• 07.06.2006, 12:20:09
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Peymann fordert Nobelpreis für Handke

Der Theatermann im NEWS-Interview über die Burgtheater- Nachfolge, Meyer als Volksoperndirektor, ein Angebot an Brandauer und sein eigenes Abgangsszenario

Wien (OTS) - Claus Peymann, legendärer Ex-Burgtheaterdirektor und
heute Intendant des Berliner Ensembles, wendet sich in einem
Interview für die morgen erscheinende NEWS-Ausgabe scharf gegen die
Aberkennung des Heine-Preises, die dem Dichter Peter Handke droht.

Peymann über Handke: "Handke ist ein wahrhaft aufrechter Mensch,
der sich so verhält, wie sich Intellektuelle gefälligst zu verhalten
haben. Menschen wie Günter Grass, Martin Walser oder Sartre vertreten
ihre Meinung und knicken nicht ein. Der jetzt entbrannte Streit hat
bei aller Fürchterlichkeit vielleicht auch ein Gutes. Wir erkennen,
dass Meinungsfreiheit auch im Westen nicht mehr besteht. Die
Gehässigkeit vieler Kommentatoren entlarvt eine Gesellschaft, die
sich immer mit ihrer Toleranz brüstet. Der Heine-Preis wäre in seiner
doppelten Funktion - nämlich ein literarischer wie auch ein Preis für
Zivilcourage zu sein - mit Handke richtig besetzt gewesen. Jetzt hat
die schandbare Verweigerung und die Feigheit einiger Juroren das Bild
Heines, Handkes und das Bild Düsseldorfs befleckt. Allen
journalistischen Scheußlichkeiten, aller Verleumdung zum Trotz:
Handke hat nicht nur den Heine Preis verdient - jetzt hilft nur noch
der Nobelpreis!"

Peymann über seinen Nachfolger Klaus Bachler: "Ach, ist der
Bachler noch da - ich dachte, der wäre schon längst in München! Das
Burgtheater war ja in den Bachler-Jahren für mich kein Thema.
Außerhalb von Österreich nimmt es kaum einer mehr so richtig wahr.
Ich habe immer gesagt, dass der Wechsel vom anstrengenden, nervenden
Künstlerdirektor Peymann zum Managerdirektor Bachler Glätte,
Farblosigkeit und falsche Diskretion bedeutet. Die Stadt wird nicht
polarisiert, das vornehme Sich-Zurückhalten ist langweilig und die
Wiener finden es grauslich. Dem jetzigen Burgtheater fehlen Geist,
Herz, Leidenschaft und Wut."

Für die anstehende Nachfolgeentscheidung Bachlers favorisiert
Peymann Ulrich Khuon (Thalia Theater Hamburg), meint aber, dass es
der Zürcher Intendant Matthias Hartmann wird und kündigt an, wieder
in Wien inszenieren zu wollen: "Hartmann wird es gut machen, aber es
wird ihn künstlerisch ruinieren. Das Theater verzeiht Treulosigkeit
nicht. Hartmann hat es immer viel zu eilig - und zu wenig Skrupel
(...) Aber ich mag ihn trotzdem! Er hat viel bei uns in Wien
gearbeitet, und ich habe fast so etwas wie väterliche Gefühle für
ihn. Für das Burgtheater "passt" er. Er ist ausreichend clever, hat
ein dichtes Netzwerk, guten Instinkt und ist so geschickt, dass man
ihn umgehend an das böse Wiener Herz drücken wird. Für Wien ist er
die optimale Entscheidung. (...) Und ich könnte dann als
Theatergruftie ab und zu inszenieren wie der wunderbare, alte George
Tabori jetzt bei uns am BE. Das würde ich schon ins Auge fassen, wenn
er ein paar gute Schauspieler zusammenkriegt."

Unfreundlich äußert sich Peymann über die Ernennung Robert Meyers
zum Volksoperndirektor: "Mit einer solchen Fehlentscheidung wird das
Haus in Gefahr gebracht. Da haben sich die beiden Spezis Morak, Meyer
und Co. eine solide Altersversorgung zugeschoben. Beide sind ja groß
geworden im damaligen Krieg gegen Peymann und jede Erneuerung der
Burg. Andererseits ist es nur konsequent, jemanden zu holen, der
überhaupt keine Ahnung von Oper und Theaterleiten hat. Wahrlich
wieder eine Bankrotterklärung der Kulturpolitik. Gegen Meyer wird ja
sogar Holender, der Bademeister von der Staatsoper, zum Übermann.
Andererseits: Meyer hat einen Dickkopf, das ist seine Chance."

Seinem alten Gegner Klaus Maria Brandauer unterbreitet er ein
Angebot für das Berliner Ensemble mit Peter Stein als Regisseur:
"Brandauer hab ich einmal öffentlich in eine Ecke gestellt, wo er
weiß Gott nie stand. Natürlich war er nie ein Gefolgsmann von Haider.
Heute bedaure ich meinen Ausfall. Er müsste längst in einer tollen
Rolle in Berlin spielen. Demnächst inszeniert er ja am Metropol die
,Dreigroschenoper’, er hätte nur ein paar Schritte ins BE, er ist
willkommen. Ich biete ihm einen großen Regisseur, Peter Stein."

Er selbst, sagt Peymann im NEWS-Interview, werde seine Karriere
als Intendant "in zwei, drei Jahren" beenden.

Rückfragehinweis:

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    Chefredaktion
   Tel.: (01) 213 12 DW 1103

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