- 02.04.2006, 08:00:00
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"profil": Bawag-Prüfbericht der OeNB dokumentierte bereits 2001 Teile der verlustreichen Kraibik-Geschäfte
Investment über 350 Mio. Euro wurde in OeNB-Bericht ausführlich dargestellt - Darstellung der Investments durch die Bawag wurde von OeNB angezweifelt
Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag
erscheinenden Ausgabe berichtet, wurden in jenem Bericht, der im Jahr
2001 von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) über eine im
Auftrag des Finanzministeriums erfolgte Prüfung der Bawag verfasst
worden war, Teile der verlustreichen so genannten Karibik-Geschäfte
ausführlich analysiert.
Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat in der Nationalratsdebatte
vom 29. März behauptet, dass im Bawag-Prüfbericht der OeNB "kein Wort
über ein Engagement der Bawag in der Karibik" und "kein Wort über ein
weiteres Engagement von 350 Millionen Euro im Jahr 2000 enthalten
ist".
Auf Seite 24 des Erhebungsberichts der OeNB ist unter Punkt 7.4,
der den Titel "Performanceabhängige Anleihen" trägt, freilich
vermerkt: "Die Bawag hat sich zu Beginn des Geschäftsjahres 2000 mit
einem Volumen von EUR 350 Mio an einer von der Investmentfirma
International Asset Management Limited mit Sitz auf Bermuda
angelegten Konstruktion, die sich aus sieben unterschiedlichen Fonds
(davon sind sechs Fonds Off-Shore domiziliert) zusammensetzt." Dabei
handelte es sich um exakt jene 350 Millionen, die unter der Gestion
von Wolfgang Flöttl im Oktober mittels Yen-Zinsenswaps verspekuliert
wurden.
Gegenüber den OeNB-Prüfern hatte die Bawag die eingetretenen
Verluste verheimlicht und behauptet, die Investments seien zum
Zeitpunkt der Prüfung, die im Dezember 2000 begonnen und im Februar
2001 geendet hatte, bereits wieder rückgeführt gewesen. Weiters hatte
die Bawag behauptet, dass "sowohl die einzelnen Fonds als auch die
Fondsgesellschaften ... rechtlich selbstständig und voneinaner
unabhängig" gewesen seien.
Letztere Behauptung wurde im Bericht erheblich angezweifelt,
"profil" berichtet. Den OeNB-Prüfern war aufgefallen dass die "Fonds"
trotz ihrer angeblichen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit,
praktisch idente Wertentwicklungen aufwiesen: "Insofern kann/konnte
eine ein Klumpenrisiko nicht ausgeschlossen werden." Und handelte es
sich tatsächlich um "ein einziges Engagement ..., wäre weiteres auch
die Großveranlagungsgrenze ... überschritten worden", folgerten die
Prüfer.
Bei einer nochmaligen, tiefer gehenden Prüfung, welche das
Finanzministerium anordnen hätte können, wäre vermutlich auch
entdeckt worden, dass dass International Asset Management Limited
eine Gesellschaft ist, die dem Einflussbereich von Wolfgang Flöttl
zuzurechnen ist. Was die von der Bawag gegenüber der OeNB abgegebene
Erkärung, mit Wolfgang Flöttl, "in keiner laufenden
Geschäftsbeziehung zu stehen", in einem anderen Licht erscheinen
hätte lassen.
Der profil vollständig vorliegende Bericht listet zudem eine
Vielzahl weiterer Mängel beziehungsweise Unzulänglichkeiten sowie
eine Reihe von Verstößen gegen das Bankwesengesetz (BWG) auf.
Besonders scharf bemängelten die OeNB-Prüfer die Unzulänglichkeiten
der Internen Revision der Bawag. Die Dienstanweisungen der
Innenrevision waren "völlig unaktuell"; in eigesehenen
Kontrollberichten waren zu bestimmten Geschäftsbereichen "keinerlei
Prüfungshandlungen ... dokumentiert"; "eine Prüfungsfunktion" war
"daher nicht gegeben"; der 1994 abgegebenen Verpflichtung, die
"Sondergeschäfte" in der Karibik "jährlich zu prüfen", war "zumindest
seit dem Oktober 1998 nicht mehr nachgekommen" worden.
Rückfragehinweis:
"profil"-Redaktion
Tel.: (01) 534 70 DW 3501 und 3502
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