Der politische Wochen-End-Kommentar von Univ.-Prof. Dr. Günther Burkert-Dottolo. Titel: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Vom großen Schweigen zum Kommunikationswunder (Günther Burkert-Dottolo)

Wien (OTS) - Tagelang hat man es uns eingebleut: Die Gewerkschaft hat nichts mit der SPÖ zu tun. Jeder, der anderes behauptete, wurde streng zurechtgewiesen. Schließlich sei der ÖGB überparteilicher Interessensvertreter der Arbeitnehmer/innen und seine Funktionäre -die gendergerechte Form kann man sich aufgrund der männlichen Dominanz fast sparen - saßen ohne Wissen der SPÖ im Aufsichtsrat der BAWAG. Zumindest der SPÖ-Vorsitzende dürfte davon nichts gewusst haben (In solchen Funktionen wird einem ja doch nicht mehr alles über die Wirklichkeit gesagt).
Sollte das der Wahrheit entsprechen, ist es für den Vorsitzenden der SPÖ tatsächlich peinlich. Sollte er doch etwas gewusst haben, wird das ja im Zuge der verschiedenen parlamentarischen und gerichtlichen Verfahren noch geklärt werden.

Immerhin: Die strikte Trennung zwischen SPÖ und ÖGB galt fast eine ganze Woche. Nach Ablöse von Verzetnitsch - Schweigen des SPÖ-Vorsitzenden - , nach dem Rücktritt von Weninger - Schweigen des SPÖ-Vorsitzenden, nach dem Rücktritt von Nürnberger - Schweigen des SPÖ-Vorsitzenden. In der Zwischenzeit kamen sie: die interimistischen Übergangslösungen. Ein Übergangspräsident, der sich plötzlich zum nächsten ÖGB-Präsidentenkandidaten machte, ein Übergangsvorsitzender der sozialistischen Gewerkschafter, der sich wenigstens dazu bekennt, dass er sich schon auf die Pension freut. Der ÖGB im Übergang -wohin? In die Pension?

Doch dann geschah das große Kommunikationswunder. Der Schweige-Parteichef begann wieder zu sprechen - und wünschte sich den Verkauf der BAWAG. Und jetzt sind auch die Bilder ins Laufen gekommen, Gusenbauers Kommunikationsintervenierer Kalina sei Dank. Der SPÖ-Vorsitzende, der noch vor einer Woche das Wort ÖGB kaum aussprechen konnte, geschweige denn wusste, dass es dort auch Sozialisten gab, ist plötzlich bei seinem Gang zur Neuwahl - recte Neubestellung - des roten Fraktionsvorsitzenden im Fernsehen zu sehen. In enger Zweisamkeit mit anderen Mitgliedern der Fraktion. Doch der Wunder nicht genug: Schon am nächsten Tag zeigt sich der SPÖ-Vorsitzende - leger auf der Parkbank im Grünen - sicher, dass die vielen guten Funktionäre der sozialistischen Fraktion im nächsten Wahlkampf für ihn laufen werden. So wie er dreinschaut, muss man ihm das einfach glauben.

Der SPÖ-Vorsitzende hat also erkannt bzw. wurde es ihm deutlich gemacht, was für ihn unangenehmer ist: eine Fraktion sozialistischer Gewerkschafter, die ihm nicht in den Wahlkampf folgt oder eine umschmeichelte Altfunktionärsschicht, die wenigstens für ihn Zettel verteilen lässt. Einige wenige Tage konnte man hoffen, dass der SPÖ-Vorsitzende die Gunst der Stunde nutzt und sich von der Gewerkschaft emanzipiert. Das wäre demokratiepolitisch ein Fortschritt gewesen - Vorbilder dafür gibt es in europäischen Ländern durchaus. Das wäre aber auch der härtere, steinigere Weg gewesen. Da ist es dann doch bequemer, der leichten Kritik die politische Umarmung folgen zu lassen und sich wieder zu einem guten Tröpferl aus der Toskana zurückzuziehen.

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