• 23.02.2006, 18:16:24
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Beim 'Fall Mayer' geht es doch längst nicht mehr um Mayer" (Von August Kuhn)

Ausgabe vom24.02.2006

Graz (OTS) - Auch der fünfte "Volltag" im Doping-Krimi dieser XX.
Olympischen Winterspiele hatte ungeheuren Unterhaltungswert. Das
liegt an den im Minutentakt auftauchenden Gerüchten und gezielt
gestreuten Falschmeldungen.

Und an dummen Einschätzungen. Wie jener, die aber allen Ernstes im
Österreich-Haus in Sestriere von nicht ganz unbedeutenden
Funktionären unters Volk gebracht wurde: "Die anderen sind uns die
vielen Medaillen zu neidig."

Das ist eine Fehleinschätzung, wie vieles andere auch. Es ist nicht
Neid, der Österreichs Olympia-Team auf die Titelseiten der
ausländischen Zeitungen und in die Schlagzeilen aller
Nachrichtensender gebracht hat. Das verdanken wir der unglaublichen
Arroganz und Ignoranz, die an den Tag gelegt wurde.

Natürlich wird immer wieder der "Fall Walter Mayer" aufgekocht -
überall. Auch gestern, als Biathlon- und Langlauf-Renndirektor Markus
Gandler die Verantwortung dafür auf sich nahm, dass der vom IOC bis
2010 gesperrte Trainer Mayer (mindestens) eine Nacht im Quartier
seiner Schützlinge verbracht hat.

Keine Angst. Gandler übernimmt nur die Verantwortung, er denkt nicht
daran, auch Konsequenzen zu ziehen.

Die Anwesenheit Mayers wurde von den Verantwortlichen der
Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) als Grund für die gemeinsam mit der
italienischen Polizei durchgeführten Razzien in den österreichischen
Privatquartieren genannt.

Doch das war nur ein Vorwand. IOC und WADA hatten die
österreichischen Biathleten und Langläufer seit dem Tag im Visier,
als ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel seinen Freund Mayer wieder in
den Schoß des Schi-Verbandes aufnahm. Trotz dessen Sperre beim IOC
und des schwebenden Verfahrens bei der FIS.

Dieses "Rückholaktion" war aus Sicht des IOC ein Provokation, die man
nicht hinnehmen konnte.

Das ÖOC mit seinem schlauen Generalsekretär Heinz Jungwirth kam mit
der Installierung einer Sonderkommission, die alle Fakten in diesem
Doping-Krimi ans Tageslicht bringen soll, endlich aus der Deckung
heraus. Das war notwendig und ist passiert, als der Hut schon
lichterloh brannte. Der nächste Schritt muss sein, alles schonungslos
aufzudecken.

Die Drohung, Österreich von Olympia auszusperren, war bestimmt
überzogen. Realität ist, dass Österreichs Image im Ausland in diesen
olympischen Tagen schwer beschädigt wurde. Im "Fall Mayer" geht es
längst nicht mehr um Mayer.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
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Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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