• 14.07.2006, 09:50:02
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Lebensversicherung als Pyramidensystem

AKNÖ warnt vor finanziellem Risiko

Wien (AKNÖ) - Immer dreister werden die Methoden so mancher
Geschäftemacher, wenn es darum geht, gut gläubigen Konsumenten das
Geld aus der Tasche zu ziehen. So versucht zur Zeit ein Unternehmer
fondsgebundene Lebensversicherungen mittels eines Pyramidensystems zu
vertreiben. AKNÖ-Konsumentenschützer warnen: Gewinner eines solchen
Systems ist nur der Betreiber. Alle anderen bleiben auf einem
langfristigen Vertrag und hohen Kosten sitzen.

Herr Ronald K., umtriebiger Unternehmer und bei den
Konsumentenschützern der NÖ Arbeiterkammer kein unbeschriebenes
Blatt, versucht auf besonders dreiste Art und Weise fondsgebundene
Lebensversicherungen zu vertreiben: Mittels eines Pyramidensystems,
oder wie er es nennt, "Freundschaftsprogrammes". Dabei geht es darum,
gutgläubige Konsumenten zum Abschluss einer Lebensversicherung zu
bringen. Einer nicht ganz billigen - 350 Euro im Monat auf 30 Jahre
Laufzeit. Das sind 4.200 Euro im Jahr und 126.000 Euro auf die
gesamte Laufzeit hochgerechnet. Das ist viel Geld und eine noch viel
längere Laufzeit, die er möglichen Kunden mit Hilfe seines
Bonussystems schmackhaft machen will.

Zwtl. Jeder wirbt zwei neue Kunden

Jeder Konsument muss innerhalb einer gewissen Zeit zwei neue Kunden
werben, die dann ihrerseits wiederum 2 Kunden anwerben müssen. Für
jede komplettierte Ebene erhält der Erstkunde eine Monatsprämie
gutgeschrieben. Können 5 Ebenen fertig gestellt werden, sprich 32
Kunden geködert werden, übernimmt Herr K. die Bezahlung der
Versicherungsprämie für 5 Jahre. Ein klassisches Pyramidensystem
also. Dazu Mag.(FH) Manfred Neubauer, AKNÖ-Anlageexperte: "Es ist ein
Wahnsinn, Lebensversicherungen auf diese Art und Weise verkaufen zu
wollen. Denn schließlich gehören sie nicht zuletzt auf Grund der
langen Laufzeit zu den beratungsintensivsten Produkten auf dem
Vorsorgemarkt. Durch diese Art des Verkaufs entfallen jedoch
sämtliche Beratungspflichten. Wo ist die Bedarfserhebung, wo die
Risikoanalyse?" Neubauer kritisiert weiter, dass auf Grund des
Aufbaus Neukunden gerade im Verwandten- und Bekanntenkreis angeworben
werden.

Zwtl. Keine Neuwerbung, aber der Vertrag bleibt aufrecht

Bei dieser Art des Verkaufs geht es nicht um Beratung oder darum, dem
Kunden ein maßgeschneidertes Produkt zu verkaufen. Es geht nur um das
Zustandekommen einer Pyramide. Neubauer weist darauf hin, dass es
nicht damit abgetan ist, zwei Leute zu finden, die die
Lebensversicherung kaufen, sondern dass man einen aufrechten Vertrag
abgeschlossen hat, der mit hohen Kosten verbunden ist. Auch wenn man
keine Neukunden anwerben kann, also keine weitere Ebene komplettieren
kann, bleibt der Vertrag aufrecht. Selbst wenn der Konsument
feststellt, dass er sich die monatlichen Prämien nicht leisten kann.

Zwt.: Pyramidensystem und doch nicht strafbar

Obwohl der Verkauf der Lebensversicherung eindeutig wie ein
Pyramidenspiel aufgebaut ist, macht sich Ronald K. doch nicht
strafbar. Dazu Neubauer: "Es wird ja eine Lebensversicherung
verkauft, das heißt von Seiten des Unternehmers wird eine Leistung
gebracht. Damit ist der Schein gewahrt, denn Herrn K. geht es
zumindest vordergründig nicht darum, sich einen Vermögensvorteil zu
verschaffen."

In diesem Fall sind auch die Versicherungsunternehmen - die Clerical
Medical Investment Group Limited hat die Kooperation schon gekündigt
- gefordert. Diesen kann und darf es nicht gleichgültig sein, unter
welchen Umständen hier langfristige Versicherungsverträge zustande
kommen, bzw. wie ihre Produkte verkauft werden. "Wir fordern die
Versicherungen deshalb auf, sich für solche Praktiken nicht zur
Verfügung zu stellen", stellt Neubauer abschließend fest.

Rückfragehinweis:
AKNÖ-Konsumentenberatung,
Mag. (FH) Manfred Neubauer
Tel.: (01) 58883-1335
mailto:[email protected]
http://noe.arbeiterkammer.at

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