AK: Halbherzige Lösung für Lebensmittel-Gesundheitswerbung

EU-Umweltausschuss hat Schlupfloch bei Werbung eingeführt und will statt Zulassungs- nur Registrierungsverfahren

Wien (OTS) - Als "positives Signal, aber keine optimale Entscheidung" wertet die AK das Ergebnis des EU-Umweltausschusses zur Gesundheitswerbung für Lebensmittel. Süße Limo für feste Knochen - so kann auch künftig geworben werden, wenn angegeben wird, dass das Produkt süß ist. Der Kommissionsvorschlag und der gemeinsame Standpunkt der EU-Gesundheitsminister sah für zu süße, fette oder salzige Produkte ein gänzliches Verbot von Gesundheitswerbung vor. "Dieses Schlupfloch muss geschlossen werden", sagt AK Ernährungsexpertin Petra Lehner, "denn ich bin gesund, aber zugleich auch nicht, ist für Verbraucher verwirrend." Auch die Umwandlung des Zulassungs- in ein Registrierungsverfahren sieht Lehner kritisch. Eine EU-weite Regelung muss Gesundheitswerbung für zu fette, süße und salzige Produkte verbieten und ein Zulassungsverfahren für gesundheitsbezogene Angaben beinhalten, verlangt die AK vom EU-Parlament Mitte Mai.

"Der Kompromiss des EU-Umweltausschusses vom Dienstag, 21. März, geht noch nicht weit genug, um Verbraucher optimal zu schützen", sagt Lehner. Wenn das Zulassungsverfahren in ein Registrierungsverfahren umgewandelt würde - so wie es der EU-Ausschuss will - wäre eine Prüfung von Angaben durch eine unabhängige Stelle vom Tisch. "Der Irreführungsbeweis liegt dann weiter bei Kontrollbehörden und Konsumenteneinrichtungen", sagt Lehner.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnten 80 Prozent der Herzkreislauferkrankungen und ein Drittel aller Krebsfälle durch Änderungen im Ernährungs- und Bewegungsverhalten verhindert werden. Oberstes Gebot muss hier also sein, Fettes und Süßes nicht auch noch durch Gesundheitswerbung attraktiver zu machen. Eine Art "Warnhinweis", wie jetzt vorgeschlagen, wirkt eher verwirrend als aufklärend. Zudem brauchen Konsumenten Sicherheit, dass Gesundheitswerbung wissenschaftlich ordentlich untermauert ist, denn für viele sind gerade Gesundheitsslogans ein entscheidendes Kaufkriterium. Mitte Mai wird im EU-Parlament abgestimmt werden. "Die Abgeordneten müssen im Sinne der Konsumenten stimmen", sagt Lehner. Die AK hat allen österreichischen EU-Abgeordneten in einem persönlichen Schreiben die wesentlichen Punkte erneut dargelegt, negative Beispiele überzogener Werbung übermittelt und sie um Unterstützung gebeten.

Die AK Verbraucherschützer sind regelmäßig mit überzogener Gesundheitswerbung konfrontiert: z.B. Wellnessdrinks mit "reaktiviert den Körper" beworben, liefern 15 Würfelzucker pro Liter - täglich einen Liter davon getrunken, ergibt ein Plus von etwa fünf Kilogramm Körpergewicht im Jahr. Oder ein Kinderschokoriegel mit der Aufschrift "mit Kalzium", von dem ein Volksschüler 18 Stück essen müsste, um seinen täglichen Kalziumbedarf zu decken, gleichzeitig aber auch 45 Würfelzucker und 15 Esslöffel Fett essen würde. "Schokolade oder Limonade als gesund zu vermarkten, ist im Lichte der steigenden Übergewichtsproblematik fahrlässig", meint Lehner.

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