• 26.05.2006, 20:45:30
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Beim Rückzugsgefecht steht das Heer auf verlorenem Posten" (von Ernst Sittinger)

Ausgabe vom 27.05.2006

Graz (OTS) - Vielleicht ist es ja nur Zufall, dass das
Heeresgeschichtliche Museum von seinem Chef Christian Ortner als "das
am schnellsten wachsende Museum Wiens" angepriesen wird. Aber man
kann das als sinnfälliges Symbol sehen. Als Symbol dafür, dass der
Umbau des Bundesheeres zwar immer rasanter vorangetrieben wird, man
aber bei jeder Reformdrehung offenbar erst hinterher weiß, wohin man
eigentlich kommen wollte. Bei diesem Durcheinander fällt jede Menge
Gefechtsmüll an - die Draken wurden eben erst ins Museum gestellt,
jetzt sucht das Heer dankbare Abnehmer für Panzer, Kanonen und
Munition.

Der Vorstoß zu neuen militärischen Ufern - so viel steht fest -, ist
für das Bundesheer längst zum Rückzugsgefecht geworden. Es ist ein
Kampf um längst nicht mehr haltbare Stellungen. Als der damalige
Verteidigungsminister Werner Fasslabend 1996 ausrangierte deutsche
Jagdpanzer en masse ankaufen ließ, wunderte sich nicht nur die
Opposition, sondern es staunten auch Militärs in halb Europa. Denn
der Kalte Krieg war vorbei, Jagdpanzer für das große Gefecht galten
nicht gerade als zeitgemäß.

Vielleicht wollte Fasslabend das Geld anderer Leute nur antizyklisch
investieren. Vielleicht stand aber eine mehrfach verkorkste Strategie
hinter dem wundersamen Waffenkauf. Immerhin diskutierte Österreich
just 1996 so heftig wie nie über einen Beitritt zur Nato. Die ÖVP
unter Wolfgang Schüssel drängte vehement auf den Beitritt - und ließ
erst davon ab, als er merkte, wie sehr die Österreicher der
Neutralitätsnostalgie verfallen sind. Heute ist Schüssel mit seinen
Bürgern wieder versöhnt: Beide, der Kanzler und das Volk, lieben die
Neutralität so heiß wie die Mozartkugeln. Nur Kommissarin Benita
Ferrero-Waldner hält noch am Nato-Beitritt fest.

Ende schlecht, alles schlecht: Der Geburtsfehler der nicht
vorhandenen Langfrist-Strategie für Österreichs Verteidigungspolitik
liegt bleischwer über der immer kleineren Truppe. Die neue
Sicherheitsdoktrin hat mehr verunsichert als indoktriniert. Wir
halten uns ein kaum mobilisierbares Beamtenheer mit Milizfortsatz,
kaufen aber Luxusabfangjäger ohne Liefergarantie. Ob wir uns damit
vom Trittbrettfahrer zum Musterschüler machen, ist zu bezweifeln.
Vorerst ist uns das aber egal, weil bei uns noch die Schlacht der
Lokalpolitik gegen Kasernenschließungen tobt.

Eine Einheit hat übrigens alle Sparpläne heldenhaft überlebt: die
Militärmusik. Da sage noch jemand, das Heer habe keine Schlagkraft
mehr! ****

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Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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