• 30.06.2006, 18:12:36
  • /
  • OTS0256 OTW0256

Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Was Wien alles aushält

Wien ist eine schöne Stadt. Die Reste der Kaiserzeit, Museen und Oper
ziehen immer mehr bewundernde Touristen an. Wien funktioniert - mit
Einsatz von viel Steuergeld. Es gibt in der Stadt aber auch eine
bedenkliche Häufung von Machtmissbrauch, der nur deshalb nie ins
Bewusstsein rückt, weil die Opposition kaum vorhanden ist, weil die
wirkungsstarken Medien gekauft worden sind.

Der Wiener Filz zeigt sich immer wieder an neuen Beispielen: Da
fahren die angeblich entpolitisierten Wiener Linien seit Wochen
ungeniert mit Fähnchen, die für eine Kundgebung einer von Rot und
Grün umworbenen sexuellen Gruppe werben (samt Auftritten für diese
beiden Parteien). Da demonstrieren Hunderte Schulpflichtige während
des Unterrichts gegen den zweifellos davon sehr beeindruckten
US-Präsidenten - der Stadtschulrat unternimmt aber nichts, um
Schulleiter oder Schüler an ihre Pflichten zu erinnern. Da macht die
Wiener Bestattung bei den Angehörigen von Verstorbenen Werbung für
Inserate in einer Tageszeitung. Da werden ständig
Parteiveranstaltungen vom schwarzen Stadtfest über das rote
Donauinselfest bis hin zum - sagen wir: exzentrischen Aids-Ball
subventioniert; da finanzieren sich also die Bürger selbst "Brot und
Spiele", obwohl die Mächtigen vorgeben, es zu spendieren. Da gibt
keine Land, keine Stadt auch nur annähernd so viel für die eigene
Propaganda aus wie dieses Wien.

Gleichzeitig ist aber in der Bundeshauptstadt die Arbeitslosigkeit
höher als im restlichen Österreich, und auch schon höher als in
einigen der einst armen osteuropäischen Metropolen. Den Wiener
Bürgermeister scheint das allerdings nicht zu stören, er ist außer
bei netten Fototerminen und spitzen Sagern über seine Gegner (in- und
außerhalb seiner Partei) nicht mehr wirklich vorhanden.

Die wirklichen Probleme können scheinbar straflos aufgeschoben
werden: die Ghettobildung; die Verkehrsprobleme; die städtebauliche
Verhässlichung durch Hochhäuser am falschen Ort (die überdies nur ein
matter Abklatsch dessen sind, was sich anderswo an Architektur tut);
die Konkurrenz durchs niederösterreichische und Pressburger Umland;
oder die unerträgliche Bürokratie für alle, die in Wien
wirtschaftlich aktiv sein wollen.
Ob sie‘s nur aushält, die Stadt?

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWR

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel