• 17.02.2006, 16:19:21
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 18.2.2006: Ist Andritz wirklich die ideale Lösung? - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Der Favorit hat glatt verloren: Die VA Tech Hydro
wird vom Siemens-Konzern nach menschlichem Ermessen doch nicht an die
Gruppe um KTM-Chef Stefan Pierer verkauft, sondern an Andritz-Boss
Wolfgang Leitner. Das spannende fünfmonatige Match der beiden
österreichischen Parade-Industriellen um ein Unternehmen, das
aufgrund von EU-Auflagen an einen neuen Besitzer abgetreten werden
muss, ist zwar zu Gunsten des steirischen Siegers entschieden - doch
so richtig glücklich will man damit in der Steiermark nicht sein.
Trotz aller Beteuerungen Leitners, dass er die Wettbewerbsfähigkeit
der Neuerwerbung nicht nur sichern, sondern sogar ausbauen wolle, ist
eines nicht zu übersehen: Andritz kauft gar nicht die ganze VA Tech
Hydro, sondern nur die Bereiche Wasserkraft und Generatoren. Die
Division Kalorischer Kraftwerksbau verbleibt bei Siemens - womit es
zur Filetierung des Unternehmens und zum grossen Zittern kommt.
Der Knackpunkt ist und bleibt das Werk in Weiz, wo es insgesamt um
1000 Arbeitsplätze geht. Während die börsenotierte Andritz AG, die
mit rund 200 Millionen etwas mehr hinblättert als der zweite Bieter,
hiefür kein zukunftsorientiertes Gesamtkonzept vorlegen kann, weil
die Grazer Anlagenbauer bei diesem Deal, wie oftmals beteuert, primär
der Wasserkraftwerksbau der VA Tech Hydro interessiert, habe der
Ober-österreicher Pierer angeblich eine umfassendere Strategie im
Köcher. Auf Grund der Zusage von General Electric, in Weiz weiterhin
Generatoren zu ordern, gäbe es daher für die dortige
Produktionsstätte wohl bessere Zukunftschancen, speziell für die
Generatorenfertigung. Genau deshalb ist Pierer vielerorts favorisiert
worden, beispielsweise vom steirischen Landeshauptmann Franz Voves.
Jetzt ist alles anders - und eines klar: Siemens denkt naturgemäss
nicht mit dem Kopf eines Landeshauptmanns, sondern verfolgt ganz
andere Interessen. Primäres Anliegen des deutschen Konzerns, der
ohnedies eine 18-monatige Beschäftigungsgarantie für Weiz abgegeben
hat, ist nicht die langfristige Absicherung des Standorts. Er kann
auch nicht die Intention haben, einem Rivalen wie General Electric
irgend einen Gefallen zu tun.
Es liegt nunmehr an Wolfgang Leitner, seine Landsleute zu überzeugen,
dass er zu Recht als Bester zum Zug gekommen ist. Und dass der Deal
nicht nur der Weltfirma Andritz etwas bringt, sondern auch den heftig
zitternden Arbeitern in Weiz.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/306
http://www.wirtschaftsblatt.at

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