Letztere werfen diese Kostenverlagerung
dann z.B. den niedergelassenen Ärzten oder der Pharma-Industrie als
angebliche 'Kostenexplosion' vor. Das ist ein altbekanntes Spiel der
Krankenkassen und greift nicht mehr."
Huber unterstreicht, dass endlich mehr Transparenz in der
Finanzierung des Gesundheitswesens angesagt sein sollte: "Aufgrund
der bestehenden Intransparenz ist es für die Öffentlichkeit nicht
nachvollziehbar, welcher Anteil der Ausgabensteigerungen im
Krankenkassen-Bereich auf erhöhten Bedarf der Patienten oder auf den
medizinischen Fortschritt zurückgeht und welcher Anteil auf eine
reine Ausgabenverlagerung aus dem Spitalswesen. Übrigens liegen die
Industriepreise für Medikamente im viertreichsten EU-Staat Österreich
um 17,16 Prozent unter dem EU-15-Schnitt und im Schnitt der EU-25."
Rückfragehinweis:
Mag. Gerlinde Gänsdorfer Leiterin Kommunikation Pharmig - Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs Garnisongasse 4/1/6, A-1090 Wien Tel.: +43 (1) 40 60 290-20 E-Mail: [email protected] Web: www.pharmig.at
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