- 21.03.2006, 10:07:34
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ÖAMTC: "Intelligente" Fahrzeugtechnologien im Test - was sie wirklich können
Klares Sicherheitsplus, Verantwortung bleibt aber nach wie vor beim Lenker
Wien (OTS) - Auffahrunfälle und Massenkarambolagen passieren
schnell und leider zu häufig - die Folgen sind meist verheerend, oft
tödlich. "Zwei Neuerungen in der Fahrzeugtechnologie lösen einen
Quantensprung in der aktiven Sicherheit aus. Distronic Plus und
Bremsassistent Plus, beides Weiterentwicklungen bereits bestehender
Technologien, erfassen mittels Radarsensoren den Bereich vor dem
Fahrzeug", erklärt ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang. Beides sind
Fahrerassistenzsysteme, die von Mercedes in der S-Klasse
weiterentwickelt wurden. Was die beiden neuen Technologien bei
unterschiedlichen Verkehrsbedingungen oder Fahrverhalten wirklich
taugen, hat der ÖAMTC getestet.
Im Test - Bremsassistent Plus warnt bei hoher Geschwindigkeit
zu spät
Der Bremsassistent Plus (BAS+) ist ein System mit Umfelderkennung
und senkt das Risiko, auf ein vorausfahrendes oder stehendes
Hindernis aufzufahren. BAS+ erkennt Gefahrensituationen sehr schnell
und steuert den optimalen Bremsdruck. Die Philosophie dahinter ist
jene, den Fahrer bei einer Gefahrbremsung zu unterstützen, sobald ein
Objekt als Risiko für einen Auffahrunfall erkannt wird. Im ÖAMTC-Test
wurden stehende Hindernisse zuverlässig erkannt, eine Warnung
beziehungsweise eine Bremsaufforderung ist erfolgt. "Auch bei höheren
Geschwindigkeiten wurden die Objekte erkannt, die Warnung erfolgte
jedoch mit zu geringem Abstand zum Hindernis", erklärt der
ÖAMTC-Cheftechniker. Problematisch kann es bei Fahrrad- und
Motorradfahrern werden. Während der Versuche wurden Radfahrer zwar
erkannt, Mercedes schränkt die Funktionalität bei derartigen
"Objekten" aber ausdrücklich ein.
Um Fehlwarnungen zu vermeiden, erfolgt eine Bremsaufforderung
durch BAS+ relativ spät. BAS+ wird auch nur dann aktiv, wenn der
Fahrer bremst. Wer zu spät bremst, kann mit BAS+ keinen Unfall
vermeiden, die Schwere aber dennoch erheblich vermindern. Ein
wesentlicher Sicherheitsgewinn wurde im Test bei Kolonnenfahrten
festgestellt, in denen das vorausfahrende Fahrzeug plötzlich stark
bremste und der Abstand gering war. "Das Radarsystem erkennt die
Situation sehr schnell und erhöht die Bremsverzögerung bis zur
ABS-Regelgrenze", so Lang. Der Bremsweg kann dadurch deutlich
verkürzt und Unfälle vermieden werden.
Distronic Plus - So funktioniert's
Distronic Plus (Tempomat mit Abstandsregelung) wurde gegenüber der
früheren Generation in ihrer Funktion erweitert. Die
Stop-and-go-Funktion ist neu und verbessert den Komfort. Der Abstand
zum Vordermann wird von Distronic Plus geregelt. "Es kann eine
Zeitlücke zwischen ein und zwei Sekunden eingestellt werden. Was
bedeutet, dass der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug dem Weg
entspricht, der in ein oder zwei Sekunden zurückgelegt werden kann.
Mit höherer Geschwindigkeit nimmt auch der Abstand zu", erklärt der
ÖAMTC-Cheftechniker. Wird die Zeitlücke auf den minimalen Wert
eingestellt, so beträgt der Abstand bei 100 km/h zirka 27 Meter.
Im Test - In engen Kurven kann das vorausfahrende Fahrzeug
"verschwinden"
Im Praxistest wurde das Verhalten von Distronic Plus in
verschiedenen Verkehrssituationen unter die Lupe genommen. Ein
deutliches Manko zeigte sich bei Autobahnausfahrten. Hier muss die
Distronic, selbst wenn ein Führungsfahrzeug vorhanden ist,
ausgeschaltet werden. "In engen Kurven geht das vorausfahrende
Fahrzeug 'verloren'. Dadurch kann es zu unerwarteter und
ungewünschter Beschleunigung kommen, was durchaus zu kritischen
Situationen führen kann", urteilt Lang. Auch ein Überholwunsch wird
von Distronic nicht erkannt. Um den Verkehr auf der linken Spur nicht
zu behindern, muss der Fahrer eingreifen.
Generell lässt sich Distronic Plus auf Autobahnen im
Kolonnenverkehr und bei dichtem Verkehrsaufkommen am besten
einsetzen. Stop-and-go-Situationen werden gemeistert, solange ein
vorausfahrendes Fahrzeug erkannt wird. Auf kurvenreichen oder
hügeligen Landstraßen geht das Zielfahrzeug allerdings immer wieder
verloren, so dass der Fahrzeuglenker eingreifen muss. Auch innerorts
erhält man durch die neue Technologie keinen erheblichen
Komfortgewinn. "Die weiterentwickelte Version Distronic Plus verfügt
gegenüber früheren Generationen zwar über eine verbesserte
Zielführung, Zielverluste kommen dennoch immer wieder vor", erklärt
der ÖAMTC-Cheftechniker. "Die Stop-and-go-Funktion ist aber eine
deutliche Verbesserung. Dennoch ist die volle Aufmerksamkeit des
Fahrers gefordert. Die Distronic Plus ist auch in Verbindung mit dem
Bremsassistent Plus kein Autopilot." Und, auch das Fahren mit
Distronic muss gelernt werden.
Fazit des Club-Experten:
Mercedes ist mit der Entwicklung der Radartechnik klar einen
Schritt in Richtung mehr aktive Sicherheit im Fahrzeug gegangen.
Dadurch, dass BAS+ das Fahrzeugumfeld berücksichtigt, wurde ein
erheblicher Sicherheitsgewinn erreicht. Auch die Distronic Plus
bringt in vielen Situationen einen Komfortgewinn. Sie ist jedoch in
genauso vielen Situationen nicht einsetzbar. Das Ziel von
Fahrerassistenzsystemen ist es, den Fahrer zu unterstützen und dort
zu helfen, wo der Lenker an seine Grenzen stößt. Die Verantwortung
ist und bleibt beim Fahrer. "Die Einführung in der Luxusklasse ist
üblich. Es bleibt aber zu hoffen, dass sich diese
sicherheitsbringende Technik auch auf große Bereiche des
Fahrzeugangebotes ausdehnt", sagt ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang
abschließend.
(Schluss)
Rückfragehinweis:
ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit
Margret Handler
Tel.: +43 (0) 1 711 99-1218
mailto:[email protected]
http://www.oeamtc.at
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