Was heißt hier "KEIN Pflegenotstand"?

Die derzeitige Diskussion über illegale Pflege in Österreich zeigt auf wie wichtig Expertenwissen ist und wie wenig darauf zurück gegriffen wird!

Wien (OTS) - Mehr als verwunderlich sind die derzeitigen Aussagen der hohen Politik! Wenn Bundeskanzler Schüssel sagt, wir hätten in Österreich keinen Pflegenotstand, dann bezieht er sich wohl auf Zahlen, die ausschließlich die offenen Planstellen bewerten. Dass aber diese Planstellen viel zu niedrig angesetzt sind, zeigen die Zahlen, die die WHO in Europa erhoben hat. Dabei ist klar ersichtlich, dass die Ärzteschaft durchaus in vertretbarer Anzahl tätig ist, Planstellen für Pflegepersonen allerdings in nicht ausreichender Anzahl vorhanden sind.

Zahl der Krankenpflegepersonen und Ärzte pro 1000 Einwohner der Bevölkerung, erhoben von der WHO

Pflegepersonal Ärzte Finnland 21,7 3,1 Norwegen 20,7 3,6 Dänemark 13,5 3,2 Deutschland 9,5 3,6 Frankreich 6,7 3,3 Österreich 5,8 3,2

Durch diesen Missstand und die dadurch fehlenden Ressourcen für die Umsetzung von Konzepten in der häuslichen Pflege, konnte sich die Situation der illegalen Versorgung erst so dramatisch zuspitzen. Die 40.000 Personen, die auf dem Pflegeschwarzmarkt arbeiten sind zum Großteil keine Fachkräfte sondern Laien! Sie dürfen laut Gesetz auch keine Pflegetätigkeiten verrichten! Dieses Gesetz wurde zum Schutz der Österreichischen Bevölkerung erlassen um eine hohe Qualität zu sichern. Es muss die Intension der Politik sein diese Qualität nicht zu untergraben.

Christine Ecker: "Zur entbehrlichen Aufforderung der Ärztekammer an die Politik, dies zu legalisieren, was Ärzte jahrelang vermittelt haben, nämlich illegale Versorgungsstrukturen kann ich nur sagen -Schuster bleib´ bei deinen Leisten! Die Ärztekammer hat genug eigene Probleme, um die sie sich kümmern sollte." Die Legalisierung wäre eine Maßnahme in die verkehrte Richtung, da noch mehr Bedarf geweckt und die Problematik aber nur zeitlich nach hinten geschoben werden würde. Sobald sich in den nächsten 10 bis 15 Jahren das Lohnniveau in unseren Nachbarstaaten angleicht, werden keine Menschen mehr für diesen Lohn bei uns arbeiten wollen und wir stehen erneut vor der gleichen Situation. Es ist hoch an der Zeit, Pflegekonzepte, wie sie bereits im europäischen Bereich eingesetzt werden, auch in Österreich zuzulassen und zu forcieren.

Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, Experten aus dem Pflegebereich in Planungen einzubinden. Dazu meint Christine Ecker: " Bis jetzt wurde es nicht für notwenig erachtet, dass wir auch in Gremien wie in der Bundesgesundheitsagentur und den Landesgesundheitsplattformen vertreten sind. Im Gegenteil -Landespolitikern, die diese Maßnahme angedacht und umgesetzt haben, wurde dringlich abgeraten, Pflegepersonen zu
integrieren. Um die Situation nicht weiter entgleiten zu lassen fordern wir eine Aufnahme von Vertretern aus der Pflege in die entsprechenden Gremien!"

Dies ist eine von 8 Forderungen des Österreichischen Gesundheits-und Krankenpflegeverbandes, die in einem Memorandum an die wahlwerbenden Parteien übermittelt wurden. Abrufbar ist dieses Memorandum unter www.oegkv.at

Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband ist der Berufsverband aller Pflegeberufe Österreichs. Er ist gemeinnützig, unabhängig, überparteilich und interkonfessionell.

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Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband
DGKS Christine Ecker, MBA, MAS
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