"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Rote Bosse, rote Zahlen" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 24.03.2006

Wien (OTS) - Der Bawag-Vorstand hat offenbar längst komplett die Übersicht verloren. "Bawag beendet Medienspekulation", wurde am 17. März um 10.36 Uhr vollmundig erklärt. Schon um 17.50 Uhr fühlten sich die Direktoren veranlasst, in einer "weiteren Stellungnahme" ausdrücklich die "wirtschaftliche Stabilität" der Gewerkschaftsbank zu betonen. Grund dafür: Die Finanzmarktaufsicht hatte neue Untersuchungen begonnen, wie viel Geld die Bank mit riskanten Spekulationen in den Sand gesetzt hat und wer dafür die Verantwortung trägt.
Dazu schweigen bisher sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat und Gewerkschaft. Im Vorstand ist bisher nur Generaldirektor Johann Zwettler durch Wirtschaftsprofessor Ewald Nowotny ersetzt worden. Ex-Generaldirektor Helmut Elsner, in dessen Ära etliche der zweifelhaften Geschäfte fallen, kassiert neben der Bank-Pension eine sehr ordentliche Gage als Vorstandsmitglied der Lotterien-Gesellschaft; Mehrheitseigentümerin ist die Bawag. Etliche Bawag-Direktoren, die den karibischen Finanzdschungel mitzuverantworten haben, sind weiterhin in Amt und Würden.
Das ist vermutlich einer der Gründe, warum die Bank auf Tauchstation bleibt und von den Pleiten der Vergangenheit nur in jeweils winzigen Bruchstücken zugibt, was ohnehin schon nachgewiesen wurde oder gar gerichtsanhängig ist.
Gewiss: Die Bawag - immerhin Österreichs viertgrößte Bank - ist nicht pleite, das Geld der Sparer nicht in Gefahr. Aber hunderte Millionen, vielleicht sogar mehr als eine Milliarde Euro in wenigen Jahren mit wilden Spekulationsgeschäften in den Sand zu setzen, ist keine Kleinigkeit.
Ähnlich geht es bei der dem roten Machtbereich zuzurechnenden Autofahrerorganisation Arbö zu. Da wird ein hoch bezahlter Generalsekretär fristlos gefeuert, weil er angeblich in die eigene Tasche gewirtschaftet hat. Der Vorstand rotiert im wahrsten Sinn des Wortes, die Präsidenten wechseln nahezu im Monatsrhythmus. Auch hier gilt: Misswirtschaft pur - rote Bosse, rote Zahlen.
Die Liste ließe sich fortsetzen. Auch die Privatisierung der Bank Burgenland durch die sozialdemokratische Mehrheit in diesem Bundesland ist keine Erfolgsstory. Der Weg zum Verkauf an die Grazer Wechselseitige war verschlungen und ist schwer nachvollziehbar.
Die ÖVP wird wissen, warum sie daraus kein Kapital schlägt. Grüne, BZÖ und FPÖ haben dagegen noch gar nicht begriffen, welches Geschenk ihnen das politische Schicksal da macht. Nicht nur, dass der rot dominierte Gewerkschaftsbund in schweren finanziellen Problemen steckt; es kommt hinzu, dass der SPÖ in nächster Zeit Kritik an der Wirtschaftspolitik der Regierung nicht gut ansteht.
Einmal mehr zeigt sich, dass man Misswirtschaft kein parteipolitisches Fähnchen umhängen darf. Wer politisch oder wirtschaftlich an der Macht ist, kommt leicht in Versuchung, diese Macht zu missbrauchen. Ob Gier oder Unfähigkeit das Motiv darstellen, ist dabei ebenso unerheblich wie die politische Einstellung.

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