Kurt Bergmann: 10 Bekenntnisse zum ORF

Wien (OTS) - Anlässlich der Betriebsversammlung Fernsehen-Programm übermittelte Stiftungsrat Kurt Bergmann diese "10 Bekenntnisse zum ORF" an die Teilnehmer.

Österreich ist ein selbstbewusstes, aber kleines Land in der großen und immer größer werdenden Europäischen Union. Will Österreich mit seiner einzigartigen Kultur, seiner Wirtschaft, den Erfolgen der Wissenschaft, dem Tourismus und seiner regionalen und lokalen Vielfalt sowohl national als auch international gehört und gesehen werden, dann braucht es eine starke Radio- und Fernsehanstalt höchster Qualität.

Der ORF hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass er das ist und dass er das kann.

Es wird die Aufgabe des ORF-Stiftungsrates in den nächsten Wochen sein, im Österreichischen Rundfunk eine neue Führung zu bestellen, die sicherstellt,

  • dass der ORF die Herausforderungen am Medienmarkt erfolgreich bewältigt,
  • die Versuche den ORF politisch zu instrumentalisieren zurückweist,
  • die Unabhängigkeit der Journalisten und Programmmacher garantiert,
  • seine Marktführerschaft festigt,
  • im Wettbewerb verloren gegangenes Terrain zurückgewinnt,
  • die weltweite technische Entwicklung kreativ nutzt und
  • seine finanziellen Mittel sparsam, wirtschaftlich und zweckmäßig einsetzt.

Angesichts der aktuellen Diskussion und angesichts der Erwartungen von mehr als 7,6 Millionen Radio- und Fernsehteilnehmern stelle ich daher als Mitglied des Stiftungsrates des ORF in aller Öffentlichkeit klar:

1. Unabhängigkeit.
Ich bekenne mich zu einem von parteipolitischem Druck und vom Staat unabhängigen ORF, mit seinem vielfältigen Radio-, Fernseh- und Onlineangebot.

2. Öffentlich-rechtlich
Ich bekenne mich zum öffentlich-rechtlichen Auftrag, der das Herzstück des ORF ist und seine Positionierung in der österreichischen Medienlandschaft bestimmt. Die Rechtsform der Stiftung ist dafür Voraussetzung.

3. Objektivität
Ich bekenne mich zu einem umfassenden Informations- und Objektivitätsauftrag. Er ist das wichtigste Gebot für die Programmmacher des ORF. Seine Erfüllung rechtfertigt einen aus Gebühren finanzierten Rundfunk in Österreich.

4. Kultur/Bildung
Ich bekenne mich zum Kultur- und Bildungsauftrag, der auch in den Hauptsendezeiten erfüllt werden muss.

5. Qualität
Ich bekenne mich zum Auftrag, dem Publikum für sein Geld ein spannendes, interessantes und vielfältiges Programm von größtmöglicher Qualität und höchstem Niveau zu bieten. Nicht Quote statt Qualität, sondern Qualität und Quote ist die Zielsetzung.

6. Föderalismus
Ich bekenne mich zur föderalistischen Struktur des Österreichischen Rundfunks und den damit verbundenen Investitionen. Die weitere Regionalisierung des Fernsehens ist eine wichtige Aufgabe für die nächsten Jahre.

7. Innovation
Ich bekenne mich zum Auftrag, den österreichischen Kreativen und den Filmschaffenden eine Plattform für ihr Wirken zu bieten. Sie brauchen den ORF und der ORF braucht sie: für aufregende Experimente, innovative Programme und für die Fortentwicklung des Kunst- und Kulturbetriebes in unserem Lande.

8. Internationalität
Ich bekenne mich zum internationalen Engagement des ORF. Dies gilt für Technologien und Technologieplattformen (Satelliten, digitalisiertes Antennenfernsehen, HDTV, Internet, Neue Medien etc.) ebenso wie für die Programmgestaltung (Kooperationen, Koproduktionen, Spartenkanäle, Hilfeleistung für andere Radio- und Fernsehanstalten etc.).

9. Medienkooperationen
Ich bekenne mich zur fairen Kooperation des ORF mit dem Verband Österreichischer Zeitungen, mit den privaten Radio- und Fernsehveranstaltern sowie mit den Neuen Medien. Dies inkludiert auch die strikte Einhaltung der gesetzlichen Werberichtlinien.

10. Wirtschaftlichkeit/Kontrolle
Ich bekenne mich zur Notwendigkeit, die wirtschaftliche und die programmliche Entwicklung des ORF streng zu kontrollieren. Seine gesellschaftliche und seine medienpolitische Bedeutung ist permanent zu hinterfragen und immer wieder neu zu überdenken.

Auf der Basis dieser Grundsätze hat der ORF-Stiftungsrat am 17. August 2006 eine neue Führung zu bestellen, die sich einem "rot-weiß-roten" Programmauftrag verpflichtet fühlt. Die klare Visionen für die Zukunft vorlegt, die Mut zum Experiment hat, und die es als ihre Aufgabe erachtet, mit einem umfassenden Radio-, Fernseh-und Onlineangebot das gesellschaftliche, politische, kulturelle, geistige und wirtschaftliche Leben in und außerhalb unseres Landes widerzuspiegeln.

Es gilt, die kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zukunft des ORF zu sichern!

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