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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Oranger Überlebenskampf hat blaue und schwarze Fallstricke" (Von Antonia Gössinger)
Ausgabe vom 22.05.2006
Graz (OTS) - Orange Funktionäre haben es nicht einfach. Jetzt
müssen sie Peter Westenthaler als besten aller möglichen
Spitzenkandidaten anpreisen. Jenen Westenthaler, der im Herbst 2002
als Verräter freiheitlicher Ideale verdammt wurde, weil er sich die
Taschen mit Geldern aus Ämtern der Partei vollgestopft habe und von
Frank Stronach gekauft worden sei. Es ist fraglich, ob sich die
verschreckte freiheitliche Wählerschaft mit der Erklärung Jörg
Haiders, damals hätte man "ein wenig Stress gehabt", zufrieden gibt
und sich so einfach zurückholen lässt. Es bleibt abzuwarten, ob sie
nicht doch in dem blauen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache die bessere
Antwort auf ihre Ängste sieht. Westenthaler erhöht die orangen
Wahlchancen, sein Kampf gegen Strache um Stimmen wird aber in jeder
Hinsicht ein beinhartes Gefecht.
Nach peinlich langer Suche hat das BZÖ einen Spitzenkandidaten
gefunden. Dass man dafür einen ehemals Abtrünnigen aufwärmen musste,
ist Beweis für die dünne orange Personaldecke. Das Argument, als
Landeshauptmann den Kärntnern im Wort zu sein, erlaubte es Haider,
sich selbst zu drücken. So wie nach Knittelfeld will Haider auch für
den nunmehrigen Überlebenskampf nach der von ihm vom Zaun gebrochenen
Parteispaltung nicht die Verantwortung übernehmen. Dafür übergibt er
den BZÖ-Parteichef und "alle Vollmachten" gerne an Westenthaler. Es
ist eine Frage der Zeit, wann er seinem Retter in der Not in das
Ruder greift.
Das orange Steuer in der Bundesregierung abgeben muss - vermutlich
schon heute - Vizekanzler Hubert Gorbach. Denn Westenthaler braucht
ein Einkommen. Angesichts der mageren Parteifinanzen ist es
verlockend, sich am Geld der Steuerzahler zu bedienen. Andererseits
kann Westenthaler seine Profilierung ohne jede
Regierungsverantwortung pointierter angehen. Zudem steht das Nein des
Kanzlers zu einer teuren Regierungsumbildung für wenige Monate im
Raum. Der Eiertanz von Jörg Haider in der gestrigen
Fernseh-Pressestunde zeigte das ganze Dilemma. Das BZÖ pocht auf sein
Recht, seine Regierungsmitglieder selbst zu bestimmen. Es kann sich
aber auf keine Kraftprobe mit Wolfgang Schüssel einlassen.
Die ÖVP braucht die letzten Monate vor der Wahl auf ihren kleinen
Mehrheitsbeschaffer keine Rücksicht mehr zu nehmen. So waren die
Unfreundlichkeiten und düsteren Prophezeiungen, die Haider gestern
Schüssel an den Kopf warf, Ausdruck der Hilflosigkeit. Wer, wenn
nicht Schüssel soll das BZÖ wieder in die Regierung holen? ****
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