"Bananenrepublik!"

Militärluftfahrt-Experte Georg Mader: Republik Österreich durch Veröffentlichung der Eurofighter-Vertagsteile klar desavouiert

Wien (OTS) - "Wir werden zur Bananenrepublik!" So schallt es heute
- nicht aus Österreich - sondern aus England. Tony Blair sorgt sich um Großbritannien als "Lachnummer" wenn keine neuen Regierungs-Reiseflugzeuge für offizielle Transporte des Staates angeschafft würden.

"Die haben Sorgen", meint Georg Mader anlässlich der heutigen ?-ten Sondersitzung zum Reizthema Eurofighter. Während die offizielle Republik Österreich Regierungsmaschinen nur von anreisenden Staatschefs bei jüngsten Gipfeln kennt, ist jenes hinterwäldlerische Stigma auf dieses Land ab heute durchaus anwendbar - jedoch wesentlich ernster. Nach der Downloadmöglichkeit von gestern wird sich eine dauerhafte Schädigung der Republik bezügl. Paktfähigkeit in internationaler Verteidigung bzw. künftigen Beschaffungen ergeben, ist Mader überzeugt. "Dass diese angekündigte Online-Stellung nicht durch seine Organe unterbunden wurde, wird unserem Land noch glashart nachteilig gereichen. Irgendwann müssen sich die beiden Kurven Pressefreiheit und Staatsräson kreuzen, zwei endlose Parallelen sind die nirgendwo." Mader vergleicht den europaweit einmaligen Vorfall mit Ländern "die sich selbst noch ernst nehmen. Versuche man Gleichartiges z.B. in Frankreich oder Griechenland - man wüsste gar nicht wieviel Polizei plötzlich in seine Redaktion passt..."

"Was in den 26 Seiten jedenfalls erkennbar ist, rechtfertigt für mich die Begriffe 'Skandal' und 'Knebelung' nicht", so Mader. Er sieht im internationalen Vergleich durchaus "eine Gleichstellung Österreichs mit vier großen EU/NATO-Nationen, trotz (lächerlich) geringer Stückzahl und beträchtlichem Gegengeschäftsvolumen (welches ja am Liebsten jetzt schon und nicht nach dem vereinbarten Zeitraum von 15 Jahren erfüllt sein sollte)". Mader führt an, dass etwa:
Unsere Preise ohne Rücksicht auf Änderungen der Preisgrundlagen unter allen Umständen unveränderlich bleiben (Fixpreis), Ansprüche auf Vertragsstrafen wegen Schlecht- oder Mangellieferung auch erhalten bleiben wenn die Übernahme nicht vorbehaltlich erfolgt und jene Strafen Geltendmachung eines darüber hinausgehenden Schadens auch nicht ausschließt. Hingegen sei ein Deckungskauf mit Geltendmachung der Differenz einer Ersatz- Aufwendung bei anderen Unternehmen im Falle der Liefer-Unfähigkeit ausdrücklich zugunsten des BMLV möglich.

Mader kritisiert die Tatsache, dass NEWS und Opposition flapsig bzw. absichtlich nicht zwischen Gewährleistung und Werksgarantie unterscheiden. "12 Monate Garantie (+ 6 Monate Nachfrist) sowie dieselbe Garantie auf alle im Laufe der Nutzung des Systems reparierten Teile sind international durchaus üblich, das war auch bei unseren Blackhawks so", erläutert Mader. Militärflugzeuge seien eben KEINE "Stabmixer" und Jagdflugzeuge auch keine Airbus’ oder Boeings, welche jahrelang im Liniendienst unauffällig Geld verdienen sollen. Militärjets können - und das tun sie weltweit ca. 10mal pro Monat - durch Unfälle und Fehler verloren gehen, sie werden viel weniger aber viel härter geflogen als Passagiermaschinen.

"Die erwähnte Haftungs- bzw. Gewährleistungsobergrenze von 296 Mill. Euro würde gering erscheinen, hätten wir z.B. MiG-29 gekauft" -so Mader und weist auf deren grundlegende Modernisierungen bereits nach 10 Jahren in Nachbarländern. "Beim Eurofighter wird dieses Volumen mehr als ausreichend sein. Jener ist - wie auch in den USA zugegeben - ein weltmarktführendes Spitzenprodukt. Er wird nicht (mehr) an Mängeln scheitern, dazu sind zu große Partner und Luftwaffen im Programm..." erläutert Mader die internationale Einordnung. Für ihn ist auch die Tatsache dass Software nicht zu kopieren oder in ihre Bestandteile zu zerlegen sei, völlig üblich. Die sog. Software-Quellcodes sind oft zentraler Gegenstand langwieriger Diskussionen zwischen Regierungen und Lieferanten, sie stehen gerade jetzt bei Lockheeds F-35 JSF im Brennpunkt ausgedehnter Dissonanzen zwischen UK und USA.

Sieht man sich die Mechanik der Eurofighter-Produktion an, wird auch klar warum nicht jede Zahlungsrate von - ohnehin durch heimische Bauaufsicht bisher zufrieden begleiteter - Abnahme stets aufs Neue von Gewährleistungs- und Schadenersatzansprüchen abhängen kann. Mader erklärt dass "der Eurofighter mit vielen Zulieferern gleichzeitig an vier Orten GEBAUT wird und die Bauteile dann kreuz und quer zwischen den vier Ländern an die ENDFERTIGUNG gehen. Das dauert gut über 30 Monate und läuft schon lange. Für unsere Maschinen existieren also -neben dem ersten Flugzeug in der Endfertigung - schon viele andere Teile und auch die Produktion der 38 Triebwerke bei Fa. EUROJET läuft schon monatelang", erinnert Mader und ergänzt: Österreich erhält auch in den ersten 6 Maschinen keine Flugzeuge welche für jemanden anderen produziert worden wären.

Abschließend meint Mader: "Die Sicherheit eines Landes hat ihren Preis. Immer. Das Fehlen dieser Sicherheit könnte x-fach teurer kommen als der Beschaffungspreis einer ohnehin sehr bescheidenen Zahl von modernen, zusammen mit großen Partnern eingeführten Flugzeugen zu durchaus guten Konditionen. Niemand kann 20, 30 Jahre in die Zukunft schauen... Besonders für die Sicherheit eines kleinen - von genau den Ausstiegswilligen als 'neutral' betonten - Landes ohne Küste, sind Investitionen in die Luftraumsicherung bzw. -verteidigung elementar. Jede Regierung, gleich welcher Couleur, müsste sich einer Nachbeschaffung stellen - die (NATO)Nachbarn werden uns das nicht (mit)machen." Georg Mader sieht durch das absichtliche, öffentliche Wegblenden dieser Tatsachen - ja deren Lächerlichmachung - durch die Hälfte des wahlwerbenden, politischen Spektrums Österreichs "die Bezeichnung Bananenrepublik leider als durchaus gerechtfertigt." Rückfragehinweis:

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Georg MADER, "Jane’s Defence"
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