• 23.03.2006, 11:26:51
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AK: Halbherzige Lösung für Lebensmittel-Gesundheitswerbung

EU-Umweltausschuss hat Schlupfloch bei Werbung eingeführt und will statt Zulassungs- nur Registrierungsverfahren

Wien (OTS) - Als "positives Signal, aber keine optimale
Entscheidung" wertet die AK das Ergebnis des EU-Umweltausschusses zur
Gesundheitswerbung für Lebensmittel. Süße Limo für feste Knochen - so
kann auch künftig geworben werden, wenn angegeben wird, dass das
Produkt süß ist. Der Kommissionsvorschlag und der gemeinsame
Standpunkt der EU-Gesundheitsminister sah für zu süße, fette oder
salzige Produkte ein gänzliches Verbot von Gesundheitswerbung vor.
"Dieses Schlupfloch muss geschlossen werden", sagt AK
Ernährungsexpertin Petra Lehner, "denn ich bin gesund, aber zugleich
auch nicht, ist für Verbraucher verwirrend." Auch die Umwandlung des
Zulassungs- in ein Registrierungsverfahren sieht Lehner kritisch.
Eine EU-weite Regelung muss Gesundheitswerbung für zu fette, süße und
salzige Produkte verbieten und ein Zulassungsverfahren für
gesundheitsbezogene Angaben beinhalten, verlangt die AK vom
EU-Parlament Mitte Mai.

"Der Kompromiss des EU-Umweltausschusses vom Dienstag, 21. März,
geht noch nicht weit genug, um Verbraucher optimal zu schützen", sagt
Lehner. Wenn das Zulassungsverfahren in ein Registrierungsverfahren
umgewandelt würde - so wie es der EU-Ausschuss will - wäre eine
Prüfung von Angaben durch eine unabhängige Stelle vom Tisch. "Der
Irreführungsbeweis liegt dann weiter bei Kontrollbehörden und
Konsumenteneinrichtungen", sagt Lehner.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnten 80 Prozent der
Herzkreislauferkrankungen und ein Drittel aller Krebsfälle durch
Änderungen im Ernährungs- und Bewegungsverhalten verhindert werden.
Oberstes Gebot muss hier also sein, Fettes und Süßes nicht auch noch
durch Gesundheitswerbung attraktiver zu machen. Eine Art
"Warnhinweis", wie jetzt vorgeschlagen, wirkt eher verwirrend als
aufklärend. Zudem brauchen Konsumenten Sicherheit, dass
Gesundheitswerbung wissenschaftlich ordentlich untermauert ist, denn
für viele sind gerade Gesundheitsslogans ein entscheidendes
Kaufkriterium. Mitte Mai wird im EU-Parlament abgestimmt werden. "Die
Abgeordneten müssen im Sinne der Konsumenten stimmen", sagt Lehner.
Die AK hat allen österreichischen EU-Abgeordneten in einem
persönlichen Schreiben die wesentlichen Punkte erneut dargelegt,
negative Beispiele überzogener Werbung übermittelt und sie um
Unterstützung gebeten.

Die AK Verbraucherschützer sind regelmäßig mit überzogener
Gesundheitswerbung konfrontiert: z.B. Wellnessdrinks mit "reaktiviert
den Körper" beworben, liefern 15 Würfelzucker pro Liter - täglich
einen Liter davon getrunken, ergibt ein Plus von etwa fünf Kilogramm
Körpergewicht im Jahr. Oder ein Kinderschokoriegel mit der Aufschrift
"mit Kalzium", von dem ein Volksschüler 18 Stück essen müsste, um
seinen täglichen Kalziumbedarf zu decken, gleichzeitig aber auch 45
Würfelzucker und 15 Esslöffel Fett essen würde. "Schokolade oder
Limonade als gesund zu vermarkten, ist im Lichte der steigenden
Übergewichtsproblematik fahrlässig", meint Lehner.

Rückfragehinweis:
Doris Strecker
AK Wien Kommunikation
tel.: (+43-1) 501 65-2677
mailto:[email protected]
http://wien.arbeiterkammer.at

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