• 21.04.2006, 17:24:37
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 22. 4. 2006 Darf's ein Vierterl mehr sein? - von Angelika Kramer

Gegen die ÖGB-Sperrminorität an der Bawag ist nichts einzuwenden

Wien (OTS) - Die Investmentbanker von Morgan Stanley sind wahrlich
nicht zu beneiden. Ihr Auftrag, die Bawag zu verkaufen, gleicht einem
Himmelfahrtskommando. Nicht unbedingt nur deshalb, weil täglich neue
Details aus der Vergangenheit der Bank ans Tageslicht kommen, die
eine endgültige Werteinschätzung praktisch unmöglich machen. Sondern
vor allem deshalb, weil der Verkäufer eigentlich gar nicht weiss, was
er will.

Zugegeben, immerhin hat sich der ÖGB überraschend schnell dazu
entschlossen, sich von der Bank zu trennen. Wie viel die
Gewerkschafter aber abgeben wollen, ist derzeit noch Gegenstand
eifriger - in der Öffentlichkeit geführter - Diskussionen. Soll man
die Sperrminorität behalten oder die Bawag, die einstige
Zocker-Hochburg, mit Haus und Hof auf den Markt werfen, so lautet die
zentrale Frage.

Eisenbahner-Gewerkschaftschef Willi Haberzettl und Beamten-Oberster
Fritz Neugebauer voten für "Halten". ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer ist,
nachdem er noch bei sich selbst gehörig Überzeugungsarbeit zu leisten
hatte, letztendlich zur Lösung gekommen: Totalverkauf. Kurz: Nichts
Genaues weiss man nicht. "Bis zu 100 Prozent" lässt viele Varianten
offen.

Auch SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, der laut eigener Aussage eigentlich
gar nichts mit dem ÖGB am Hut hat, trägt mit seinen ständigen
Zwischenrufen nicht unbedingt zu mehr Klarheit in der Bawag-Frage
bei. Die Deutlichkeit, mit der er sich für einen 100-Prozent-Verkauf
ausspricht, schreit geradezu nach Widerrede aus den eigenen Reihen.
Was Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller und der
oberösterreichische SP-Chef Erich Haider prompt nutzten.

Gusenbauer vergisst in seinem Verkaufseifer zu erläutern: Was ist
eigentlich so schlecht daran, ein Bawag-Viertel zu behalten? Nur weil
in der Vergangenheit in der Bank alles schief gelaufen ist, muss das
ja nicht auch in Zukunft so sein. Oder traut der SP-Chef dem neuen
Bawag-Boss Ewald Nowotny nicht zu, die Bank wieder auf Vordermann zu
bringen? Nicht einmal Kauf-Interessent Nummer eins,
Städtische-General Günter Geyer, hat etwas gegen eine Sperrminorität
des ÖGB einzuwenden. Ja, er erhofft sich davon sogar Vorteile. Auch
gegen die ursprüngliche Idee einer Gewerkschaftsbank, die den
Arbeitern und Angestellten günstigere Konditionen einräumt, lässt
sich nicht wirklich viel einwenden. Und den Kaufpreis wird der Behalt
einer Sperrminorität wohl auch nur unwesentlich drücken, er ist ja
bereits im Keller.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 und 280
http://www.wirtschaftsblatt.at

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