• 26.02.2006, 08:00:00
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"trend": Studie hält Brennertunnel für unnötig

Eine bislang unveröffentlichte Studie prognostiziert null Verlagerungseffekt von der Straße auf die Schiene.

Wien (OTS) - Infrastrukturminister Hubert Gorbach glaubt nicht
mehr an seine bislang geäußerten 4,5 Milliarden Baukosten für den
geplanten Brennerbasistunnel: "Die besagte Kostenschätzung wird im
Rahmen der laufenden Planungen vertieft, im Sommer soll die neue,
aktualisierte Zahl vorliegen. Dann werde ich die Vorstände fragen, ob
diese Zahl noch immer haltbar ist, schließlich gab es bei Stahl
Preissteigerungen." Dies erklärte er auf Anfrage dem kommenden
Dienstag erscheinenden Wirtschaftsmagazin "trend". Zuletzt waren
Schätzungen von bis zu 15 Milliarden Gesamtkosten aufgetaucht, etwa
vom Verkehrsplaner Max Herry.

Eine bisher unveröffentlichte, im Auftrag der
Brennerbasistunnel-Gesellschaft erstellte Studie, lässt nun auch die
Sinnhaftigkeit des Tunnelvorhabens fragwürdig erscheinen. Die vom
Schweizer progtrans-Institut erstellten Modellrechnungen kommen laut
"trend" zum Ergebnis, dass der Brennerbasistunnel keinen
Verlagerungseffekt von LKW-Fahrten auf die Schiene mit sich bringen
wird - es sei denn, es würde eine EU-weit dramatische politische
Schritte gesetzt, wie etwa neue LKW-Mauten, neue Steuern und eine
deutlich verstärkte Querfinanzierung Straße-Schiene.

Noch ist generell die Finanzierung - sowohl der EU-Beitrag wie
PPP-Modelle - völlig offen, doch so Gorbach ,werde "gerade ein
financial advisor beauftragt, der auch die Möglichkeit der Einbindung
Privater bis September auf Herz und Nieren prüfen soll".
Am Rande des informellen Verkehrsminister-Gipfels in Bregenz vom 2.
bis 4. März wird Gorbach jedenfalls mit EU-Verkehrskommissar Jaques
Barrot und dem Schienen-Beauftragten Karel van Miert zusammentreffen
und über die Höhe der EU-Kofinanzierung verhandeln.

Erstmals äußert der Minister Zweifel an der Rentabilität des
Großprojekts. Gorbach im "trend": "Für die Wirtschaftlichkeit spielen
natürlich auch die Rahmenbedingungen eine Rolle. Die gilt es, in den
nächsten zehn Jahren zu optimieren. Die neue Wegekostenrichtlinie ist
ein erster wichtiger Schritt, aber in den nächsten zehn Jahren bis
zur Fertigstellung des Tunnels gilt es, weiter an den
Rahmenbedingungen zu arbeiten." Konkret fordert er: "Unser Ziel ist
eine höhere Maut und damit die Lenkung des Verkehrs in den Tunnel."
Im weiteren weist der Vizekanzler auf mögliche Effekte des Projekts
hin: "Infrastrukturprojekte haben nachgewiesenermaßen auch hohe
Umwegrentabilitäten für den Finanzminister und die betroffene Region"
glaubt Gorbach." Und hält fest: "Die Bundesregierung steht hinter dem
Projekt. Es wäre dumm, ein Projekt, das als Nummer eins in Europa
gereiht ist, durch internes Besserwissen in Misskredit zu bringen."

Rückfragehinweis:
trend Redaktion
Tel.: (01) 534 70/3402

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