• 22.02.2006, 17:00:00
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Postenschacher" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 23.02.2006

Wien (OTS) - Die Versorgung abgehalfterter Parteifunktionäre in
staatlichen Organisationen und staatsnahen Unternehmen hat in
Österreich Tradition. ÖVP und SPÖ haben sich nach dem Krieg
jahrzehntelang die fetten Pfründen untereinander aufgeteilt.
Die Pakte galten stets langfristig. Das hatte immerhin den Vorteil,
dass keine der Parteien vor Wahlen noch schnell Anhänger versorgen
und Besitzstände absichern musste.
Heuer ist das anders. Ob die ÖVP übers Jahr noch an der Macht sein
wird, ist mehr als ungewiss. Deshalb presst sie möglichst viele
Parteigänger mit langfristigen Verträgen in hochrangige Funktionen.
Noch Schlimmeres droht dem BZÖ: Es wird nach den Wahlen nicht einmal
mehr im Parlament sein. Minister und Staatssekretäre bringen deshalb
ihre Monsterbüros samt Freundeskreis beizeiten in sicheren Positionen
unter. Die ÖVP spielt aus Dankbarkeit für die Duldung ihrer
Alleinregierung mit.
Das Ergebnis sehen wir bei ÖBB und ORF, bei den
Sozialversicherungsträgern, bei der Bestellung eines
Behindertenanwalts namens Herbert Haupt und bei gut einem Dutzend
anderen, weniger spektakulären Fällen.
Aber bitte keine Illusionen: Sollte die SPÖ demnächst den Kanzler
stellen, wird das Spiel mit umgekehrten Vorzeichen weitergehen. Dann
wird es heißen: Zwingt schwarz/blau raus und rot hinein. Die Rechnung
begleicht wie immer der Steuerzahler.

Rückfragehinweis:
Vorarlberger Nachrichten
Chefredaktion
Tel.: 0664/80588382

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