WirtschaftsBlatt Kommentar vom 16.6.2006: Wie lange ist eine Korrektur noch gesund? - von Angelika Kramer

Einen Rückschlag in dem Ausmass hat es an unserer Börse noch nie gegeben

Wien (OTS) - Wacker hat er sich zuletzt gehalten, der ATX. Lange
hat es am am Mittwoch so ausgesehen, als müsse er sich den Marktkräften wieder geschlagen geben, bis er am späten Nachmittag doch noch das Plus erreichte. Anleger müssen diese Zitterpartie nun schon seit etwa einem Monat leidvoll über sich ergehen lassen. Dementsprechend wächst auch die Verunsicherung unter ihnen: Ist das die endgültige Trendwende, ist die Erfolgsstory der Wiener Börse jetzt zu Ende?

"Ganz und gar nicht", lautet fast unisono die Antwort der Banker, Fondsmanager und Börsechefs, denen bange ist, um ihr lukratives Geschäft umzufallen. Es handle sich lediglich um eine "gesunde Korrektur" heisst es, der Zeitpunkt für einen Einstieg wäre jetzt geradezu optimal. Was Anleger bei allem berechtigten Optimismus stutzig machen sollte: Eben diese Herren haben bereits Mitte Mai, als die Zeichen erstmals auf Kurssturz standen, zum Einstieg geraten. Alle jene, die sich damals daran gehalten haben, hätten heute mehr als 20 Prozent ihres Investments in Wien in den Sand gesetzt. Bei manchen Einzeltiteln sogar weit mehr.

Die Experten haben natürlich Recht, wenn sie sagen, es bestehe fundamental kein akuter Anlass zur Sorge: Die Unternehmensgewinne scheinen weiterhin zu florieren, und die Wiener Börse ist im Verhältnis zu anderen Börsen immer noch nicht überbewertet. Es ist aber auch eine Tatsache, dass es einen Rückschlag in der Grössenordnung, wie wir ihn jetzt sehen, in Wien noch nie gegeben hat. Ausserdem war die Wiener Börse über Jahre hindurch deutlich unterbewertet, warum sollte sie also jetzt nicht wieder in einen Dornröschenschlaf zurückfallen? Die vielen internationalen Investoren, die Wien als Beimischung in ihrem Portfolio in den vergangenen Monaten als en vogue angesehen haben, können ebenso schnell ihre Liebe zu neuen Märkten entdecken. Denn Wien ist auf Grund seiner noch immer geringen Grösse, anders als etwa Frankfurt oder London, kein Muss für die Beimischung in einem internationalen Fonds.

Ohne sich zu sehr aufs Schwarzmalen zu verlagern: Die Lage an den Börsen ist ernst. Auch wenn diese Lage zurzeit vorwiegend auf irrationalen Ängsten basiert. Deshalb sind auch die Verniedlichungsversuche der Börse-Gurus mit äusserster Vorsicht zu behandeln. Sie jedenfalls werden die Anleger nicht schadlos halten, wenn sich das "Korrektürchen" einmal doch zu einem satten Dauerabsturz auswachsen sollte.

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