Betriebsrat kritisiert Vorverurteilung der Hypo Alpe-Adria

Der Hypo Betriebsrat hinterfragt die Vorgehensweise der FMA und fordert Gleichbehandlung.

Klagenfurt (OTS) - Als Vertreter der MitarbeiterInnen der HYPO-ALPE-ADRIA GRUPPE ist es uns - nach Vorliegen der vom Aufsichtsrat festgestellten Konzernbilanzen für die Geschäftsjahre 2004 und 2005 -ein großes Anliegen, auch unsere Sichtweise darzustellen:

Eingangs möchten wir in Erinnerung rufen, dass die Bestätigungsvermerke der Bilanzen 2004 sowohl der HYPO ALPE-ADRIA-BANK AG als auch der HYPO ALPE-ADRIA-BANK INTERNATIONAL AG widerrufen wurden. Dies ist geschehen - obwohl es unserer Kenntnis nach dafür keine Gesetzesbestimmung im österreichischen Handelsgesetzbuch gibt. Lediglich ein von den Wirtschaftsprüfern in Auftrag gegebenes Gutachten (Berufsrechtsausübungsrichtlinie für Wirtschaftsprüfer) und einige Fachkommentare gehen von der Zulässigkeit einer derartig massiv in den Vertrauensschutz von Geschäftspartnern eingreifenden Vorgehensweise aus.

Nichts desto trotz ist es den MitarbeiterInnen - mit beispiellosem Einsatz - gelungen, innerhalb von sechs Wochen, sowohl die Konzern-, als auch die Einzelbilanzen für die Geschäftsjahre 2004 und 2005 der HYPO ALPE-ADRIA-GRUPPE aufzustellen und dem Aufsichtsrat zur Beschlussfassung vorzulegen. Die Bilanzen wurden vom Aufsichtsrat anlässlich der Sitzung am 26.05.2006 genehmigt.

Wie sich zwischenzeitig herausgestellt hat, wären - auch nach Auffassung der Bankprüfer - bis zu sechs verschiedene Bilanzierungsvarianten im Zuge der Bilanz-neuerstellungen vertretbar gewesen. Darunter auch die Bilanzierungsvariante für 2004, die für die HYPO ALPE-ADRIA-GRUPPE positiv gewesen wäre (Euro +68 Mio.).

Eine besondere Rolle kommt bei den Geschehnissen der letzten Wochen der Finanzmarktaufsicht zu. Deren Sichtweise hat faktisch dazu geführt, dass wir in der Konzernbilanz 2004 nunmehr ein negatives EGT (Euro -99 Mio.) ausweisen müssen. Natürlich hätte die HYPO ALPE-ADRIA GRUPPE auf ihre Bilanzierungsvariante bestehen können, was zu einer zeitlichen Verlängerung des unklaren Status geführt hätte.

Die HYPO ALPE-ADRIA-GRUPPE, einer der größten österreichischen Anleiheemittenten am internationalen Kapitalmarkt, musste zum Wohle des Unternehmens, die für die HYPO ALPE-ADRIA-GRUPPE nachteiligste Bilanzierungsvariante de facto akzeptieren, um einen noch größeren Schaden zu vermeiden.

Hier stellt sich für uns als Betriebsräte die Frage nach der "Gleichbehandlung" mit anderen Kreditinstituten. Wir halten fest, dass wir selbstverständlich alle Unterstützungsmaßnahmen durch die Republik Österreich für unsere KollegInnen bei der BAWAG begrüßen. Allerdings hätten wir uns seitens der Finanzmarktaufsicht als objektive Behörde dieselbe Behandlung für die HYPO ALPE-ADRIA-GRUPPE erwartet.

Besonders hinterfragenswert erscheint uns auch das Selbstverständnis der Finanzmarktaufsicht. Durch eine Behörde, die die HYPO ALPE-ADRIA-GRUPPE in Medienberichten vorverurteilt, können wir uns als Vertreter unserer MitarbeiterInnen keine objektive und faire Beurteilung vorstellen. Es stellt sich für uns daher die Frage, welche Interessen sich hinter einer derartigen Vorgehensweise verbergen. Diese Frage gewinnt noch mehr an Bedeutung, wenn man weiß, dass gegen Mitglieder des Vorstandes der HYPO ALPE-ADRIA-GRUPPE vor Abschluss der Prüfungen ein Verfahren betreffend der Zuverlässigkeit gemäß Bankwesengesetz eingeleitet wurde.

An dieser Stelle bringen wir klar zum Ausdruck, dass aus unserer Sicht die "Unschuldsvermutung" gegenüber dem Management gilt. Den unabhängigen staatlichen Gerichten sollte man nicht vorgreifen - auch nicht durch die Finanzmarktaufsicht. Bis zum Vorliegen eines Urteils halten wir das bestehende Vertrauen in unser Management aufrecht.

Aus unserer Sicht steht das derzeitige Management klar und unmissverständlich für Selbstständigkeit, Erhalt der Headquarter-Funktion in Klagenfurt, sowie Sicherstellung hoch qualifizierter Arbeitsplätze in der Wirtschaftsregion Kärnten. Es entspricht daher unserer Verantwortung als Betriebsräte gegenüber den MitarbeiterInnen und deren Familien, einer "Enthauptung" der HYPO ALPE-ADRIA-GRUPPE nicht tatenlos zuzusehen und sind dazu bereit bis zum Äußersten zu gehen.

Als Vertreter von 1027 MitarbeiterInnen in Österreich und über 5000 MitarbeiterInnen im Konzern dürfen wir Sie daher höflich ersuchen, alles im Rahmen Ihrer Einflussmöglichkeiten zu unternehmen, um eine weitere Vorverurteilung der HYPO ALPE-ADRIA zu vermeiden.

Die Betriebsräte der Hypo Alpe-Adria-Gruppe

Eva Johansson
Vorsitzende des Betriebsrates

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Eva Johansson
Vorsitzende des Betriebsrates der
HYPO ALPE-ADRIA-BANK INTERNATIONAL AG
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