• 05.05.2006, 15:26:18
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Gusenbauer: "Neues demokratisches Österreich ist Verdienst jener, die durch NS-Terror umgebracht wurden"

Ströer - "Niemals wieder - Wachsam sein, erinnern und mahnen"

Wien (SK) - "Das neue demokratische Österreich seit 1945 ist ein
Verdienst jener, die vom NS-Terror-Regime umgebracht wurden", betonte
SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer am Freitagnachmittag anlässlich
des nationalen Gedenktages gegen Gewalt und Rassismus, im Zuge dessen
am Morzinplatz - Adresse des ehemaligen Gestapo-Hauptquartiers - der
Opfer politischer Verfolgung mit einer Kundgebung gedacht wurde. Am
heutigen 5. Mai gelte es, "jener zu gedenken, die durch ihr Leben und
Wirken dazu beigetragen haben, dass wir in Freiheit, Demokratie und
Würde leben können - niemals wieder!", so Gusenbauer wörtlich. Im
Gegensatz zu anderen Parteien habe die SPÖ auch den "peinsamen und
unangenehmen" Teil ihrer Geschichte aufgearbeitet, bekräftigte
Gusenbauer. Es gelte, "nicht zu vergessen, sich zu erinnern und vor
allem die Jugend zu mahnen, wachsam zu sein", so dass sich das Grauen
des NS-Regimes nicht wiederholen kann, unterstrich Alfred Ströer,
Bundesvorsitzender der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer. ****

Die Veranstaltung "Letter to the Stars" bezeichnetete Gusenbauer
als zugleich "mutiges Zeichen und Teil jener nachholenden,
geistig-moralischen Befreiung Österreichs, die wir nun seit rund 15
Jahren durchführen". Seit jener Zeit also, da Altbundeskanzler
Vranitzky erklärt hatte, dass Österreich nicht nur Opfer, sondern
auch Täter gewesen sei. Seit sich Österreich seiner dunklen
Vergangenheit stelle, sei eine "geistig-moralische Befreiung an die
Stelle des bleiernen Verdrängens und Verschweigens getreten", zeigte
sich der SPÖ-Vorsitzende überzeugt.

Der NS-Terror nahm mit der "Ausschaltung der Demokratie sowie mit
der Ausschaltung von Parlament und Arbeiter- und
Gewerkschaftsbewegung" seinen Ausgang, warnte Gusenbauer mit Blick
darauf, dass ein "geteiltes Land nicht wehrhaft gegenüber einer
faschistischen Aggression" sein könne. Der Nationalsozialismus habe
aber auch "soziale Wurzeln" gehabt, unterstrich Gusenbauer mit
Hinweis auf die hunderttausenden arbeits- und hoffnungslosen
Menschen, die "in ihrer Verzweiflung leichte Beute für die
nationalsozialistische Heilslehre geworden sind". Es sei nichts zu
entschuldigen, vielmehr gehe es um "das Verstehen, wie es zum
industriellen Massenmord, zur Shoa und den Konzentrationslagern"
gekommen ist, so Gusenbauer, der festhielt, dass "dieses 'Niemals
wieder' Wirklichkeit werden muss".

SPÖ hat "peinsamen, unangenehmen" Teil ihrer Geschichte
aufgearbeitet, während andere Parteien noch den "Ikonen ihrer
Vergangenheit" huldigen

Die SPÖ habe auch den "peinsamen, unangenehmen und ekelhaften"
Teil ihrer Geschichte aufgearbeitet, so Gusenbauer mit Blick darauf,
dass sich die SPÖ daher "gestärkt mit dem Verständnis, das aus der
Vergangenheit kommt, unbefangen der Gegenwart und Zukunft stellen
kann". Dies gelte allerdings "nicht für alle politischen Parteien und
Institutionen in unserem Land", denn "nicht alle haben ihre
Geschichte derart schonungslos aufgearbeitet, wie es die SPÖ getan
hat". Vielmehr "tragen einzelne die Ikonen der Vergangenheit nach wie
vor in ihren repräsentativsten Räumlichkeiten", übte Gusenbauer
harsche Kritik. Die SPÖ wollte einen "Prozess initiieren", doch bis
heute warte man darauf, "dass andere folgen" und ihre Vergangenheit
ebenfalls aufarbeiten, betonte Gusenbauer anlässlich der
Gedenkkundgebung am Morzinplatz, dem Sitz des ehemaligen
Gestapo-Hauptquartiers.

Inhaftierte, Deportierte und Ermordete verdienen als "Menschen
des Widerstands allergrößte Bewunderung und Hochachtung"

Viele der auch am Morzinplatz inhaftierten, deportierten und
ermordeten Menschen seien "Menschen des Widerstands" gewesen, die die
"allergrößte Bewunderung und Hochachtung verdienen", machte
Gusenbauer klar. Es seien diese Menschen des Widerstands gewesen, auf
die sich das Nachkriegs-Österreich berief, "wenn man gesagt hat:
Österreich war auch Opfer und in Österreich hat es auch Widerstand
gegeben. Man hat sich auf jene berufen, die nicht jubelnd am
Heldenplatz gestanden sind, man hat sich auf jene berufen, die in den
Konzentrationslagern umgebracht wurden und die tatsächlich Widerstand
geleistet haben", so der SPÖ-Vorsitzende wörtlich.

Ströer - Der umgekommen und gemarterten Opfer des NS-Regimes
gedenken

All jene, die den NS-Terror überlebt haben, hätten "sich
vorgenommen, so lange sie dazu imstande sind, zu erinnern und zu
mahnen und der umgekommenen und gemarterten Opfer zu gedenken",
betonte Alfred Ströer, Bundesvorsitzender der Sozialdemokratischen
Freiheitskämpfer, bei der Gedenkkundgebung am Morzinplatz. Er selbst
sei einer der wenigen, die "das alles überlebt haben", so Ströer
abschließend in Erinnerung daran, dass er monatelang im
Gestapo-Hauptquartier am Morzinplatz festgehalten wurde, dann in
Landesgerichts-Haft überstellt wurde und schließlich in eine
Strafkompanie gezwungen wurde.

Heute, am nationalen Gedenktag gegen Gewalt und Rassimsus, wurden
im Rahmen des Zeitgeschichte-Projekts "A letter to the Stars"/"Blumen
der Erinnerung" 80.000 weiße Rosen vom Stephansplatz zu Adressen
getragen, wo NS-Opfer einmal gelebt haben. (Schluss) mb

Rückfragehinweis:
Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at

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