Neue KÄRNTNER TAGESZEITUNG - Kommentar: Bildungspolitik für Vororte (von M. Geistler-Quendler)

Ausgabe 3. März 2006

Klagenfurt (OTS) - So katastrophal können die Ergebnisse einer internationalen Untersuchung wie der "PISA-Studie" wohl gar nicht sein, dass die ÖVP ideologische Hemmschwellen über Bord wirft. In Sachen Ganztags- und Gesamtschule will man keinen mutigen Schritt nach vorne machen, egal, wie zukunftsweisend eine Reform wäre. Da hofft man doch lieber, vor dem nächsten Malheur die Schüler ausreichend mit Testunterlagen füttern zu können.
Viel verblüffender ist allerdings, wie die Regierungspartei innerhalb ihres eigenen ideologischen Systems versagt. Kaum zu glauben, dass ausgerechnet die ÖVP an der Errichtung einer Elite-Universität scheitert, wo doch all ihr bildungspolitisches Sinnen nur auf das Heranziehen von Eliten fokussiert ist. Statt Ressourcen und Synergien sowie vorhandene Infrastruktur zu nützen, verlagert sie das potenzielle Prestigeprojekt von der Metropole Wien ins Nirgendwo, nicht ohne vorher noch renommierte Wissenschafterpublikumswirksam zu vergraulen.
Die parteipolitischen Interessen müssen schon sehr verblendend sein:
Die Finanzierung wurde mit dem Land Niederösterreich fixiert, der Einfluss der ÖVP auf die Gremien auch - doch was ist eigentlich mit den Wissenschaftern? Uninteressant! Eigentlich zählt doch nur, dass der Bundeskanzler Gugging "für den spannendsten Vorort von Wien" hält.

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