Krammer: Lindner als ORF-Generaldirektorin zu schwach

Manches erinnert stark an Berlusconi

Wien (SK) - In einem Interview für Österreichs Jugendseite www.chilli.cc nimmt ORF-Stiftungsrat Karl Krammer zu den aktuellen Diskussion rund um den ORF und die Sondersitzung des ORF-Stiftungsrates Stellung. "Ziel der Sondersitzung muss sein, dass über Ereignisse und Schritte gesprochen wird, die absolut zu kritisieren sind. Die Stiftungsräte wollen hören, wie Allein-Geschäftsführerin Monika Lindner in Zukunft vorgehen will", so Krammer. Man müsse sich auch die Frage stellen, ob "das mit der Allein-Geschäftsführung so eine gute Idee ist". Denn offensichtlich sei Lindner zu schwach, um dem Chefredakteur der aktuellen Information des Fernsehens, Werner Mück, entsprechend zu führen. Kritik übt der ORF-Stiftungsrat an Vorkommnissen wie der durchgeschalteten Rede von Kanzler Schüssel anlässlich des 50. Jahrestages der Staatsvertragsunterzeichnung. "Das erinnert schon sehr stark an Berlusconi", so Krammer. ****

Laut Krammer gebe es Kritik auf mehreren Ebenen: Jene Kritik, wie sie Armin Wolf anlässlich der Verleihung des Robert-Hochner-Preises in der Hofburg geäußert hat. Und es gebe die Ebene der Plattform "SOS ORF", die letzte Woche online gegangen ist. "Diese Plattform vereint Menschen, die Interesse am ORF haben und die Unabhängigkeit und Ausgewogenheit des ORF in Gefahr sehen. Die Kritik von Wolf geht, wenn ich das richtig verstanden habe, auch in dieselbe Richtung: Es hat immer den versuchten Einfluss gegeben, aber so einseitig und so deutlich war es noch nie", erklärt Krammer.

Die Reaktionen von ORF-Generaldirektorin Lindner auf die vorgebrachte Kritik findet Krammer enttäuschend. Auf die Rede von Armin Wolf habe sie zum Beispiel nicht gesagt, dass die kritisierten Dinge richtig oder falsch sind, sondern einfach, dass die Rede unsolidarisch sei. "Das ist ehrlich gesagt eine Themenverfehlung. Wenn sie sagen würde:
'Das ist ein Blödsinn, was der Herr Wolf sagt, weil es ist so und so', dann würde ich das noch verstehen", so der ORF-Stiftungsrat.

Was soll Runder Tisch bringen?

Auch dem Vorschlag des Runden Tisches kann Krammer nicht viel abgewinnen. "Außer der architektonischen Angabe 'Runder Tisch' haben wir noch nichts, keine Teilnehmer, keinen Ablauf." Die entscheidenden Fragen seien: "Will sich Lindner mit der Politik zusammensetzen, um ein neues Gesetz zu machen? Das kann sie jederzeit machen. Will sie sich mit dem Stiftungsrat zusammensetzen? Das tun wir ohnehin vier Mal im Jahr und jetzt noch einmal extra in der Sondersitzung am 13. Juni. Will sie sich mit der Belegschaft zusammensetzen? Ich hoffe, das tut sie ohnehin oft. Es ist ein Anzeichen von Schwäche. In der Politik habe ich eines gelernt: Wenn es 'Runde Tische' gab, stand ein auslaufendes Regime vor der Ablöse", so der ORF-Stiftungsrat.

Dass politische Einflussnahme seitens des Stiftungsrates oder einzelner Mitglieder stattfindet, kann sich Krammer nicht vorstellen. "Aber wenn es passiert, gehe ich davon aus, dass die Redakteure sofort Bescheid sagen. Die Kritik - wenn ich Armin Wolf richtig verstanden habe - richtet sich ja auch nicht so sehr an die Mitglieder des Stiftungsrates, sondern gegen die versuchte politische Einflussnahme von außen. Oft in vorauseilendem Gehorsam der Geschäftsführung oder einzelner führender Mitglieder des Teams, zu denen ich auch den Chefredakteur der aktuellen Information des Fernsehens hier dazurechne. Wo Dinge gar nicht verlangt werden müssen, weil sie ohnehin schon gemacht werden", so der ORF-Stiftungsrat.

Als Beispiel nennt Krammer die Durchschaltung der Rede des Bundeskanzlers aus Anlass des 50. Jahrestages der Staatsvertragsunterzeichnung vor ziemlich genau einem Jahr. "Niemals vorher hat so etwas ein Bundeskanzler von einem Generalintendanten verlangt, noch hat das je ein Generalintendant einem Bundeskanzler angeboten. Eine durchgeschaltete Rede - der Vergleich mit Italien sei hier erlaubt - das erinnert schon sehr stark an Berlusconi. Das ist etwas, das der journalistischen Bearbeitung entzogen ist, diese eins zu eins übernommene Rede. Ein Politiker darf sagen, was er will, und das auf beiden Programmen. Es konnte mir bei der folgenden Stiftungsratssitzung auch niemand sagen, ob dieses Format von der Programmdirektion oder der Informationsdirektion zu verantworten war - und etwas anderes außer Werbung sieht das Sendeschema nicht vor."

Das ganze Interview mit ORF-Stiftungsrat Karl Krammer ist auf www.chilli.cc zu finden. (Schluss) ps

Rückfragen & Kontakt:

Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NSK0003