"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Willkommen, Frau Netrebko" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 26.07.2006

Wien (OTS) - Singen müsste man können, und dazu noch so attraktiv aussehen wie Anna Netrebko, der neue Star der internationalen Opernbühnen. Es würde aber auch genügen, auf dem Fußballplatz, beim Eishockey oder im Handball durch entsprechende Statur und eifriges Training gute Figur zu machen.
Dann gäbe es kein Problem mit der Einbürgerung, im Gegenteil. Für Handballerinnen beispielsweise hat schon vor Jahren der Trainergatte unserer jetzigen Innenministerin interveniert. Meistens hat es geholfen. Wenn nicht, waren oft Blitzehen die Lösung.
Bei Anna Netrebko ist alles noch viel einfacher. Da rückt der Ministerrat aus und verleiht ihr die Doppelstaatsbürgerschaft. Für Vizekanzler Gorbach ist das eine "Bestätigung für die Kulturnation Österreich".
Hoffentlich hat er das mit seinem neuen Parteichef Peter Westenthaler abgesprochen. Der will ja wie berichtet 300.000 Ausländer(innen) abschieben. Es wäre zu peinlich, wäre auch die frischgebackene Doppelstaatsbürgerin darunter.
Nein, bei Frau Netrebko freuen wir uns natürlich, dass sie künftig weltweit nicht nur die russische, sondern auch die österreichische Kultur verkörpert. In diesem Sinne sagen wir ihr ein herzliches "Willkommen".
Ob dieselbe Herzlichkeit auch bei Sportlern angebracht ist, bei denen es weniger um Identität als ums Geldverdienen in rot-weiß-roter Dress geht, lassen wir dahingestellt.

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