Hundekot: Im schlimmsten Fall bis zu Lebervergrößerung und Erblindung

Ärztekammer unterstützt Elterninitiative - "Stadträtin Ulli Sima ist aufgerufen, Wiens Grünzonen hundefrei zu machen"

Wien (OTS) - Zum Thema "Hundstrümmerl" meldet sich nun auch die Wiener Ärztekammer zu Wort: Die medizinischen Aspekte seien in der bisherigen Diskussion noch zu wenig beachtet worden. Wurminfizierter Hundekot aber könne im schlimmsten Fall bis zu Lebervergrößerung und Erblindung führen. "Aus diesem Grund unterstützt die Ärztekammer auch die aktuelle Elternpetition gegen den Hundekot in Wiens Grünzonen", so Rolf Jens von der Wiener Ärztekammer. ****

Hundekot, der von einem wurminfizierten Tier stammt, kann zur so genannten Toxokarose führen, einer Wurmerkrankung, die durch den Hundespulwurm entsteht. Ausgeschieden werden die Eier des Hundespulwurms vor allem von ganz jungen Hunden, die zumeist schon im Mutterleib angesteckt worden sind. Wird die Infektion durch die Aufnahme der Eier des Hundespulwurms vom Menschen erworben, kann ein sehr mannigfaltig ausgeprägtes Krankheitsbild, das als Toxokarose bezeichnet wird, entstehen.

Aus den vom Menschen aufgenommenen Eiern schlüpfen im Dünndarm Larven, die in die Darmschleimhaut eindringen und über den Blutweg zuerst in die Leber, dann über das Herz und die Lunge und schließlich über den großen Blutkreislauf in alle Organe transportiert werden können. Man unterscheidet heute bis zu sechs unterschiedliche Krankheitsbilder. Besonders schwer wiegende Symptome entstehen dann, wenn die Larven entweder ins Auge oder ins Gehirn gelangen.

Vor allem Kinder laufen Gefahr, sich mit Toxokarose anzustecken, insbesondere wenn sie mit Sand oder Erde spielen. Jens: "Die Kinder müssen den Sand gar nicht in den Mund stecken, es reicht aus, dass sie mit den Fingern damit in Berührung kommen und sich so anstecken." Die Symptome von Toxokarose reichen von immer wiederkehrendem Husten, der nicht viral erklärbar ist, bis hin zu Lebervergrößerungen, Erblindung oder Schädigung des Immunsystems.

Alte Hundstrümmerln am gefährlichsten

Alte Hundstrümmerln, die auf Wiens Grünflächen im Übermaß zu finden sind, werden von der Bevölkerung oft als ungefährlich abgetan. Doch das ist ein Irrglaube. Jens: "In meiner Ordination bin ich immer wieder mit der Ansicht konfrontiert, dass nur frischer Kot mit Bakterien verseucht sei. Tatsächlich verhält es sich aber genau umgekehrt. Bei wurminfiziertem Hundekot dauert es nämlich 14 Tage bis drei Wochen, bis die Larve im Kot heranwächst. Gerade wenn der Kot alt aussieht, ist er also am gefährlichsten."

Ein weiteres Problem: der Feinstaub. Im vor allem im Frühjahr aufgewirbelten Staub befinden sich nämlich nicht nur jede Menge schädliche Abgase, sondern auch Reste von Hundekot. Das bedeutet zwar laut Jens noch keine zwingenden gesundheitlichen Schäden für den Menschen, doch drohten auch hier durch bakteriell verseuchten Hundekot gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Jens: "Man muss nicht unbedingt in Panik verfallen. Hundekot kann den Hundebandwurm übertragen, muss es aber nicht. Sauber ist das Ganze jedenfalls nicht." Er verstehe daher die Sorge der Eltern, denn gerade Kinder befänden sich häufig auf denselben Flächen wie Hunde, spielten in Parks oder auf Wiesen und kämen so mit Hundekot in Berührung. Auch gäbe es immer wieder Hunde ohne regelmäßige tierärztliche Betreuung, was das Risiko eines Hundespulwurms erhöhe. Zudem würden junge Hunde nach Österreich oft ohne tierärztliche Untersuchung eingeführt.

Die Ärztekammer unterstützt daher die aktuelle Petition von Wiener Eltern: "Aus ärztlicher Sicht ist die zuständige Stadträtin Ulli Sima dringend aufgerufen, raschest dafür zu sorgen, dass Wiens Grünzonen hundstrümmerlfrei werden." Sie solle sich ein Beispiel an der Schweiz nehmen, "dort stehen überall Automaten, wo Hundekotsäckchen frei entnommen werden können". Schließlich habe die Stadt Wien vor Jahren aus diesem Grund die Hundesteuer um das Dreifache erhöht. "Es wäre eine gute Widmung, dieses Geld für die flächendeckende Aufstellung von solchen Automaten zu verwenden", so Jens abschließend. (kp)

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223
Fax: (++43-1) 51501/1289
hpp@aekwien.at
http://www.aekwien.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAW0001