Reichsbrücke - ein Brückenmythos wird 130

Brückeneinsturz von 30 Jahren als markantes Ereignis

Wien (OTS) - Keine Brücke in Wien ist so bekannt wie sie - die Reichsbrücke. Um keine Brücke ranken sich mehr Geschichten und Mythen als um sie. Im heurigen August jähren sich zwei Ereignisse rund um diese Brücke - vor 30 Jahren stürzte die Reichsbrücke am 1. August 1976 ein, und vor 130 Jahren wurde am 21. August 1876 die "Kronprinz-Rudolf-Brücke" offiziell eröffnet.

Die erste Brücke 1876-1937

Die erste Reichsbrücke, als Reichsstraßenbrücke begonnen und als "Kronprinz-Rudolf-Brücke" offiziell eröffnet, wurde im Zuge der 1868 begonnenen Donauregulierung als "stabile Brücke" in der Achse Jägerzeile - Schwimmschulallee (heutige Praterstraße und Lassallestraße) in vierjähriger Bauzeit errichtet. Auf dieser Brücke wurde auch die Brückensteuer von 32 Kreuzern eingehoben, was vor allem von den Bewohnern der "Kolonie Kaisermühlen" als große Belastung empfunden wurde. 1919 wurde sie in "Reichsbrücke" umbenannt. Eine große Bedrohung stelle der Eisstoß 1928/29 dar, den die Brücke aber überstand. Aufgrund des gestiegenen Verkehrs und des schlechten technischen Zustandes entschloss man sich, die Brücke neu zu bauen.

Die zweite Brücke 1937-1976

Die zweite Brücke entstand in der alten Achse der Reichsbrücke. Aus diesem Grund entschloss man sich, die alte Brücke bereits 1934 auszuschieben, und über sie den Verkehr laufen zu lassen. Das Projekt "Kettenbrücke" wurde als Prestigeprojekt in einer Zeit begonnen, als das Land innenpolitisch mit großen Sorgen zu kämpfen hatte. Auch das Projekt ging nicht so voran, wie man sich das gewünscht hatte. Die alte Reichsbrücke musste ein Jahr länger die Behelfsbrücke sein, die Untergrundverhältnisse waren schwieriger als angenommen. Zudem wurde das Projekt von einem akademischen Streit über die Machbarkeit der Brücke überschattet, der im Freitod eines Professors mit seiner Gattin endete. In den Kriegstagen wurde das "Objekt 56" (Codebezeichnung der Roten Armee für die Brücke) trotz einiger Treffer und heftiger Kämpfe nicht zerstört. Bis 1955 wurde sie als "Brücke der Roten Armee" umbenannt. Der 100. Geburtstag der Brücke im Jahr 1976 fiel buchstäblich ins Wasser. Am 1. August versank in den frühen Morgenstunden die Brücke im Wasser, ein Toter war zu beklagen. Der Rest ist Geschichte.

Die dritte Brücke 1980 bis heute

Nach dem Einsturz wurden in Rekordbauzeit Ersatzbrücken über die Donau gebaut. Bereits im Dezember 1976 wurde die Straßenersatzbrücke dem Verkehr übergeben. Durch den Brückeneinsturz hatte sich auch die Möglichkeit ergeben, die neue U-Bahnlinie U1 innerhalb des Hohlkastens der Brücke über die Donau nach Kagran zu führen. Am 9. November 1980 wurde die Brücke offiziell dem Verkehr übergeben. Am 3.September 1982 fuhr dann die erste U-Bahn Garnitur durch die Reichsbrücke.

In den Jahren 2003 bis 2005 wurde die Reichsbrücke an die neuen Bedürfnisse jenseits der Donau angepasst. Noch mehr Wohnbevölkerung und noch mehr Freizeitangebote, vor allen durch die neu geschaffene Donauinsel, sind in Kagran und Kaisermühlen anzutreffen. Das Tragwerk der Reichsbrücke ist zwar in Ordnung, äußerlich war aber einiges zu machen. Neue Rad- und Fußwege, die jetzt die Bezirke und die Donauinsel barrierefrei verbinden, neue Busstationen, mehr Licht bei weniger Stromverbrauch und neue Oberflächengestaltung machen die Reichsbrücke zu einem wahren Prachtstück an der Donau. Durch ein technisches Meßsystem in der Brücke, das gemeinsam mit arsenal research betrieben wird, wird diese Brücke auch technisch ein Vorzeigeprojekt moderner Brückentechnik. So konnte etwa durch das Meßsystem zum Wienmarathon der Mythos entkräftet werden, die Läufer könnten die Brücke zum Einsturz bringen. Ihr Schwingungsverhalten ist insgesamt geringer als die Belastungen durch den laufenden U-Bahn-Betrieb. Zum Abschluss der Bauarbeiten wurde im Juli 2005 im Zuge der Festveranstaltung "25 Jahre Reichsbrücke" die Brücke rundum erneuert der Bevölkerung präsentiert.

Im Leistungsbericht 2005 der MA 29 - Brückenbau und Grundbau sind die Bautätigkeiten an der Reichsbrücke sowie auf einer CD die Geschichte der Reichsbrücke dokumentiert. Die Broschüre ist kostenlos unter folgender Adresse zu beziehen:

o MA 29 - Brückenbau und Grundbau Wilhelminenstraße 93 1160 Wien post@m29.magwien.gv.at http:/ /www.bruecken.wien.at/

(Schluss) wur

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Ing. Kurt Wurscher
MA 29-Brückenbau und Grundbau
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