• 04.05.2006, 12:36:57
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Konferenz zu Arbeitsmarktplattform Wien - Bratislava im Rathaus

Initiative für Wachstum und Beschäftigung in der Twincity-Region

Wien (OTS) - Donnerstag Vormittag fand im Wappensaal des Wiener
Rathauses die Konferenz "Überregionale Beschäftigungsstrategie Wien -
Bratislava statt, die von Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder, Dr.
Peter Flaskár, dem Vorsitzenden der Kommission für
grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Fremdenverkehr und Umweltschutz
des Landes Bratislava und LAbg. Norbert Scheed, Vorstandsvorsitzender
des waff eröffnet wurde. Im Rahmen der Konferenz wurde einer erste
Zwischenbilanz über das Projekt gezogen sowie ein Ausblick auf die
nächsten Schritte der gemeinsamen Beschäftigungsstrategie gegeben.

Die Überregionale Beschäftigungsstrategie ist eine Initiative
von Stadt Wien und waff (Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds).
Im Rahmen des EU-Interreg IIIa Projektes ist im Herbst 2004 eine
Arbeitsgruppe aus Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsexperten sowie den
ExpertInnen von beiden Stadt- und Regionalregierungen, des waff
(Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds), des AMS
(Arbeitsmarktservice), des Bundessozialamtes und der Sozialpartner
eingerichtet worden.

Deren Aufgabe: eine gemeinsame Beschäftigungsstrategie
auszuarbeiten,

o mit der die Arbeitsplätze in der Region stabilisiert,
o neue Beschäftigungschancen geschaffen und
o die Region insgesamt in der Konkurrenz zu anderen Regionen
gestärkt werden soll.

Rieder: "Übergangsfristen aktiv nutzen für Wachstum und
Beschäftigung in der gesamten Region"

Das Projekt "Überregionalen Beschäftigungsstrategie" biete eine
effektive Grundlage, um die Übergangsfristen bis 2011 aktiv für den
gemeinsam Arbeitsmarkt zu nutzen, so Vizebürgermeister und
Finanzstadtrat Dr. Sepp Rieder in seinem einleitenden Statement.
Damit der gemeinsame Arbeitsmarkt in der Praxis auch funktioniere,
müssen Wachstum und Beschäftigung in der gesamten Region entsprechend
gefördert werden. Ein wesentlicher Grundstein dafür sei die bereits
erfolgreich laufende gemeinsame Arbeitsmarktplattform zwischen Wien
und Bratislava, unterstrich der Finanzstadtrat. Als künftige zentrale
Ziele der Arbeitsmarktplattform nannte Rieder die verstärkte
Kooperation der Arbeitsmarktakteure beider Städte, gemeinsam
definierte Standards für die Qualifizierung von ArbeitnehmerInnen bis
hin zu konkreten gemeinsamen Aus- und Weiterbildungsprojekten, um die
ArbeitnehmerInnen aber auch die Betriebe der gesamten Region "fit" zu
machen für den Arbeitsmarkt von morgen.

Labg. und waff-Vorstandsvorsitzender Norbert Scheed bezeichnete
das Twincity-Konzept als eine faszinierende Idee. Es gebe, so Scheed,
zwar nach wie vor Unterscheide z.B. hinsichtlich der
Einkommenssituation zwischen den beiden Städten, aber im Vordergrund
müsse der Gedanke stehen, aus getrennten Erfahrungen gemeinsame zu
machen und aus einer Konkurrenzsituation eine Kooperationsstrategie
zu entwickeln. Das Projekt "Überregionale Beschäftigungsstrategie"
sei dafür mittlerweile zu einem unverzichtbaren Bestandteil geworden,
sagte der waff Vorstandsvorsitzende. Auf der Ebene von konkreten
Arbeitsmarkt-Austauschprojekten trage der waff jedenfalls
entscheidend dazu bei, die gemeinsamen Potentiale zu erkennen und
entsprechend zu nutzen, erklärte der waff-Vorstandschef.

Twincity Wien - Bratislava: Herzstück einer EU-Boomregion

Fakt ist, dass sich mit den EU-Mitgliedern Slowakei, Tschechien
und Ungarn die einmalige Chance bietet, im Herzen Europas, die Region
mit Bratislava, Brno, Györ und Wien zu einer bedeutenden
mitteleuropäischen Wachstumsregion zu entwickeln. Das belegte nicht
zuletzt die OECD Studie "The Review of the Vienna-Bratislava
Metropolitan Region" aus 2003. So wurde empfohlen, die vielen
grenzüberschreitenden Einzelprojekte durch eine Gesamtstrategie zu
verbinden und die Region als Lernende Region zu etablieren, um im
internationalen Wettbewerb mit hoch qualifizierten Arbeitskräften zu
punkten. Und genau hier setzt das Projekt der "Überregionalen
Beschäftigungsstrategie" an.

Erfolgreiche Arbeitsmarktpilotprojekte: Lehrlings- und
AusbildnerInnenaustausch, Kooperation von Berufsschulen

Die erste Projektphase der "Überregionalen
Beschäftigungsstrategie" zwischen Wien und Bratislava ist nun
erfolgreich abgeschlossen. Wesentliches Ergebnis: Es ist gelungen,
zwischen den beiden Städten zum Thema Arbeitsmarkt eine gemeinsame
Wissens- und Informationsbasis aufzubauen. Im Rahmen des Projektes
wurde aber auch arbeitsmarktpolitische Modellprojekte entwickelt, bei
denen insbesondere das Thema Ausbildung im Mittelpunkt steht. So hat
im Frühjahr 2005 ein Lehrlingsaustausch für jeweils fünf Lehrlinge
aus dem Bereich Kommunikationstechnik und KFZ Technik mit einem
Sprachkurs und einem dreiwöchigen Praktikum stattgefunden. Im Herbst
waren dann sechs AusbildnerInnen der Fma. MAN zum Praktikum in
Bratislava. Sie besuchten u.a. verschiedene Schulen für Verkehr und
Maschinenbau und konnten sich so ein umfassendes Bild von der
Qualität der Ausbildung in der Slowakei machen. Ein Austausch
zwischen den Berufsschulen von Wien und Bratislava im automotiven
Bereich ist noch im Laufen. Koordiniert wird das gesamte Projekt vom
waff, dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds.

Bratislava führt ein ebenfalls von der EU gefördertes
"Spiegelprojekt" durch. Das derzeitige Projekt soll jedenfalls bis
Ende 2006 weiter laufen. Insgesamt stehen dafür 500.000.- Euro zur
Verfügung, wovon 50% die EU, 50% das Land Wien und der waff
finanzieren.

Landesmann - hohe Wachstumspotentiale in den neuen
EU-Mitgliedsländern

Univ. Prof. Dr. Michael Landesmann, der wissenschaftliche Leiter
des Wiener Institutes für internationale Wirtschaftsvergleiche zeigte
in seinem Statement Perspektiven für Wirtschaft und Arbeitsmarkt in
der Region Wien - Bratislava auf. Landesmann verwies auf das enorme
Wirtschaftswachstum in den neuen EU Mitgliedstaaten im Vergleich zu
den "alten" EU Mitglieder. So habe das Bruttonationalprodukt in den
Slowakei in den letzten fünf Jahren um rund 34 % zugenommen, in
Österreich im gleichen Zeitraum um 12%. Im gleichen Zeitraum seien in
der Slowakei auch die Löhne um 60% gewachsen, in Österreich um knapp
über 10%. Landesmann:
"Die Einkommensunterscheide sind zwar da, aber sie fallen."
Landesmann betonte außerdem, dass insbesondere die Hauptstädte in den
neuen EU Mitgliedsländern ein überdurchschnittliches
Wirtschaftswachstum aufweisen. Das gelte auch für das Potential an
hoch qualifizierten Arbeitskräften, das in Bratislava weit über dem
nationalen Durchschnitt liege und sogar noch höher als in Wien sei.
Als Faktum bezeichnete Landesmann, dass in der gesamten Region die
Nachfrage nach hoch qualifizierten Arbeitskräften ansteigen werde,
die weniger gut ausgebildeten aber immer mehr unter Druck geraten
würden.

Ein weiterer Höhepunkt der Konferenz war eine Podiumsdiskussion,
an der die VertreterInnen der Sozialpartner, u.a. AK Präsident
Herbert Tumpel, der Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Wien
Thomas Oliva, der Vizepräsident der WKW, KR Michael Hochenegg und Dr.
Richard Leutner, leitender ÖGB Sekretär sowie VertreterInnen der
Konföderation der Gewerkschaftsbünde Bratislava und der slowakischen
Handels- und Industriekammer teilnahmen. Von Wirtschaftskammer und
Industriellenvereinigung wurde der Infrastrukturausbau als
wesentliche Bedingung für die Nutzung des vorhandenen Potentials und
eine erfolgreiche Beschäftigungs- und Wirtschaftsentwicklung der
Twincity Region genannt. Seitens der Vertreter von ÖGB und AK wurde
nochmals auf die Bedeutung der Übergangsfristen zum Schutz des
Arbeitsmarktes aber auch auf die Notwendigkeit, diese aktiv zu
nutzen, hingewiesen. In diesem Zusammenhang wurde die Bedeutung von
entsprechenden Qualifizierungsangeboten - und Maßnahmen, um die
ArbeitnehmerInnen für die künftigen Herausforderungen des gemeinsamen
Arbeitsmarkten "fit" zu machen, hervorgehoben.

Josef Steiner, MAN zum hohen Niveau der slowakischen
Lehrlingsausbildung: "Wir können viel voneinander lernen."

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion berichteten
TeilnehmerInnen der Austauschprogramme über ihre konkreten
Erfahrungen.

Für Josef Steiner, den Leiter des MAN (Nutzfahrzeuge Vertrieb
OHG) Bildungszentrums hat sich der Besuch in Bratislava im Rahmen des
AusbildnerInnenaustausches jedenfalls gelohnt:" Bei uns gibt es oft
den falschen Eindruck, dass die Ausbildung in der Slowakei nicht auf
dem gleichen Niveau ist wie bei uns. Das ist grundfalsch. Im
Gegenteil - die Verknüpfung zwischen Schule und Betrieb ist in der
Slowakei vorbildhaft, etwa durch die Aufteilung eine Woche Theorie in
der Schule, eine Woche Praxis im Betrieb. Davon können wir nur
profitieren. Wir werden jetzt daran gehen, einzelnen Elementen der
slowakischen Lehrlingsausbildung einzubauen, etwa durch eine
effizientere Zusammenarbeit mit den Berufsschulen. Besonders gut
gefiel uns auch, dass die Lehrlinge in der Slowakei nach Abschluss
der dreijährigen Lehre mit zwei zusätzlichen Schuljahren Maturaniveau
erreichen können. Die Lehre bekommt dadurch auch einen anderen
Stellenwert."

Derzeit im Laufen ist eine Schulkooperation der beiden
Berufsschulen im automotiven Bereich zwischen Bratislava und Wien.
Vorgesehen sind Studienaufenthalte und Praktika von Lehrlingen,
Lehrkräften und WerkmeisterInnen. Unter anderem wird es dabei etwa um
die Annäherung von Lehrmethoden und Lehrmitteln insbesondere auf dem
Sektor Diagnostik und Reparaturen gehen. Die ersten acht
Berufsschüler aus Bratislava werden von 15. Bis 19. Mai in der
Berufsschule in Floridsdorf ganztätig unterrichtet und werden dabei
auch die Werkstätten der Berufsschule nutzen können. Die Schüler
erhalten vorab in Bratislava intensiven Deutschunterricht. Als
nächster Schritt werden Wiener Lehrlinge eine Woche im Oktober in
Bratislava unterrichtet, darüber hinaus wurde ein
LehrerInnenaustausch und der Austausch von Unterrichtsmaterialien
vereinbart.

Zukunftsperspektiven: weitere Austauschprogramme v.a. für
junge Menschen sowie Vernetzung der Ausbildungseinrichtungen

Erika Hess, waff Bereichsleiterin für EU - Programme und
Projektverantwortlich für Wien, unterstrich in ihren Resumee die
Bedeutung des Aufbaus der gemeinsamen Informations- und Wissensbasis
zum Thema Arbeitsmarkt zwischen Wien und Bratislava. Hess: "Der
eigentliche benefit dabei ist, aufgrund der geschaffenen
Vertrauensbasis können wir Informationen auf kurzem Weg einholen und
so auch schneller gemeinsam neue Projekte entwickeln bzw. im
Bedarfsfall rascher reagieren!" In diesem Zusammenhang verwiesen Hess
und L‘udovít Mlynarcík, Arbeitsmarktexperte aus Bratislava nochmals
auf die ebenfalls bereits bestens erprobte Zusammenarbeit zwischen
Wien und Bratislava in der Praxis, nämlich bei den
arbeitsmarktpolitischen Pilotprojekten.

Schwerpunkt der künftigen Zusammenarbeit zwischen Wien und
Bratislava:

o Vernetzung der Ausbildungseinrichtungen, um die
Ausbildungsstandards zu analysieren und im Sinne einer
gemeinsamen Höherqualifizierung anzugleichen.
o Definition von best practice Beispielen, die auf die jeweils
andere Region übertragbar sind, etwa im Hinblick auf die
Reintegration von Arbeitslosen, die es am Arbeitsmarkt besonders
schwer haben, z.B. weil sie schon lange arbeitslos sind.
o Darüber hinaus sollen die Schulkooperationen, der
Lehrlingsaustausch und andere Austauschprojekte weitergeführt
und ausgedehnt werden. Vor allem junge Menschen sollen dabei die
Chance bekommen, sich selbst ein Bild vom Nachbarn zu machen,
voneinander zu lernen und berufliche Kontakte auf zu bauen.

(Schluss) gph/gaw

Rückfragehinweis:

PID-Rathauskorrespondenz:
   http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
   WAFF
   Gabriele Philipp
   Tel.: 217 48/318
   Handy: 0664/460 35 97
   mailto:gabriele_philipp@waff.at
   Wolfgang Gatschnegg
   Tel.: 4000/81 845
   Handy: 0664/826 82 16
   mailto:gaw@gfw.magwien.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK

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