Industriekonjunktur: Wachstumsoptimismus für 2006 in schwierigem Umfeld

Export wichtigste Säule - Optimierung der Standortbedingungen Voraussetzung für Bestätigung des Konjunkturoptimismus - Energie-, Umweltkosten drücken auf Erträge

Wien (PWK131) - "Österreichs Industrie befindet sich auf Wachstumskurs", führte Wolfgang Damianisch, Geschäftsführer der Bundessparte Industrie der WKÖ, heute, Dienstag, vor Journalisten aus. Immerhin verzeichnete der nominelle Produktionswert der heimischen Industrie in einer Betrachtung des Zeitraums Jänner bis November 2005 ein Plus von 6,6 Prozent auf über 99 Milliarden Euro.

Zwar hat sich das Wachstum der abgesetzten Industrieproduktion in den ersten beiden Quartalen 2005 mit nominell + 6,5 bzw. + 9,2 Prozent weiter fortgesetzt, in den Monaten Juli bis September 2005 gab es allerdings eine Abschwächung zu verzeichnen; im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode stieg die heimische Industrieproduktion nur mehr um nominell 4,2 Prozent.

Für das 4. Quartal 2005 erwartet die Industrie eine Fortsetzung des Produktionswachstumspfads - ausgehend von dem hohen Niveau des Vorjahresquartals - um nominell 5 Prozent. Mengenmäßig könne, so Damianisch, mit einem Anstieg von etwas mehr als 3 Prozent gerechnet werden.

Nach den derzeit vorliegenden statistischen Daten dürfte sich im Gesamtjahr 2005 der nominelle Produktionswert der österreichischen Industrie um 6,5 Prozent auf rund 108 Milliarden Euro vergrößern. Real (= inflationsbereinigt) rechnet die Industrie mit einem Wachstum von 4 Prozent.

Innerhalb der Industriefachverbände wurde das Produktionswachstum in den ersten 11 Monaten 2005 vor allem von den Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen, Bergwerke & Eisen erzeugenden Industrie, Ledererzeugende Industrie, Mineralölindustrie sowie NE-Metallindustrie getragen, die ihr Produktionsvolumen überdurchschnittlich erhöhen konnten. Ein Produktionsplus im Industriedurchschnitt verzeichnen die Branchen Glas sowie Maschinen & Metallwaren. Produktionszuwächse unter dem Industriedurchschnitt wiesen im Zeitraum Jänner - November 2005 die Bereiche Bau, Bekleidung, Elektro- und Elektronik, Chemie, Holz, Nahrungs- und Genussmittel, Papier- und Pappeverarbeitung, Papier sowie Gießerei aus. Die Industriefachverbände Stein & Keramik, Fahrzeuge, Textil und Lederverarbeitung konnten nach den vorläufigen Ergebnissen der Konjunkturstatistik im Zeitraum der ersten elf Monate 2005 ihr vorjähriges Produktionsniveau nicht erreichen.

Im Zeitraum Jänner bis November 2005 sind die Industrieaufträge im Vergleich zur Vorjahresperiode um 5,8 Prozent auf über 65,6 Milliarden Euro gestiegen: "Getragen wird die Entwicklung der Industrieproduktion von den Auslandsaufträgen", so Damianisch weiter. "Ihr Volumen ist um 7,3 Prozent gewachsen, die Zunahme bei Aufträgen aus dem Inland beträgt 2,6 Prozent." Die Auftragseingänge geben mit einem Plus zwischen voraussichtlich 5 und 6 Prozent Anlass zu einem vorsichtigen Optimismus für das erste Quartal 2006.

Wichtigste Säule der österreichischen Industriekonjunktur ist nach wie vor der Export, der nach dem beachtlichen Wachstum 2004 von 13,9 Prozent im Gesamtjahr 2005 nochmals um 4,6 Prozent auf 94 Milliarden Euro weiter zulegen konnte. Österreichs Exporte in die EU 25 stiegen 2005 um 3,6 Prozent, nach Amerika um 2,9, nach Asien um 7,8 Prozent. Die Warenlieferungen in die osteuropäischen Länder verzeichneten ein Plus von 6 Prozent und auch nach Afrika (+ 8,3 Prozent) sowie Australien/Ozeanien (+ 8,1 Prozent) wies die Exportstatistik erfreuliche Zuwächse aus.

Sinkend ist die Zahl der in der Industrie Beschäftigten: Im Zeitraum Jänner bis November 2005 reduzierte sich ihre Anzahl um 1 Prozent (das sind um 4.301 Arbeitnehmer weniger) auf insgesamt 413.010. Die Anzahl der Arbeiter ging um 1,5 % zurück, während die Angestelltenzahl sich um 0,1 Prozent verringerte. Für das 4. Quartal 2005 rechnet die Industrie mit einem weiteren Beschäftigungsabbau um 1 Prozent.

Die jeweils für das kommende Quartal im Voraus eingeschätzten Konjunkturentwicklungen der Industriefachverbände betreffend die Merkmale "Produktion" sowie "Auftragseingänge" zeigen für das 4. Quartal 2005 eine deutlich optimistischere Konjunkturerwartung als im Vorquartal: Bei der Produktion weist der Saldo der erfassten 18 Fachverbandseinschätzungen "steigend" minus "fallend" mit der Messzahl 6 wieder eine Belebung aus, die mit einem positiven Saldo 8 bei den Auftragseingängen unterstützt wird. (Im Vorquartal war der Saldo der Auftragseingänge 0). Die Industrie erwartet überwiegend keine Veränderung des Beschäftigtenstands.

Das konjunkturelle Bild der österreichischen Industrie ist nach wie vor von hohen Energie- und Rohstoffpreisen gekennzeichnet. "Dadurch herrscht weiter Druck auf die Erträge."
Vor allem im Bereich der leitungsgebundenen Energien werde es notwendig sein, durch wettbewerbsbelebende Maßnahmen dem Verbraucher echte Alternativen zu bieten und auf diese Weise auch einen entsprechenden Preissenkungseffekt herzustellen. "Die nach der Liberalisierung des Elektrizitätsmarkts für die Industrie zu verzeichnenden Verbilligungen wurden in der Zwischenzeit durch Steuern und Abgaben und Durchleitungspreise wieder mehr als wettgemacht", zeigt Damianisch auf.

Die Industrie fordert zur Verbesserung des Standorts Investitionsanreize in Form einer Investitionszusatzprämie, die Neugestaltung der Erbschaftsteuer bei Betriebsübergabe, die Abschaffung der Gesellschaftssteuer und in der Forschungspolitik die strikte Beibehaltung des Wachstumspfads bei den heimischen Forschungsausgaben zur Erreichung einer dreiprozentigen Forschungsquote. (JR)

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