Bures: AMS total überfordert - Arbeitslose an Sexbar vermittelt

Beschwerden über AMS-Schulungen aufgrund des Personalmangels in der Beratung häufen sich - Buchdrucker baut Eierwurfgeschosse

Wien (SK) - Der aktuell bekannt gewordene Fall der Vermittlung
einer 21-jährigen arbeitslosen Wienerin in eine Erotik-Bar ist für SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures symptomatisch für die aktuelle Überforderung des AMS aufgrund des Personalmangels in der Beratung. "Jahrelang hat die Regierung das AMS finanziell ausgehungert. Nun sollen im Wahljahr so viele Arbeitslose wie nur irgendwie möglich aus der Statistik fallen", erklärte Bures und kritisierte insbesondere das "exzessive Verstecken von Arbeitslosen in Schulungen". ****

"Was derzeit aus dem an sich sehr wichtigen und guten Instrument der AMS-Schulungen gemacht wird, ist ungeheuerlich", so Bures. 60.000 Arbeitslose sollen praktisch von heute auf morgen in Kurse geschickt werden. Bures spricht von einer "Hau-Ruck-Aktion mit Kurzzeiteffekt".

Der Versuch der Regierung, der verheerenden Situation am Arbeitsmarkt mit einer finanziellen Einmalspritze für Schulungen Herr zu werden, sei zum Scheitern verurteilt. "Wenn man einem chronisch Kranken jahrelang jede Behandlung verweigert, und ihm dann einmal eine Kortisonspritze verabreicht, sieht er vielleicht kurzfristig wieder besser aus, aber er ist deswegen noch lange nicht gesund", so Bures. Richtig wäre es gewesen, das AMS über Jahre hinweg konstant mit den erforderlichen Mitteln zu versorgen, um eine gute Grundlage für die Kalkulation von qualitativen Berufsbildungsmaßnahmen zu schaffen.

Die rund 2.500 für Beratung zuständigen Mitarbeiter des AMS haben pro Arbeitssuchenden nur 11 Minuten Zeit. Es kann daher nur sehr oberflächlich auf die Fähigkeiten und Interessen der Arbeitslosen eingegangen werden. "Immer wieder klagen Betroffene über schlecht ausgebildete Trainer und Kurse, die ihnen persönlich nichts bringen. Die Berater wiederum klagen über enormen Zeitdruck aufgrund des Personalmangels", so Bures. Sie berichtet über "unzählige Fälle", die an die SPÖ herangetragen wurden. Einige Beispiele:

* In einem gemeinsamen Brief schrieben 50 arbeitslose Akademikerinnen an die SPÖ: Die Frauen sind unterschiedlich lange arbeitslos und verschieden alt. Sie kommen zur Überzeugung, dass ihr AMS-Kurs "Networking for Future - für Akademikerinnen" nur dazu dient, um die Arbeitslosenstatistik zu schönen. Sie berichten von überforderten und inkompetenten TrainerInnen und schwerwiegenden Fehlern in der Organisation der Maßnahme. Sie berichten weiters, dass durch den Kurs kein einziger Arbeitsplatz vermittelt wurde.

* Herr W. (48), ausgebildeter Buchdrucker, Offsetdrucker und Endlosdrucker, seit Mai 2001 arbeitslos wurde in den Kurs "Clearing" geschickt, wo er lernte, wie man Eierwurfgeschosse baut, weil das angeblich das Teamwork fördert. Außerdem wurde er in "Gender Communication" geschickt, wo Frauen und Männern (zwischen 30 und 55 Jahren) erklärt wurde, wie das weibliche Ei befruchtet wird.

* Herr Christian B. berichtet von seinen Kurserfahrungen:
"Selbsternannte Halbgötter erzählen uns aus ihrem Leben Anekdoten, damit die Zeit vergeht. Malen, spielen und andere unnütze Dinge -alles für Steuergelder. Möchte man durch AMS Facharbeiter-Ausbildung oder ähnliches, wird dies verweigert - und man landet bis zu drei Mal im Bewerbungskurs."

* Frau Edeltrude D. (55) berichtet: "Man schickt Menschen, die perfekte Kenntnisse in MS-Word, Excel und Outlook haben - zum zig-ten Mal in ein und denselben Kurs."

* 56-jährige Frau (lebt derzeit von der Notstandshilfe, da ihr Betrieb, in dem sie über 30 Jahre gearbeitet hat, die Produktion nach Tschechien ausgliederte), die am 1. November 2007 in Pension geht. Ihre Freundin berichtet: "Meine Freundin hat den letzten Kurs Ende August 2005 abgeschlossen und jetzt für 2.1.2006 denselben Kurs wieder vorgeschrieben erhalten. Ein Sogenannter Computerkurs besteht darin, dass man den Teilnehmern erklärt, wie man den PC einschaltet und auf die Seite des AMS kommt, das war's dann schon."

* Herr O. berichtet über seine Kurs-Erfahrung: "Dort sitzen total überforderte angelernte Hilfskräfte, die sinnlos unsystematische, unverständliche Schreiben produzieren, unhaltbare Behauptungen aufstellen und anscheinend sauer sind, weil sie noch nicht in Frührente gehen durften." Herr O. musste Teile seines Matura-Stoffes wiederholten. Als er der Zuständigen erklärte, dass dieser Kurs großteils reine Wiederholung war, erklärte diese: "Na, dann haben wir wieder 3.000 Euro beim Fenster hinaus geschmissen."

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