Transportunfälle mit Gefahrgut im Steigen: AUVA-Experten schlagen Alarm

Wien (OTS) - Während die Anzahl der Arbeitsunfälle mit gefährlichen Gütern in Wien, Niederösterreich und Burgenland seit 2003 insgesamt zurückgeht, steigen die Verletzungen beim Transport in den Betrieben aber auch auf der Straße - vor allem durch Verbrennungen und Verätzungen - signifikant an. Parallel dazu nahm leider das Interesse an Schulungen und Unterweisungen in den Jahren 2004 und 2005 dramatisch ab. Ziel der AUVA-Landesstelle Wien ist es, die Betrieben mit Beratungen und ,Unterweisungshilfenen in den zu helfenunterstützen, damit es zu weniger Chemieunfällen kommt. Ein wichtiger Schritt zur Unfallverhütung ist zum Beispiel die Erstellung eines Kontrollsystems, das alle Glieder der Gefahrgutkette von der Sekretärinvom Schreibtisch bis zum Lenkrad erfasst.

Dipl.-Ing. Dr. Josef Drobits, Gefahrgutexperte der AUVA-Landesstelle Wien, ist nach Analyse der Arbeitsunfallstatistik der jüngsten fünf Jahre alarmiert: "Viele betreiben eine Vogel-Strauß-Politik, andere orientieren sich nur an den notwendigsten Einzelmaßnahmen. Technische Details oder Erleichterungen für Kleinmengen werden zwar nachgefragt, generell hapert es leider bei den Schulungs-,
Anweisungs-, und Kontrollsystemen in den Betrieben. Nur die Gefahrgutkurse, die im Gefahrgut-Beförderungsgesetz (GGBG) verpflichtend vorgesehen sind, weisen entsprechende Teilnehmerzahlen auf. Die Bereitschaft zur Eigenfortbildung ist leider sehr gering."

Im Straßenverkehr löst das FahrvVerhalten des Lenkers bei rund der Hälfte der Gefahrgutunfälle den Unfall aus. Bei rund vierzig Prozent waren Gefahrgutverpackungen oder die Sicherung von Ladegut mangelhaft.

Arbeitsunfälle passieren am häufigsten mit heißen Flüssigkeiten oder deren Dämpfen, mit verätzenden Säuren und Laugen. Betroffen sind in erster Linie die Hände, aber auch Füße - häufig aufgrund offenen Schuhwerks -, und Augen. Gasvergiftungen rückten bereits an die dritte Stelle hinter Verbrennungen und Verätzungen vor. Dr. Drobits:
"Relativ simple Maßnahmen würden bereits zu deutlichen Verbesserungen führen. Oft fehlt ein geeigneter Schutz der Hände, zum Beispiel waren , Handschuhe nicht verfügbar. Verletzungen durch Tanküberfüllungen dürften gar nicht mehr passieren: technische Überfüllstopper sind verpflichtend vorgeschrieben. Trotzdem werden nach wie vor gleich mehrere Körperpartien vom Kopf abwärts durch überschwappende ChemikalienSchutzbrillen bei diffizilen Ladevorgängen, das verletzt.

Dr. Drobits ist überzeugt, dass die genaue Erhebung des Gefährdungspotenzials zum Beispiel mit Hilfe der AUVA von großem Nutzen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist: "Beide wissen dann genau woran sie sind und können Vorkehrungen treffen. Weiters ist eine korrekte Unterweisung aller mit Gefahrgut Befassten ein weiterer wichtiger Schritt zur Unfallvermeidung. Sie schafft einfach mehr Verständnis für Ursache und - die oft fatale - Wirkung. Entscheidende Fehler können bereits bei der Zuordnung und Klassifizierung am Schreibtisch passieren. Werden zum Beispiel Gefahrgüter ohne korrekte oder mit falscher Gefahrgutkennzeichnung auf die Reise geschickt, steigt das Risiko, im Ernstfall durch die transportierten chemischen Stoffe zu Schaden zu kommen, deutlich. Dies gilt ganz besonders für zu Hilfe gerufene Einsatzkräfte.

Arbeitnehmerschutz und Wirtschaftlichkeit sind keine Gegensätze und dürften es in der Praxis auch nicht sein. Das Wissen um die Gefahren und deren Vermeidung schafft einen Wettbewerbsvorteil, senkt die Ausfallskosten, verhindert etwaige Entschädigungen und Haftungsansprüche. Geregelte Abläufe bei der Herstellung, Lagerung und beim Transport gefährlicher Güter sind eine nicht zu unterschätzende Qualitätssicherungs-Dienstleistung."

Die AUVA bietet den Unternehmen und den Versicherten kostenlos Hilfe bei allen Gefahrgutfragen in den Betrieben, Beratung bei verwandten Themen wie Ladegutsicherung, Transport und Lagerung von Chemikalien, Schadstoffmessungen, Evaluierung, Erste Hilfe sowie Ratschläge zur Umsetzung von Gesetzen und Vorschriften. Dr. Drobits bearbeitet durchschnittlich rund 100 Anfragen aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland pro Jahr. Fragen kommen in erster Linie zur Kennzeichnung und zu technischen Vorschriften, Erleichterungen bei Kleinmengen und dem viel zu wenig beachteten Thema der Verantwortung.

Wer muss beim Umgang mit Gefahrgut geschult werden? Alle beteiligten Personen und zwar bei Auftraggeber, Absender, Verlader, Befüller und Beförderer, sowie Staplerfahrer und Gefahrgutlenker. Zu Schulen ist nach dem ADR(1) 2005 - Kapitel 1.3, 1.4, 8.2.1, 8.2.3 -und dem ASchG § 14 (Evaluierungsverpflichtung im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz). Wichtig ist die klare Festlegung der Verantwortung, der Anordnungskompetenzen und die Vermeidung von "Grauzonen" sowohl innerbetrieblich als auch bei den Schnittstellen zu den Kunden.

(1) ADR: Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route; das europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter.

Im ADR geregelt sind Sicherheitspflichten (Kapitel 1.4) und die Unterweisung (Kap. 1.3). Es wird nach Verantwortung und Aufgabenbereich unterschieden und zwar in drei Bereichen: einer allgemeinen Einführung mit den Grundlagen, einer konkreten, aufgabenbezogenen Informationen sowie den Sicherheitsunterweisungen für ein Notfallmanagement.

Gefahrgutunfälle können bei allen Arbeitsgängen des Transports z.B. durch Beschädigung der Verpackung, fehlender Ladegutsicherung, unsachgemäßer Zwischenlagerung geschehen. Sie sind als Arbeitsunfälle (ab drei Tagen Krankenstand) der AUVA zu melden. Als Zwischenfälle oder schwere Verstöße sind sie im Jahresbericht des Gefahrgutbeauftragten zu erwähnen, wenn ein Personen-, Sach- oder Umweltschaden mit Gefahrgutaustritt eingetreten ist (Kapitel 1.8.5)

Gefahrgutbeauftragte sind auch für die Koordination (gefordert im § 8 ASchG) der Prävention und Dokumentation der gesetzten Maßnahmen zuständig. Dr. Drobits: "Hier passieren oft Fehler, die zumeist auf mangelnder Kommunikation beruhen. Ohne Schulung und Training wird diese Aufgabe nicht zu meistern sein. Koordination muss selbstverständlicher Teil der Arbeit, zum Selbstläufer werden".

Hilfe bei der AUVA bieten nicht nur Gefahrgutexperten wie Dr. Drobits, sondern auch die AUVA-DVD "Chemie an Bord" mit anschaulichen Beispielen, die gemeinsam mit Partnern durchgeführte Aktion "Arbeitsplatz Straße" oder der zweitägige Intensivkurs "Safety Driver".

Detaillierte Informationen enthalten weiters die Merkblätter der AUVA, die kostenlos im Internet oder per Fax unter (01) 33133-600 zu bestellen sind: Gefahrguttransport auf der Straße M 830 (www.auva.at/mediaDB/48685.PDF), und Ladegutsicherung M 846 (www.auva.at/mediaDB/84231.PDF).

Die AUVA-DVD "Chemie an Bord" ist über das österreichische Filmservice (www.filmservice.at) gegen einen Unkostbeitrag zu beziehen. Dipl.-Ing. Dr. Josef Drobits ist in der AUVA-Landesstelle Wien unter der Telefonnummer (01) 33133 602 zu erreichen. Für Betriebe bis 50 Mitarbeiter stehen die Berater der Präventionszentren AUVAsicher unter der Telefonnummer 0 810/ 20 00 20-1000 (Fax 0 810/ 20 00 20-1100, im Internet: www.auva.at/auvasicher) zur Verfügung.

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