- 23.03.2006, 11:28:45
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FORMAT: Bawag finanzierte "Sondergeschäfte" von Wolfgang Flöttl
Flöttl verwaltete zumindest 550 Millionen Dollar
Wien (OTS) - Die im Eigentum des Österreichischen
Gewerkschaftsbundes (ÖGB) befindliche Bank für Arbeit und Wirtschaft
(Bawag) arrangierte zwischen 1995 und 2000 großvolumige
Finanzierungen mit Wolfgang Flöttl. Dies berichtet das
Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe.
Die erstmals im April 1994 aufgedeckten "Karibik"-Geschäfte zwischen
dem damaligen Bawag-General Walter Flöttl und seinem Sohn Wolfgang
liefen trotz gegenteiliger Behauptungen noch viele Jahre weiter. Das
belegt das FORMAT exklusiv vorliegende "Protokoll Nr. 246 über die
Aufsichtsratssitzung der Bank für Arbeit und Wirtschaft vom
17.September 1998" auf insgesamt 37 Seiten eindrucksvoll: "Die mit
Dr. Flöttl abgewickelten Sondergeschäfte weisen ein Volumen von 550
Millionen Dollar auf, daraus haben wir seit 1995 bis dato einen
Ertrag von insgesamt 554 Millionen Schilling lukriert."
Die Investments von Wolfgang Flöttl erwiesen sich letztlich nicht als
Glücksgriff für die Gewerkschaftsbank und verursachten laut
Bawag-Insidern Verluste von mehr als 600 Millionen Euro. Durch
zusätzliche Fehlinvestitionen in spekulative Hedgefonds und riskante
Pipe-Finanzierungen soll das Minus auf über eine Milliarde Euro
angewachsen sein. Die Verluste wurden diskret über Briefkastenfirmen
auf den British Virgin Islands verstaut und über die Jahre komplett
abgeschrieben.
Um die gigantischen Verluste auszugleichen, entschied sich der
damalige Bawag-General Helmut Elsner für waghalsige Manöver:
Bawag-intern wurde ein Boom an Briefkastenfirmen in Irland,
Liechtenstein, den British Virgin Islands und den Kanalinseln
registriert. So entstand damals etwa die mit reichlich Spielkapital
ausgestatteten AI-Alternative Investments Ltd., Jersey: Der
Bawag-Hedgefonds AI verfügte laut FORMAT vorliegenden
Aufsichtsratspapieren konkret über eine Finanzierungslinie von 422
Millionen Euro.
ÖGB-Finanzchef und Bawag-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger wurde
laut FORMAT vom Bawag-Vorstand über die Karibikgeschäfte in Kenntnis
gesetzt. Auch ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch müsste über die
bristanten Details informiert gewesen sein. Ex-ÖGB-Vizepräsident Hans
Sallmutter gegenüber FORMAT: "Jeder Eigentümervertreter muss über
sein Eigentum Bescheid wissen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass
Fritz Verzetnitsch von den Verlusten und den Briefkastenfirmen nichts
wußte. Das gibt’s nicht."
Rückfragehinweis:
Format Wirtschaft, Ashwien Sankholkar
Tel.: 0043/1/217 55-4126
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