Lebensversicherung als Pyramidensystem

AKNÖ warnt vor finanziellem Risiko

Wien (AKNÖ) - Immer dreister werden die Methoden so mancher Geschäftemacher, wenn es darum geht, gut gläubigen Konsumenten das Geld aus der Tasche zu ziehen. So versucht zur Zeit ein Unternehmer fondsgebundene Lebensversicherungen mittels eines Pyramidensystems zu vertreiben. AKNÖ-Konsumentenschützer warnen: Gewinner eines solchen Systems ist nur der Betreiber. Alle anderen bleiben auf einem langfristigen Vertrag und hohen Kosten sitzen.

Herr Ronald K., umtriebiger Unternehmer und bei den Konsumentenschützern der NÖ Arbeiterkammer kein unbeschriebenes Blatt, versucht auf besonders dreiste Art und Weise fondsgebundene Lebensversicherungen zu vertreiben: Mittels eines Pyramidensystems, oder wie er es nennt, "Freundschaftsprogrammes". Dabei geht es darum, gutgläubige Konsumenten zum Abschluss einer Lebensversicherung zu bringen. Einer nicht ganz billigen - 350 Euro im Monat auf 30 Jahre Laufzeit. Das sind 4.200 Euro im Jahr und 126.000 Euro auf die gesamte Laufzeit hochgerechnet. Das ist viel Geld und eine noch viel längere Laufzeit, die er möglichen Kunden mit Hilfe seines Bonussystems schmackhaft machen will.

Zwtl. Jeder wirbt zwei neue Kunden

Jeder Konsument muss innerhalb einer gewissen Zeit zwei neue Kunden werben, die dann ihrerseits wiederum 2 Kunden anwerben müssen. Für jede komplettierte Ebene erhält der Erstkunde eine Monatsprämie gutgeschrieben. Können 5 Ebenen fertig gestellt werden, sprich 32 Kunden geködert werden, übernimmt Herr K. die Bezahlung der Versicherungsprämie für 5 Jahre. Ein klassisches Pyramidensystem also. Dazu Mag.(FH) Manfred Neubauer, AKNÖ-Anlageexperte: "Es ist ein Wahnsinn, Lebensversicherungen auf diese Art und Weise verkaufen zu wollen. Denn schließlich gehören sie nicht zuletzt auf Grund der langen Laufzeit zu den beratungsintensivsten Produkten auf dem Vorsorgemarkt. Durch diese Art des Verkaufs entfallen jedoch sämtliche Beratungspflichten. Wo ist die Bedarfserhebung, wo die Risikoanalyse?" Neubauer kritisiert weiter, dass auf Grund des Aufbaus Neukunden gerade im Verwandten- und Bekanntenkreis angeworben werden.

Zwtl. Keine Neuwerbung, aber der Vertrag bleibt aufrecht

Bei dieser Art des Verkaufs geht es nicht um Beratung oder darum, dem Kunden ein maßgeschneidertes Produkt zu verkaufen. Es geht nur um das Zustandekommen einer Pyramide. Neubauer weist darauf hin, dass es nicht damit abgetan ist, zwei Leute zu finden, die die Lebensversicherung kaufen, sondern dass man einen aufrechten Vertrag abgeschlossen hat, der mit hohen Kosten verbunden ist. Auch wenn man keine Neukunden anwerben kann, also keine weitere Ebene komplettieren kann, bleibt der Vertrag aufrecht. Selbst wenn der Konsument feststellt, dass er sich die monatlichen Prämien nicht leisten kann.

Zwt.: Pyramidensystem und doch nicht strafbar

Obwohl der Verkauf der Lebensversicherung eindeutig wie ein Pyramidenspiel aufgebaut ist, macht sich Ronald K. doch nicht strafbar. Dazu Neubauer: "Es wird ja eine Lebensversicherung verkauft, das heißt von Seiten des Unternehmers wird eine Leistung gebracht. Damit ist der Schein gewahrt, denn Herrn K. geht es zumindest vordergründig nicht darum, sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen."

In diesem Fall sind auch die Versicherungsunternehmen - die Clerical Medical Investment Group Limited hat die Kooperation schon gekündigt - gefordert. Diesen kann und darf es nicht gleichgültig sein, unter welchen Umständen hier langfristige Versicherungsverträge zustande kommen, bzw. wie ihre Produkte verkauft werden. "Wir fordern die Versicherungen deshalb auf, sich für solche Praktiken nicht zur Verfügung zu stellen", stellt Neubauer abschließend fest.

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AKNÖ-Konsumentenberatung,
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