• 02.08.2006, 12:17:41
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Bures: AMS total überfordert - Arbeitslose an Sexbar vermittelt

Beschwerden über AMS-Schulungen aufgrund des Personalmangels in der Beratung häufen sich - Buchdrucker baut Eierwurfgeschosse

Wien (SK) - Der aktuell bekannt gewordene Fall der Vermittlung
einer 21-jährigen arbeitslosen Wienerin in eine Erotik-Bar ist für
SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures symptomatisch für die
aktuelle Überforderung des AMS aufgrund des Personalmangels in der
Beratung. "Jahrelang hat die Regierung das AMS finanziell
ausgehungert. Nun sollen im Wahljahr so viele Arbeitslose wie nur
irgendwie möglich aus der Statistik fallen", erklärte Bures und
kritisierte insbesondere das "exzessive Verstecken von Arbeitslosen
in Schulungen". ****

"Was derzeit aus dem an sich sehr wichtigen und guten Instrument der
AMS-Schulungen gemacht wird, ist ungeheuerlich", so Bures. 60.000
Arbeitslose sollen praktisch von heute auf morgen in Kurse geschickt
werden. Bures spricht von einer "Hau-Ruck-Aktion mit Kurzzeiteffekt".

Der Versuch der Regierung, der verheerenden Situation am
Arbeitsmarkt mit einer finanziellen Einmalspritze für Schulungen Herr
zu werden, sei zum Scheitern verurteilt. "Wenn man einem chronisch
Kranken jahrelang jede Behandlung verweigert, und ihm dann einmal
eine Kortisonspritze verabreicht, sieht er vielleicht kurzfristig
wieder besser aus, aber er ist deswegen noch lange nicht gesund", so
Bures. Richtig wäre es gewesen, das AMS über Jahre hinweg konstant
mit den erforderlichen Mitteln zu versorgen, um eine gute Grundlage
für die Kalkulation von qualitativen Berufsbildungsmaßnahmen zu
schaffen.

Die rund 2.500 für Beratung zuständigen Mitarbeiter des AMS haben pro
Arbeitssuchenden nur 11 Minuten Zeit. Es kann daher nur sehr
oberflächlich auf die Fähigkeiten und Interessen der Arbeitslosen
eingegangen werden. "Immer wieder klagen Betroffene über schlecht
ausgebildete Trainer und Kurse, die ihnen persönlich nichts bringen.
Die Berater wiederum klagen über enormen Zeitdruck aufgrund des
Personalmangels", so Bures. Sie berichtet über "unzählige Fälle", die
an die SPÖ herangetragen wurden. Einige Beispiele:

* In einem gemeinsamen Brief schrieben 50 arbeitslose Akademikerinnen
an die SPÖ: Die Frauen sind unterschiedlich lange arbeitslos und
verschieden alt. Sie kommen zur Überzeugung, dass ihr AMS-Kurs
"Networking for Future - für Akademikerinnen" nur dazu dient, um die
Arbeitslosenstatistik zu schönen. Sie berichten von überforderten und
inkompetenten TrainerInnen und schwerwiegenden Fehlern in der
Organisation der Maßnahme. Sie berichten weiters, dass durch den Kurs
kein einziger Arbeitsplatz vermittelt wurde.

* Herr W. (48), ausgebildeter Buchdrucker, Offsetdrucker und
Endlosdrucker, seit Mai 2001 arbeitslos wurde in den Kurs "Clearing"
geschickt, wo er lernte, wie man Eierwurfgeschosse baut, weil das
angeblich das Teamwork fördert. Außerdem wurde er in "Gender
Communication" geschickt, wo Frauen und Männern (zwischen 30 und 55
Jahren) erklärt wurde, wie das weibliche Ei befruchtet wird.

* Herr Christian B. berichtet von seinen Kurserfahrungen:
"Selbsternannte Halbgötter erzählen uns aus ihrem Leben Anekdoten,
damit die Zeit vergeht. Malen, spielen und andere unnütze Dinge -
alles für Steuergelder. Möchte man durch AMS Facharbeiter-Ausbildung
oder ähnliches, wird dies verweigert - und man landet bis zu drei Mal
im Bewerbungskurs."

* Frau Edeltrude D. (55) berichtet: "Man schickt Menschen, die
perfekte Kenntnisse in MS-Word, Excel und Outlook haben - zum zig-ten
Mal in ein und denselben Kurs."

* 56-jährige Frau (lebt derzeit von der Notstandshilfe, da ihr
Betrieb, in dem sie über 30 Jahre gearbeitet hat, die Produktion nach
Tschechien ausgliederte), die am 1. November 2007 in Pension geht.
Ihre Freundin berichtet: "Meine Freundin hat den letzten Kurs Ende
August 2005 abgeschlossen und jetzt für 2.1.2006 denselben Kurs
wieder vorgeschrieben erhalten. Ein Sogenannter Computerkurs besteht
darin, dass man den Teilnehmern erklärt, wie man den PC einschaltet
und auf die Seite des AMS kommt, das war's dann schon."

* Herr O. berichtet über seine Kurs-Erfahrung: "Dort sitzen total
überforderte angelernte Hilfskräfte, die sinnlos unsystematische,
unverständliche Schreiben produzieren, unhaltbare Behauptungen
aufstellen und anscheinend sauer sind, weil sie noch nicht in
Frührente gehen durften." Herr O. musste Teile seines Matura-Stoffes
wiederholten. Als er der Zuständigen erklärte, dass dieser Kurs
großteils reine Wiederholung war, erklärte diese: "Na, dann haben wir
wieder 3.000 Euro beim Fenster hinaus geschmissen."

(Schluss) se

Rückfragehinweis:
Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at

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