- 03.07.2006, 16:46:01
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar
"Zur Waffe!" gegen das "ausländische Gesindel"
Wien (OTS) - Vielleicht stört es nur jemanden, der sehr auf seinen
Individualismus bedacht ist und daher ein von der Obrigkeit
angeordnetes Gutmensch-Gehabe nicht verträgt. Jedenfalls ist für mich
diese Weltmeisterschaft heftig dabei, bei allen sportlichen,
kommerziellen und polizeilichen Erfolgen zum Inbegriff der Heuchelei
zu werden. Dies weniger deshalb, weil etwa die Portugiesen
Schauspielkurse besucht haben müssen, um so dramatische Heldentode
nach angeblichen Fouls der Gegner darstellen zu können. Vor allem
aber wegen der penetranten Reden gegen den "Rassismus", die
neuerdings vor jedem Spiel gehalten werden. Es geht offenbar darum,
die hässlichen Pfiffe und Urwald-Geräusche zu unterbinden, denen in
Europa bisweilen Spieler mit anderer Hautfarbe ausgesetzt sind.
Wie sehr der Text aus dem Herzen kommt, merkt man schon daran, wie
ihn die dazu eingeteilten Spieler mühsam vom Blatt lesen. Mit
Garantie kann keiner von ihnen den da laut Vorlage zu verurteilenden
Rassismus - der ja ein oft manipulativ missbrauchter Begriff ist -
überhaupt definieren.
Warum aber wird nichts gegen die ebenso hässlichen Pfiffe
unternommen, die es seit Jahrzehnten regelmäßig für die Hymne der
anderen Nationalmannschaft gibt? Ist das nicht ein genauso
grauslicher Chauvinismus? Warum wird in Österreich seit Jahrzehnten
nichts gegen die widerlichen antisemitischen Sprechchöre des
Rapid-Anhangs getan? Dieser Anhang erhält von Klub und Medien im
Gegenteil oft Lobeshymnen ob der Unterstützung für seine Mannschaft.
Noch grundsätzlicher gefragt: Wenn die Fifa neben allem
Geldverdienen auch politisch korrekt sein will, warum eigentlich
spielt sie vor jedem Spiel die Nationalhymnen? Denn deren Texte sind
sehr oft von übelstem Chauvinismus und primitiver Kriegstreiberei
gefüllt. Man lese etwa die Hetze gegen Österreich in der
italienischen Hymne; oder dasselbe in der französischen (bloß
verzichten die Franzosen auf die Nennung Österreichs, das
freundlicherweise lediglich als "ausländisches Gesindel" umschrieben
wird); oder man höre Portugal zu: "Zur Waffe! Zur Waffe!"; oder
Mexiko: "Auf zum Schrei des Krieges!"
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
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