• 01.06.2006, 18:04:45
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Schlechtes Geld - gutes Geld

Wien (OTS) - Die Parteipolitik mag sich streiten um die diversen
Penthäuser und deren Möbel. Vielleicht sind solche Themen für das
Publikum anschaulicher als alle anderen, etwa auch als der Umstand,
dass sich bis heute kein reumütiger Täter beschämt und öffentlich
entschuldigt hat. Letztlich aber sind das Peanuts gegen die wirkliche
Katastrophe.

Denn der Schaden aus dem größten Finanz- und Wirtschaftsskandal
der gesamten österreichischen Geschichte wird von Woche zu Woche
ärger. Das taktisch ungeschickte Agieren der österreichischen
Sanierer hat die Gefahr vergrößert, dass unter dem Druck der
Gläubiger dem schlechten (also schon in der Karibik versenkten) Geld
noch viel gutes Geld (also noch vorhandenes der Steuerzahler, der
anderen Banken, der Gewerkschaftsmitglieder) nachgeworfen werden
muss. Längst sollte nämlich hierzulande intensiv diskutiert werden,
ob es nicht viel klüger wäre, wenn Bawag und ÖGB wirklich in Konkurs
gingen - und eine neue Arbeitnehmervertretung ohne Altlasten neu
gegründet würde.

*

Andreas Khol und Peter Westenthaler sitzen wieder beim
Kanzler-Frühstück. Die Erfahrung lehrt Skepsis: Denn wenn ein
Erfolgs-Mythos auf Knopfdruck wiederbelebt werden soll, kommt
meistens Enttäuschung heraus.

*

Die EU schafft schon wieder ein neues Institut: Um mehr als 52
Millionen Euro wird die Gleichbehandlung von Männern und Frauen
untersucht werden. Die 25 Minister unter Vorsitz der Österreicherin
Maria Rauch-Kallat haben dazu gleich den Vorschlag der Kommission vom
Tisch gewischt, dass dort auch eine gewisse Mindestanzahl von Männern
vertreten sein sollte. Dem nicht genug: Im nächsten Jahr kommt eine
Informationskampagne auf uns zu, die Diskriminierungen auf Grund von
Geschlecht, Rasse, Religion oder sexueller Orientierung anprangern
wird. Um acht Millionen.
Fragt da noch wer, ob die EU dafür überhaupt zuständig ist? Fragt da
noch wer, ob sie nicht ohnedies schon eine Antirassismus-Stelle hat?
Fragt da noch wer, warum die Bürger bei Umfragen ganz andere Sorgen
artikulieren? Fragt da noch wer, warum sich die Meinung der Bürger
über diese Union in steilem Sturzflug nach unten befindet?

http://www.wienerzeitung.at

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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