- 26.06.2006, 16:52:49
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 27. 06. 2006: Trotz neuem Exportrekord ist noch viel zu tun - von Peter Muzik
Schön, dass Exporte nicht vom Wetter abhängig sind
Wien (OTS) - Heute gilt es, eine gute und eine schlechte Nachricht
unter einen Hut zu bringen. Zunächst die erfreuliche: Österreichs
Exporteure werden im Jahr 2006 laut WKO-Präsident Christoph Leitl
neun Prozent Zuwachs schaffen, was 60.000 neue Arbeitsplätze bringen
dürfte. Jetzt die unerfreuliche: Die heimischen Tourismusbetriebe
mussten beim Start in die Sommer-saison ein deutliches Minus
hinnehmen. Im kühlen Mai wurden nur 5,8 Millionen Übernachtungen
verzeichnet - 10,6 Prozent weniger als im Jahr davor.
Das heisst also: Während Österreich etwa den Export-Kaiser Schweiz
mit 100 Milliarden Euro Exportvolumen erstmals einholen könnte,
sieht's für den österreichischen Fremdenverkehr gar nicht gut aus -
auch wenn beispielsweise Wien noch im April dank Mozart,
EU-Präsidentschaft und Osterfeiertagen ein 20-prozentiges
Nächtigungsplus bejubeln durfte. Gottlob sind die Ausfuhren nicht vom
Wetter abhängig, sodass sich Leitl zu Recht über die "rot-weiss-rote
Erfolgsgeschichte" freuen kann.
Nur: Trotz aller Good News - so liegt z. B. Österreichs
Pro-Kopf-Exportvolumen von 11.700 Euro deutlich über dem
EU-Durchschnitt von 7700 Euro - sollten wir am Boden bleiben. Und
beispielsweise nicht vergessen, dass derzeit noch nicht einmal 30.000
heimische Unternehmen ins Ausland liefern. Dass sich ihr
Aktionsradius primär auf die neue EU beschränkt. Dass manche anderen
Märkte viel zu wenig beackert bzw. überhaupt links liegengelassen
werden. Und dass die Aktion "Go international", eine Kooperation
zwischen der Wirtschaftskammer und dem Wirtschaftsministerium, nicht
ganz so prächtig funktioniert, wie es gerne heisst. Unter günstigeren
Voraussetzungen - sprich: mehr Budgetmittel - könnte diese
Initiative, die kommendes Jahr auslaufen soll, weit mehr Erfolge
einspielen. Fazit: Die Richtung in Sachen Export stimmt zwar; es
wird, vor allem von der Aussenwirtschaft Österreich (AWO), gut
gearbeitet; aber es bleibt noch enorm viel zu tun.
Das gilt - eins zu eins - auch für Österreichs Tourismus: In Summe
behaupten wir uns in der internationalen Szene noch recht gut; Arthur
Oberascher und seine Österreich Werbung zersprageln sich um neue
Gäste-Zielgruppen; aber wenn das Wetter nicht will, nutzt das halt
gar nichts. Und wenn die nächste Regierung den touristischen Klein-
und Mittelbetrieben nicht schon bald, stärker als bislang bloss
versprochen, unter die Arme greift, werden selbst die schönsten
Dachmarken und tollsten Charme- und Serviceoffensiven herzlich wenig
bringen.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
http://www.wirtschaftsblatt.at
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