- 28.03.2006, 16:38:50
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 29.3.2006: Das schwarze Schaf heisst nicht nur Flöttl - von Peter Muzik
Wien (OTS) - Der umstrittene Milliarden-Jongleur Wolfgang Flöttl
steht immer mehr als zentrale Figur des Bawag-Skandals im Regen. Er
wurde von der Bank hochoffiziell zum Hauptschuldigen ernannt und
befindet sich nunmehr im Visier der Staatsanwaltschaft. Mit gutem
Grund: Der Sohn des ehemaligen Bank-Chefs Walter Flöttl hat die
seinerzeit recht biedere Gewerkschaftsbank auf das glatte Eis der
internationalen Finanzspekulation geführt und ihr dort ein Fiasko
nach dem anderen beschert. Seine kapitalistische Grossmannssucht muss
den Bawag-Leuten jahrelang so sehr imponiert haben, dass sie ihm mit
Haut und Haaren verfallen sind.
Der mit einer Eisenhower-Enkelin verheiratete Havard-Absolvent, der
stets als Sir von Welt und Kunstsammler von Format auftrat, fiel
bekanntlich schon 1994 erstmals unangenehm auf. Damals wurden seine
wilden Spekulationsgeschäfte schlagartig gestoppt - und sein Vater
in Pension geschickt. Ex-Bawag-General Helmut Elsner setzte
allerdings aus unerfindlichen Gründen weiterhin auf Flöttl junior -
bis dieser im Oktober 2000 einen Totalverlust mit japanischen
Zinsswaps eingefahren hat. Auf einen Schlag waren rund 350 Millionen
Euro futsch. Alles in allem häufte die ÖGB-Bank primär dank Flöttl,
der sich am liebsten Flottl nennt, einen Milliarden-Verlust an, ohne
dass den Bawag-Aufsichtsräten oder der KPMG als zuständigem
Wirtschaftsprüfer Besonderes aufgefallen wäre.
Aber hört, hört: Der höchst unglücklich agierende
Noch-Aufsichtsratschef der Bawag, Günter Weninger, gab doch kürzlich
zu Protokoll, dass sich die Bank an Wolfgang Flöttl schadlos halten
wolle. Schon Anfang 2001 sei das gesamte Privatvermögen des
Betroffenen eingezogen und verwertet worden, also letztlich der Bawag
zugute gekommen. Übrigens: Das hinderte den Finanz-Hai keineswegs,
sich weiterhin in der feinsten US-Society blicken zu lassen oder
aber im Juni 2004 ein Cezanne-Gemälde um 7,6 Millionen Dollar zu
verkaufen - von Verarmung also keine Spur. Ziemlich fix ist nur, dass
Flöttl bei der Refco-Affäre erneut die Finger im Spiel hatte.
Fazit: Es ist zwar erfreulich, dass plötzlich alle den Sündenbock
Nummer eins verfolgen, obzwar dieser im Moment schwer auftreibbar
sein dürfte. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass es neben
Wolfgang Flöttl eine Reihe anderer schwarzer Bawag-Schafe gibt, die
grossen Mist gebaut haben. Auch die sollten raschest zur
Verantwortung gezogen werden - sonst tauchen sie auch noch unter.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at
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