WirtschaftsBlatt Kommentar vom 18.2.2006: Ist Andritz wirklich die ideale Lösung? - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Der Favorit hat glatt verloren: Die VA Tech Hydro
wird vom Siemens-Konzern nach menschlichem Ermessen doch nicht an die Gruppe um KTM-Chef Stefan Pierer verkauft, sondern an Andritz-Boss Wolfgang Leitner. Das spannende fünfmonatige Match der beiden österreichischen Parade-Industriellen um ein Unternehmen, das aufgrund von EU-Auflagen an einen neuen Besitzer abgetreten werden muss, ist zwar zu Gunsten des steirischen Siegers entschieden - doch so richtig glücklich will man damit in der Steiermark nicht sein. Trotz aller Beteuerungen Leitners, dass er die Wettbewerbsfähigkeit der Neuerwerbung nicht nur sichern, sondern sogar ausbauen wolle, ist eines nicht zu übersehen: Andritz kauft gar nicht die ganze VA Tech Hydro, sondern nur die Bereiche Wasserkraft und Generatoren. Die Division Kalorischer Kraftwerksbau verbleibt bei Siemens - womit es zur Filetierung des Unternehmens und zum grossen Zittern kommt.
Der Knackpunkt ist und bleibt das Werk in Weiz, wo es insgesamt um 1000 Arbeitsplätze geht. Während die börsenotierte Andritz AG, die mit rund 200 Millionen etwas mehr hinblättert als der zweite Bieter, hiefür kein zukunftsorientiertes Gesamtkonzept vorlegen kann, weil die Grazer Anlagenbauer bei diesem Deal, wie oftmals beteuert, primär der Wasserkraftwerksbau der VA Tech Hydro interessiert, habe der Ober-österreicher Pierer angeblich eine umfassendere Strategie im Köcher. Auf Grund der Zusage von General Electric, in Weiz weiterhin Generatoren zu ordern, gäbe es daher für die dortige Produktionsstätte wohl bessere Zukunftschancen, speziell für die Generatorenfertigung. Genau deshalb ist Pierer vielerorts favorisiert worden, beispielsweise vom steirischen Landeshauptmann Franz Voves. Jetzt ist alles anders - und eines klar: Siemens denkt naturgemäss nicht mit dem Kopf eines Landeshauptmanns, sondern verfolgt ganz andere Interessen. Primäres Anliegen des deutschen Konzerns, der ohnedies eine 18-monatige Beschäftigungsgarantie für Weiz abgegeben hat, ist nicht die langfristige Absicherung des Standorts. Er kann auch nicht die Intention haben, einem Rivalen wie General Electric irgend einen Gefallen zu tun.
Es liegt nunmehr an Wolfgang Leitner, seine Landsleute zu überzeugen, dass er zu Recht als Bester zum Zug gekommen ist. Und dass der Deal nicht nur der Weltfirma Andritz etwas bringt, sondern auch den heftig zitternden Arbeitern in Weiz.

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