Die Marille ist zum Essen da - ihr Kern nicht

Im Handel erhältliche geschälte Marillenkerne enthalten giftige Blausäure und sollten daher grundsätzlich nicht verzehrt werden

Wien (OTS) - Die Marillenernte läuft derzeit auf Hochtouren. Nicht jeder Teil der Marille sollte aber auch gegessen werden: Die AGES, die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, rät dringend vom Verzehr geschälter Marillenkerne ab. Die in den Kernen enthaltene giftige Blausäure kann zu gesundheitlichen Schädigungen führen. Erst jüngst hat die britische Food Standards Agency (FSA) empfohlen, nicht mehr als zwei Kerne pro Tag zu essen. Da bei geschälten Marillenkernen grundsätzlich mit der Möglichkeit eines überhöhten Blausäuregehalts gerechnet werden muss, empfehlen die Experten der AGES und des Bundesmi-nisteriums für Gesundheit und Frauen, generell auf den Verzehr derartiger Produkte zu verzichten.

Blausäure verursacht Vergiftungserscheinungen

Geschälte Marillenkerne bzw. "Aprikosenkerne bitter" werden in jüngster Zeit vermehrt über Naturkostläden bzw. über das Internet vertrieben. Teilweise werden sie als preiswertes und wirkungsvolles Anti-Krebs-Mittel angepriesen. Die Wirkung beruht laut den Herstellern auf dem in den Kernen enthaltenen Vitamin B17 ("Laetrile") bzw. auf der darin enthaltenen giftigen Blausäure, die Krebszellen abtöten soll. Die AGES-Experten verweisen aber darauf, dass gesunde Körperzellen durch die Blausäure ebenso geschädigt werden. Der menschliche Körper ist zwar in der Lage, gewisse Mengen an Blausäure abzubauen. Wird aber zuviel Blausäure über die Marillenkerne aufgenommen, können unterschiedliche Vergiftungserscheinungen auftreten. Die Symptome reichen von Kopfschmerzen, Schwindel und Krämpfen über Blausucht bis hin zu Koma und Tod. Bei Kindern reichen bereits sehr geringe Mengen aus, um schwere Vergiftungen auszulösen. Auch bei Senioren oder kranken Menschen muss damit gerechnet werden, dass das körpereigene Entgiftungssystem nicht ausreichend arbeitet.

Blausäure dient Pflanze zur Abwehr von Feinden

Das so genannte Vitamin B17 ist kein Vitamin, wie es etwa in Obst oder Gemüse enthalten ist. Es handelt sich dabei um einen Inhaltsstoff, der in der Fachsprache Amygdalin genannt wird. Diese Substanz enthält Blausäure in gebundener Form und dient einigen Pflanzen als Schutzstoff gegen natürliche Feinde. Amygdalin findet man zum Beispiel in Bittermandeln, Kernen von Zitrusfrüchten, Zwetschkenkernen und eben in Marillenkernen. Durch das Kauen der geschälten Kerne wird die Blausäure aus dem Amygdalin freigesetzt. Je mehr und länger man die geschälten Kerne kaut, desto höhere Blausäuremengen werden frei. Hinweise auf Produktverpackungen, die Kerne vor dem Schlucken gut und ausgiebig zu kauen, führen bei Befolgung zu höheren Blausäuremengen und damit zu einem höheren Risiko für die Gesundheit. AGES-Pressesprecher Oskar Wawschinek: "Die AGES empfiehlt daher aus Sicht der Risikobewertung, Marillen zu essen und auf die Kerne zu verzichten."

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