Harnoncourt kritisiert Salzburgs "Mozart 22"

Wien (OTS) - Nikolaus Harnoncourt, der mit diesem Sommer
scheidende Hauptdirigent der Salzburger Festspiele, übt in einem Interview für die morgen erscheinende NEWS-Ausgabe Kritik am Projekt der 22 szenisch aufgeführten Mozart-Opern. Harnoncourt zu NEWS: " Das ist tatsächlich ein Problem. Es gibt viele Künstler mit vielen Lesarten, aber gute Lesarten gibt es nur wenige, und alle anderen haben bei Festspielen keinen Platz. Das Schlimmste dabei ist das Mittelmaß: Die ganz großen Komponisten sträuben sich dagegen. Die verkraften das nicht."

Harnoncourt äußert sich auch zu dem Buh-Ruf nach seiner eigenen Salzburger "Figaro"-Premiere: "Was kann ich dafür, dass jemand den "Figaro" in der Staatsoper oder sonstwo Dutzende Male falsch gehört hat? Übrigens gibt es ja auch Leute, die ein Interesse daran haben, dass "Buh" gerufen wird. Ich habe sogar schon erlebt, dass einer beim falschen Stück geschrien und nachher das Geld zurückgegeben hat. (...) Das Stück hat 35 verschiedene Tempi, die von Mozart ganz genau festgelegt sind. Ich kann also nur im Vergleich zu offensichtlichen Irrtümern meiner Kollegen langsam gewesen sein. Aber wenn ich die frage, weshalb sie die Ouvertüre so schnell nehmen, antworten sie:
Mozart hat sich geirrt (...) Ich habe oft unrecht gehabt, aber wenn sich Leute auf einen Fehler Mozarts berufen müssen, um recht zu haben, kann in diesem Fall nicht ich derjenige sein, der sich irrt. Die Aufgabe eines Musikers ist: herausfinden, was uns diese unglaublichen Genies hinterlassen haben; nie aufhören zu suchen; und andere an dem, was man gefunden hat, teilnehmen lassen."

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