WirtschaftsBlatt Kommentar vom 1.6.2006: Post-Aktie: Der Start war fulminant - von Herbert Geyer

Hoffentlich liegen wir mit unseren längerfristigen Erwartungen falsch

Wien (OTS) - Gratulation! Der Start der Post-Aktie an der Wiener Börse war gestern wirklich fulminant. Und gemessen daran, dass das aktuelle Umfeld - der ATX hatte zuletzt vor allem verloren - nicht gerade förderlich war und die Post für ihren Start das obere Ende ihres Preisbandes wählte, war der Start beinahe schon sensationell.

Beinahe. Denn in unserer ersten Analyse am 17. Mai - der ATX befand sich auch damals schon auf Talfahrt - bescheinigten wir der neuen Aktie "Chancen, ihren Kurs von Anfang an zu steigern" und kamen nach einem Branchenvergleich zum Schluss: "20 Prozent kurzfristiges Potenzial sind nicht unrealistisch." Nun: Von der Mitte des damals bekannten Preisbandes aus gerechnet ergab das ein Kursziel von 21,60 Euro. Die Aktie ging gestern mit 21,70 Euro aus dem Handel.

Diese optimistischen Erwartungen (und deren Erfüllung) stehen nur scheinbar im Gegensatz zu dem pessimistischen Titel, den wir damals gewählt haben: "Wer nicht dabei ist, versäumt nicht viel".

Denn die Post-Aktie wurde ja nicht als heisses Zocker-Papier beworben, sondern als Volksaktie. Und für die ist ein Zeithorizont von zumindest einem Jahr (dem Ende der Spekulationsfrist) zu beachten.

Dafür, dass die Aktie nach einem Jahr und in der Zeit danach nicht mehr so gut dastehen könnte wie jetzt, haben wir zwei Gründe gefunden: Zum einen die Entgelte und Provisionen, die die Post von der Bawag/PSK dafür bekommt, dass sie deren Bankgeschäfte in ihren Filialen abwickelt. Diese Zuflüsse machten im Vorjahr knapp 100 Millionen Euro aus - fast genauso viel wie das gesamte EBIT der Post - und könnten heuer durch die Bawag-Krise deutlich nach unten gedrückt werden.

Und zweitens der Finanzbedarf für weiteres Wachstum: Gewinne um oder über 100 Millionen Euro wie im Vorjahr wird die Post angesichts der bevorstehenden Totalliberalisierung des Briefmarktes künftig wohl nur ausweisen können, wenn es vorher gelingt, in Wachstumsmärkte des Ostens zu expandieren. Und da der stolze IPO-Erlös zur Gänze in die Taschen des Finanzministers wandert, wird die Post diese Expansion fremdfinanzieren müssen - was die Gewinne drückt.

Die Post werde daher, meinten wir, sehr bald vor der Frage stehen:
"Wachstum oder Dividende?"

Wir wünschen der Post für ihre Zukunft alles Gute - und jenen, die gestern gekauft haben, dass wir mit unseren Erwartungen falsch liegen.

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