• 23.03.2006, 17:00:00
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Rote Bosse, rote Zahlen" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 24.03.2006

Wien (OTS) - Der Bawag-Vorstand hat offenbar längst komplett die
Übersicht verloren. "Bawag beendet Medienspekulation", wurde am 17.
März um 10.36 Uhr vollmundig erklärt. Schon um 17.50 Uhr fühlten sich
die Direktoren veranlasst, in einer "weiteren Stellungnahme"
ausdrücklich die "wirtschaftliche Stabilität" der Gewerkschaftsbank
zu betonen. Grund dafür: Die Finanzmarktaufsicht hatte neue
Untersuchungen begonnen, wie viel Geld die Bank mit riskanten
Spekulationen in den Sand gesetzt hat und wer dafür die Verantwortung
trägt.
Dazu schweigen bisher sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat und
Gewerkschaft. Im Vorstand ist bisher nur Generaldirektor Johann
Zwettler durch Wirtschaftsprofessor Ewald Nowotny ersetzt worden.
Ex-Generaldirektor Helmut Elsner, in dessen Ära etliche der
zweifelhaften Geschäfte fallen, kassiert neben der Bank-Pension eine
sehr ordentliche Gage als Vorstandsmitglied der
Lotterien-Gesellschaft; Mehrheitseigentümerin ist die Bawag. Etliche
Bawag-Direktoren, die den karibischen Finanzdschungel
mitzuverantworten haben, sind weiterhin in Amt und Würden.
Das ist vermutlich einer der Gründe, warum die Bank auf Tauchstation
bleibt und von den Pleiten der Vergangenheit nur in jeweils winzigen
Bruchstücken zugibt, was ohnehin schon nachgewiesen wurde oder gar
gerichtsanhängig ist.
Gewiss: Die Bawag - immerhin Österreichs viertgrößte Bank - ist nicht
pleite, das Geld der Sparer nicht in Gefahr. Aber hunderte Millionen,
vielleicht sogar mehr als eine Milliarde Euro in wenigen Jahren mit
wilden Spekulationsgeschäften in den Sand zu setzen, ist keine
Kleinigkeit.
Ähnlich geht es bei der dem roten Machtbereich zuzurechnenden
Autofahrerorganisation Arbö zu. Da wird ein hoch bezahlter
Generalsekretär fristlos gefeuert, weil er angeblich in die eigene
Tasche gewirtschaftet hat. Der Vorstand rotiert im wahrsten Sinn des
Wortes, die Präsidenten wechseln nahezu im Monatsrhythmus. Auch hier
gilt: Misswirtschaft pur - rote Bosse, rote Zahlen.
Die Liste ließe sich fortsetzen. Auch die Privatisierung der Bank
Burgenland durch die sozialdemokratische Mehrheit in diesem
Bundesland ist keine Erfolgsstory. Der Weg zum Verkauf an die Grazer
Wechselseitige war verschlungen und ist schwer nachvollziehbar.
Die ÖVP wird wissen, warum sie daraus kein Kapital schlägt. Grüne,
BZÖ und FPÖ haben dagegen noch gar nicht begriffen, welches Geschenk
ihnen das politische Schicksal da macht. Nicht nur, dass der rot
dominierte Gewerkschaftsbund in schweren finanziellen Problemen
steckt; es kommt hinzu, dass der SPÖ in nächster Zeit Kritik an der
Wirtschaftspolitik der Regierung nicht gut ansteht.
Einmal mehr zeigt sich, dass man Misswirtschaft kein
parteipolitisches Fähnchen umhängen darf. Wer politisch oder
wirtschaftlich an der Macht ist, kommt leicht in Versuchung, diese
Macht zu missbrauchen. Ob Gier oder Unfähigkeit das Motiv darstellen,
ist dabei ebenso unerheblich wie die politische Einstellung.

Rückfragehinweis:
Vorarlberger Nachrichten
Chefredaktion
Tel.: 0664/80588382

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