- 04.05.2006, 08:05:00
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Länger leben durch Spiritualität?
Wien (OTS) - Glaube und Spiritualität beeinflussen die
Lebensqualität der Menschen. - Das war der Tenor bei einem
Fachsymposium heute Mittwoch im Haus der Barmherzigkeit. Studien
belegen eine Verlängerung der Lebenserwartung als auch eine
Verbesserung der Lebensqualität von Patienten. Der Trend zur
Spiritualität werde jedenfalls in Zukunft auch das Gesundheitswesen
stark beeinflussen.
Laut einer finnischen Studie leben religiöse Frauen um zwölf Jahre
länger als nichtgläubige. Studien aus den USA zeigen, dass der Glaube
die Gesundheit positiv beeinflusst. So haben religiöse Krebspatienten
weniger Depressionen und eine niedrigere Selbstmordrate. Gläubige, an
Demenz erkrankte Menschen zeigen ein niedrigeres kognitives
Verfallstempo. 81% von insgesamt 400 Studien beweisen einen positiven
Zusammenhang zwischen religiösem Glauben und Gesundheit. Prim.
Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger, Institutsdirektor vom Haus der
Barmherzigkeit kann dies nur unterstreichen. "Spiritualität ist ein
Faktor für eine höhere Lebenserwartung - ähnlich wirksam wie der
Risikofaktor Rauchen für eine niedrigere. In der geriatrischen
Langzeit-Betreuung hilft Spiritualität bei Bewältigung schwerer
chronischer Krankheiten." Denn gerade in Krisenzeiten wie bei
Krankheit oder bevorstehendem Tod hätten gläubige Menschen Vertrauen
in eine höhere Ordnung. "Sie fühlen sich in einer
"win-win-Situation", so der Geriatrie-Experte: "Wenn es stimmt,
bewahrheitet sich ihr Glaube - stimmt es nicht, verhilft er auf alle
Fälle zu einer besseren Lebensqualität."
Spiritualität und Lebenserwartung bei unheilbar Kranken
In der Palliativmedizin habe definitionsgemäß die ganzheitliche
Beherrschung der Krankheitsbeschwerden von unheilbar Kranken und
somit jene der spirituellen Probleme höchste Priorität, erläuterte
Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke. Viele seiner onkologischen Patienten
seien auf der Suche nach dem Zweck und dem Sinn ihrer Krankheit, so
der Leiter des Instituts für Palliativmedizin. Klinische
Untersuchungen haben geze igt, dass religiöse bzw. spirituelle
Einstellungen Auswirkungen auf das Wohlbefinden, Angst und
Depressionen von Krebspatienten haben: "Je höher das
spirituell-religiöse Wohlbefinden, umso geringer sind Angst und
Depression ausgeprägt." Die Religiosität verlängere aber nicht das
Leben, wenn man einmal Krebs hat.
Spirituelle Wellness als Lebenszufriedenheit
Weihbischof DDr. Helmut Krätzl beleuchtete die große Sehnsucht des
modernen Menschen nach geistlicher Wellness. Krätzl gab zu, dass in
der römisch-katholischen Kirche das "Sich-Wohlfühlen" zu wenig betont
sei. Viele Menschen erleben das Christ-Sein als Zwang, als Summe von
Geboten und moralischen Forderungen. Dabei könne die Sonntagsruhe neu
begründet werden: Als ein "Sich-Zurücklehnen", ein "Zu-Sich-Kommen"
wie es auch die christliche Meditation vorgibt. Aus Angst vor dieser
vermeintlichen Einsamkeit stürzen sich die Menschen in eine immer
lautere Fun- und Entertainment-Welt. Eine ebenso große Angst sei jene
vor Krankheit und Tod. Psychologische Studien belegen hingegen, dass
Patienten in krisenhaften seelischen Entwicklungen gerade durch die
Annahme ihrer unausweichbaren Situation seelische Zufriedenheit
verspüren. Diese Lebenszufriedenheit sei übrigens bei älteren
Menschen höher als bei jüngeren, erklärte Dr. Christine Schäfer. Die
Gesundheitspsychologin bei der Caritas Socialis kritisierte die
grundsätzliche negative Einstellung der Gesellschaft gegenüber dem
Alter. Das Paradoxon des Alters sei gerade diese hohe
Lebenszufriedenheit. "Wie kann aber ein positives Selbstbild
aufrechterhalten werden, wenn das Alter gesellschaftlich einen so
geringen Stellenwert hat?", so die Psychologin.
Die Wiederkehr der Religion als Megatrend
Als einen "Megatrend unter dem Label der Spiritualität" sieht Dr.
Regina Polak, MAS die Wiederkehr der Religion. Die Pastoraltheologin
beobachtet eine Suche nach dem guten Leben - sowohl auf öffentlicher
Ebene der Religionspolitik als auch auf individueller Ebene unter dem
Label ‚Spiritualität’. Wobei diese als Sehnsuchtsreligion, als Suchen
nach einem alternativen Leben, in dem die Liebe im Mittelpunkt steht,
verstanden wird. Polak warnte aber auch vor Problemen wie einer
Ethisierung der Spiritualität und der Instrumentalisierung für fremde
Interessen.
Interreligiöser Dialog
Weiters referieren über die verschiedenen Aspekte der
Spiritualität im Gesundheits- und Pflegewesen: Univ.-Prof. Dr. Kurt
Grünewald (Abgeordneter zum Nationalrat und Internist), Univ.-Prof.
Dr. Günter Virt (Institut für Moraltheologie). Den Abschluss bildete
ein interreligiöser Dialog von Vertretern der unterschiedlichen
Glaubensrichtungen.
Rückfragehinweis:
Haus der Barmherzigkeit Mag. Eva Bauer, Kommunikation Seeböckgasse 30a, A-1160 Wien Tel.: 01/ 40 199-1320 oder 0664/ 82 707 84 E-Mail: eva.bauer@hausderbarmherzigkeit.at Internet: http://www.hausderbarmherzigkeit.at
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