- 01.06.2006, 11:22:54
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Österreichs erster Allergiebericht - BILD

Wien (OTS) - In Österreich leiden derzeit mehr als 1,6 Millionen
Menschen an einer Allergie. Dennoch werden Allergien häufig
unzureichend therapiert. Das führt nicht nur zu massiven
gesundheitlichen Folgen bei Allergikern, sondern verursacht darüber
hinaus enorme volkswirtschaftliche Belastungen durch Krankenstände
bzw. eingeschränkte Leistungsfähigkeit von Allergikern. Allein bei
den Versicherten der Wiener Gebietskrankenkasse sind jährlich 3.934
Personen durchschnittlich 13,5 Tage im Krankenstand; bei den
Versicherten der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse fallen pro
Jahr 951 Mal Allergiker durchschnittlich zehn Tage krankheitsbedingt
aus. Die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse (OÖGKK) zahlt
jährlich rund 48.000 Euro an Krankengeld für Allergiker. +++
Allergische Erkrankungen können sich in verschiedenen Formen
ausdrücken: Vom lästigen Juckreiz bis zu Allergien mit
lebensbedrohlichen Folgen. Immerhin sind in Österreich 2004 acht
Menschen an den Folgen eines Status asthmaticus (Asthma mit
Dauerkrampf-Folgen) und zwei Personen an einem Anaphylaktischen
Schock verstorben. Allein in Österreich leiden rund 1,6 Millionen
Menschen an Allergien. Eine der häufigsten Formen ist die
Pollenallergie, von der in Wien etwa 180.000 Menschen betroffen sind;
gefolgt von der Tierallergie, an der zirka 130.000 Wiener leiden. Die
Allergieprävalenz weist österreichweit starke regionale Unterschiede
auf: Salzburg und Oberösterreich verzeichnet die meisten Allergiker;
den geringsten Allergikeranteil weisen das Burgenland und Kärnten
auf. Allergien können zu Augenproblemen, Atemwegserkrankungen,
Hautirritationen, oder Erkrankungen des Verdauungstraktes und des
Hals-Nasen-Ohren-Bereiches führen.
Erster österreichischer Allergiebericht
Der österreichische Allergiebericht stellt erstmals die
Dimensionen allergischer Erkrankungen in der öffentlichen Gesundheit
dar. Der Bericht zeigt, dass die Häufigkeit von Allergien in
Österreich seit den 1980er Jahren bis heute stark gestiegen ist. Die
Ursachen für diese Zunahme sind in der veränderten Allergenexposition
ebenso wie in der geringeren Stimulation des Immunsystems durch die
verbesserte Hygiene zu finden. "Im Allergiebericht wurden alle in
Österreich zu Verfügung stehenden Daten zu Allergien
zusammengetragen: Der Bericht zeigt, welche Bevölkerungsschichten in
Österreich von Allergien besonders betroffen sind, listet die
Allergie auslösenden Substanzen auf und gibt Auskunft, wie viele
Diagnosen von welchen Ärzten bisher erstellt wurden. Kurz gesagt,
zeigt uns der Allergiebericht ein genaues Bild über die
Allergie-Situation in Österreich.", fasst Univ.-Prof. Dr. Michael
Kunze vom Institut für Sozialmedizin der Medizinischen Universität
Wien zusammen.
30-Jährige sind von Allergien am stärksten betroffen
Allergische Erkrankungen können alle Menschen betreffen, jedoch
gibt es bestimmte Häufungen in den jeweiligen Altersabschnitten. "Der
Altersgipfel bei allergischen Erkrankungen liegt um das 30.
Lebensjahr. Insgesamt leiden Frauen häufiger an Allergien als Männer.
Im Kindesalter sind jedoch mehr Buben als Mädchen betroffen.", weiß
Dr. Thomas Dorner vom Institut für Sozialmedizin der Medizinischen
Universität Wien. "Interessant ist die Tatsache, dass Menschen in
höher qualifizierten Berufen stärker an Allergien leiden als
Berufstätige in weniger qualifizierten Positionen: In hoch
qualifizierten Berufen sind 30,7 Prozent der Männer und 37,1 Prozent
der Frauen von Allergien betroffen. In Berufen, die keine
Qualifikation verlangen, leiden 24,6 Prozent der Männer und 27,8
Prozent der Frauen an Allergien.", so Dorner weiter.
Allergien beeinträchtigen die Lebensqualität
Mehr als die Hälfte aller Österreicher (50,8 Prozent) zeigt
mindestens eine allergische Sensibilisierung gegenüber einem
Allergen. Selbst bei Personen ohne Beschwerden zeigen 39,3 Prozent
eine allergische Reaktion. Die häufigsten Allergene sind
Gräserpollen, Hausstaubmilben, Katzen, Schimmelpilze und Birken.
Bislang sind allein 4.000 unterschiedliche Kontaktallergene, wie
Nickel oder Duftstoffe, bekannt. Allergien können die Lebensqualität
stark beeinträchtigen. Je nach Allergie fühlen sich 43 bis 63 Prozent
der Betroffenen durch ihre Krankheit sehr oder ziemlich
beeinträchtigt. Allergisches Darmleiden wird als die größte
Beeinträchtigung der Lebensqualität empfunden, gefolgt von Asthma und
allergischer Rhinitis. Insgesamt fühlen sich bei allergischen
Erkrankungen Frauen stärker beeinträchtigt als Männer.
Früherkennung von Rhinitis kann Asthma bronchiale verhindern
Ebenso belegt der Allergiebericht, dass unter den
Stellungspflichtigen seit Mitte der 1980er Jahre bis heute der
Heuschnupfen und Asthma bronchiale enorm zugenommen haben: Litten in
den 80er Jahren noch 3,34 Prozent der Stellungspflichtigen an
Heuschnupfen, waren es im Jahr 2003 bereits 6,74 Prozent: Demnach ist
der Prozentsatz der unter allergischer Rhinitis leidenden
Stellungspflichtigen in einem Zeitraum von ungefähr 20 Jahren um mehr
als das Doppelte gestiegen. Bei Asthma bronchiale sind die Zahlen
noch dramatischer: Von 1986 bis 2003 ist die Zahl der Asthmatiker von
unter einem Prozent (0,76 Prozent) auf 2,73 Prozent gestiegen. Die
Zahl der Asthma-Patienten erhöhte sich also um das 3,5-Fache.
Heuschnupfen und Asthma bronchiale sind eng miteinander verbunden.
Rund 80 Prozent der Asthmatiker leiden auch an Heuschnupfen.
Umgekehrt haben Patienten mit Heuschnupfen das zehnfache Risiko an
Asthma zu erkranken als Personen ohne Allergie. Bei etwa 25 Prozent
der Patienten treten beide Krankheiten zur gleichen Zeit auf. Knapp
zwölf Prozent der Wiener leiden an einer allergischen Rhinitis
während bestimmter Jahreszeiten und von Asthma bronchiale sind 3,7
Prozent der Wiener Bevölkerung betroffen. "Die Früherkennung einer
allergischen Rhinitis kann wesentlich dazu beitragen, die Entwicklung
von Asthma zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern.",
unterstreicht Prim. Univ.-Doz. Wolfgang Pohl von der Österreichischen
Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). Derzeit ist ungefähr ein
Todesfall von 250 Todesfällen auf Asthma zurückzuführen. Jedoch wären
40 bis 50 Prozent der Asthmatodesfälle zu vermeiden, wenn eine
bessere Kontrolle und frühzeitige Therapie vorhanden wären, so Pohl.
"Ein gut kontrollierter Asthmatiker kostet im Jahr 400 bis 500 Euro;
ein schlecht kontrollierter 1.500 Euro.", fasst Pohl zusammen.
Schlüsselfunktion Allgemeinmediziner: Diagnose, Behandlung und
Überweisung
Mehr als ein Drittel der Allergien diagnostiziert der Facharzt
(34,4 Prozent). Bei 19,9 Prozent der Patienten wird die Diagnose in
der Ambulanz festgestellt und bei 18,3 Prozent beim Hausarzt. Aber
fast ein Drittel der Allergie-Diagnosen wird nicht von einem Arzt
durchgeführt. Dafür zeichnet sich ein deutlicher Trend bei der
Behandlung von Allergien durch komplementärmedizinische Methoden ab:
32,5 Prozent der Allergiker wenden homöopathische Mittel an und 17,8
Prozent verwenden Heilsalben.
Eine wesentliche Rolle bei der Diagnose und Behandlung von
Allergien nimmt der Allgemeinmediziner ein. "Der Allgemeinmediziner
leitet die ersten diagnostischen Schritte ein, informiert den
Patienten über Prävention und gibt Tipps für die Ernährung.",
schildert Dr. Barbara Degn von der Österreichischen Gesellschaft für
Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM). Die Therapie in der Ordination
des Allgemeinmediziners richtet sich nach dem Schweregrad der
Erkrankung: von Allergenvermeidung, symptomorientierter Therapie bis
zur spezifischen Immuntherapie. Zur weiteren Abklärung wird der
Patient an einen Allergologen überwiesen und in einem nächsten
Schritt an ein Krankenhaus mit Schwerpunkt Allergologie.
Asthma verursacht die meisten Arbeitsunfähigkeitstage und höchsten
Behandlungskosten
Durchschnittlich dauert ein Krankenstand auf Grund einer
allergischen Erkrankung in etwa genauso lange wie die generelle
durchschnittliche Krankenstandsdauer, ist aber bei einzelnen
allergischen Diagnosen deutlich höher: Patienten mit Asthma
bronchiale sind zwischen 16 und 30 Tagen im Krankenstand. "Damit wird
auch der volkswirtschaftliche Schaden von Allergien deutlich.",
unterstreicht Mag. Beate Hartinger, stellvertretende
Generaldirektorin des Hauptverbandes der österreichischen
Sozialversicherungsträger. Letztes Jahr gab der Hauptverband 75
Millionen Euro für Mittel bei obstruktiven Atemwegserkrankungen, 9,1
Millionen Euro für systemische Antihistaminika, 4,3 Millionen Euro
für Rhinologika und mehr als zehn Millionen Euro für
Desensibilisierungsprodukte aus.
Eine Auswertung der Krankenhausentlassungsstatistiken zeigt,
welche Dimension allergische Erkrankungen für das intramurale
Gesundheitssystem annehmen. Im Jahr 2004 wurden 11.949 Mal Menschen
mit einer allergischen Erkrankung als Hauptdiagnose entlassen. Das
sind 0,47 Prozent aller Krankenhausfälle oder bezogen auf die
Bevölkerung rund 150 pro 100.000 Einwohner. Mit 5.253 Fällen wurde
Asthma bronchiale am häufigsten diagnostiziert. In 1.563 Fällen wurde
eine nicht näher bezeichnete Allergie festgestellt.
Wurden früher allergische Reaktionen vor allem mit Antihistaminika
bekämpft, geht heute der Trend immer stärker zur Desensibilisierung.
"Auf Grund der Verordnungszahlen der letzten Jahre wissen wir, dass
von 2003 bis 2005 die Verordnung von Antihistaminika um 8,1 Prozent
gesunken ist. Im gleichen Zeitraum stieg die Verordnung von
Desensibilisierungsprodukten um 38 Prozent. Allerdings kommt eine
Desensibilisierung nur dann in Frage, wenn noch ausreichend Zeit bis
zur Pollensaison bleibt.", berichtet Hartinger weiter.
Neue Therapieoption zur Behandlung von Gräserallergien
Etwa ein Viertel aller Menschen in den Industrieländern leiden an
Allergien der Atemwege wie allergischer Rhinitis und allergischem
Asthma. Die häufigste Form der Atemwegsallergie wird durch
Gräserpollen verursacht. Die Allergietherapie baut auf drei Säulen
auf: Allergenvermeidung, symptomatisch wirkende Medikamente und die
allergenspezifische Immuntherapie. Es gibt zwar Methoden zur
Reduzierung von Allergenen, eine vollständige Vermeidung der
Allergene ist in der Regel aber schwer möglich. Zahlreiche Patienten
verwenden daher symptomatische Medikamente wie zum Beispiel
Antihistaminika oder Kortikosteroide. "Mit solchen Medikamenten
lassen sich zwar die Symptome beherrschen, sie behandeln aber nicht
die Krankheitsursache. Werden Patienten über einen längeren Zeitraum
nur symptomatisch behandelt, kann sich die Allergie zunehmend
verschlechtern. Daher ist die Immuntherapie die einzige Therapieform,
die bei allergischen Erkrankungen an der Ursache ansetzt.", stellt
Prim. Dr. Waltraud Emminger vom Allergie-Ambulatorium Rennweg klar.
Mit einer neuen Therapieoption in Form einer Tablette ergeben sich
für Allergiker viel versprechende Wege bei der Behandlung ihrer
Krankheit. Diese Gräserallergentablette löst beim Patienten eine
schützende Immunantwort aus und entwickelt eine Immuntoleranz.
"Untersuchungen haben gezeigt, dass die Gräsertablette Patienten mit
Gräserpollen-induzierter Rhinokonjunktivitis eine Schutzwirkung
bietet, die während der gesamten Gräserpollenflugsaison anhält. Durch
die Tablette haben sich die Rhinokonjunktivitis-Symptome um 30
Prozent verringert und der Bedarf an Symptom lindernden Medikamenten
konnte um 38 Prozent gesenkt werden.", schildert Emminger.
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Österreichs erster Allergiebericht
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