- 30.05.2006, 14:26:08
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Krammer: Lindner als ORF-Generaldirektorin zu schwach
Manches erinnert stark an Berlusconi
Wien (SK) - In einem Interview für Österreichs Jugendseite
www.chilli.cc nimmt ORF-Stiftungsrat Karl Krammer zu den aktuellen
Diskussion rund um den ORF und die Sondersitzung des
ORF-Stiftungsrates Stellung. "Ziel der Sondersitzung muss sein, dass
über Ereignisse und Schritte gesprochen wird, die absolut zu
kritisieren sind. Die Stiftungsräte wollen hören, wie
Allein-Geschäftsführerin Monika Lindner in Zukunft vorgehen will", so
Krammer. Man müsse sich auch die Frage stellen, ob "das mit der
Allein-Geschäftsführung so eine gute Idee ist". Denn offensichtlich
sei Lindner zu schwach, um dem Chefredakteur der aktuellen
Information des Fernsehens, Werner Mück, entsprechend zu führen.
Kritik übt der ORF-Stiftungsrat an Vorkommnissen wie der
durchgeschalteten Rede von Kanzler Schüssel anlässlich des 50.
Jahrestages der Staatsvertragsunterzeichnung. "Das erinnert schon
sehr stark an Berlusconi", so Krammer. ****
Laut Krammer gebe es Kritik auf mehreren Ebenen: Jene Kritik, wie
sie Armin Wolf anlässlich der Verleihung des Robert-Hochner-Preises
in der Hofburg geäußert hat. Und es gebe die Ebene der Plattform "SOS
ORF", die letzte Woche online gegangen ist. "Diese Plattform vereint
Menschen, die Interesse am ORF haben und die Unabhängigkeit und
Ausgewogenheit des ORF in Gefahr sehen. Die Kritik von Wolf geht,
wenn ich das richtig verstanden habe, auch in dieselbe Richtung: Es
hat immer den versuchten Einfluss gegeben, aber so einseitig und so
deutlich war es noch nie", erklärt Krammer.
Die Reaktionen von ORF-Generaldirektorin Lindner auf die vorgebrachte
Kritik findet Krammer enttäuschend. Auf die Rede von Armin Wolf habe
sie zum Beispiel nicht gesagt, dass die kritisierten Dinge richtig
oder falsch sind, sondern einfach, dass die Rede unsolidarisch sei.
"Das ist ehrlich gesagt eine Themenverfehlung. Wenn sie sagen würde:
'Das ist ein Blödsinn, was der Herr Wolf sagt, weil es ist so und
so', dann würde ich das noch verstehen", so der ORF-Stiftungsrat.
Was soll Runder Tisch bringen?
Auch dem Vorschlag des Runden Tisches kann Krammer nicht viel
abgewinnen. "Außer der architektonischen Angabe 'Runder Tisch' haben
wir noch nichts, keine Teilnehmer, keinen Ablauf." Die entscheidenden
Fragen seien: "Will sich Lindner mit der Politik zusammensetzen, um
ein neues Gesetz zu machen? Das kann sie jederzeit machen. Will sie
sich mit dem Stiftungsrat zusammensetzen? Das tun wir ohnehin vier
Mal im Jahr und jetzt noch einmal extra in der Sondersitzung am 13.
Juni. Will sie sich mit der Belegschaft zusammensetzen? Ich hoffe,
das tut sie ohnehin oft. Es ist ein Anzeichen von Schwäche. In der
Politik habe ich eines gelernt: Wenn es 'Runde Tische' gab, stand ein
auslaufendes Regime vor der Ablöse", so der ORF-Stiftungsrat.
Dass politische Einflussnahme seitens des Stiftungsrates oder
einzelner Mitglieder stattfindet, kann sich Krammer nicht vorstellen.
"Aber wenn es passiert, gehe ich davon aus, dass die Redakteure
sofort Bescheid sagen. Die Kritik - wenn ich Armin Wolf richtig
verstanden habe - richtet sich ja auch nicht so sehr an die
Mitglieder des Stiftungsrates, sondern gegen die versuchte politische
Einflussnahme von außen. Oft in vorauseilendem Gehorsam der
Geschäftsführung oder einzelner führender Mitglieder des Teams, zu
denen ich auch den Chefredakteur der aktuellen Information des
Fernsehens hier dazurechne. Wo Dinge gar nicht verlangt werden
müssen, weil sie ohnehin schon gemacht werden", so der
ORF-Stiftungsrat.
Als Beispiel nennt Krammer die Durchschaltung der Rede des
Bundeskanzlers aus Anlass des 50. Jahrestages der
Staatsvertragsunterzeichnung vor ziemlich genau einem Jahr. "Niemals
vorher hat so etwas ein Bundeskanzler von einem Generalintendanten
verlangt, noch hat das je ein Generalintendant einem Bundeskanzler
angeboten. Eine durchgeschaltete Rede - der Vergleich mit Italien sei
hier erlaubt - das erinnert schon sehr stark an Berlusconi. Das ist
etwas, das der journalistischen Bearbeitung entzogen ist, diese eins
zu eins übernommene Rede. Ein Politiker darf sagen, was er will, und
das auf beiden Programmen. Es konnte mir bei der folgenden
Stiftungsratssitzung auch niemand sagen, ob dieses Format von der
Programmdirektion oder der Informationsdirektion zu verantworten war
- und etwas anderes außer Werbung sieht das Sendeschema nicht vor."
Das ganze Interview mit ORF-Stiftungsrat Karl Krammer ist auf
www.chilli.cc zu finden. (Schluss) ps
Rückfragehinweis:
Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at
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