- 07.02.2006, 16:45:55
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 8.2.2006: Fall Alpine: Nachgeschmack bleibt - von Herbert Geyer
Wien (OTS) - Die Gerechtigkeit hat also gesiegt. Zwei
Alpine-Manager wurden in München zu bedingten Haftstrafen verurteilt,
die Korruptionsaffäre um den Bau der Allianz-Arena ist damit
abgeschlossen, und wir können uns wieder erfreulicheren Dingen
zuwenden.
Ganz ist die Sache freilich noch nicht ausgestanden: Das Salzburger
Gericht will erst nach dem Vorliegen des schriftlichen Urteils aus
München entscheiden, wie es mit der gleichen Causa, die auch bei ihm
anhängig ist, weiter verfahren will. Aber wahrscheinlich wird die
Causa Allianz-Arena demnächst endgültig abgeschlossen.
Abgeschlossen - wenn schon nicht geklärt. Denn der Deal zwischen
Staatsanwaltschaft und Verteidigung in München hat einen schnellen
Abschluss des Verfahrens ermöglicht, lässt aber einen schalen
Nachgeschmack zurück: Die Hintergründe der Causa bleiben im Dunkeln.
Das ist freilich die Norm: Der aussenstehende Beobachter hat zwar den
Eindruck, dass "nützliche Aufwendungen" gerade in der Baubranche (und
erst recht im Waffenhandel - also überall, wo Menschen über die
Vergabe wirklich grosser Aufträge entscheiden, ohne dabei ihr eigenes
Geld auszugeben) eher die Regel als die Ausnahme sind, trotzdem
platzen Vergabeskandale relativ selten und werden noch seltener
restlos aufgeklärt.
Müssen wir also mit der Korruption leben? Und leben wir nicht
letztlich sogar gut damit?
Gerade im Fall Alpine-Allianz-Arena wird ja argumentiert, dass der
Auftraggeber sogar einen Vorteil von der Vergabe hatte: Schliesslich
war Alpine um 24 Millionen billiger als der beste Konkurrent.
Korruption hat - wie alles - zwei Seiten: Betriebswirtschaftlich ist
sie zumindest für zwei Parteien von Vorteil - für den Bestecher, der
dadurch einen Auftrag erhält, den er sonst vielleicht nicht bekommen
hätte. Und natürlich für den Bestochenen, der durch die milden Gaben
seinen Lebensstandard spürbar aufbessern kann.
Die andere Seite ist die volkswirtschaftliche: Da Bestechungsgelder
zwar betriebswirtschaftlich nützlich sein können, volkwirtschaftlich
aber unproduktiv sind, wäre eine Gesellschaft ohne Korruption
zweifellos reicher. In einer korruptionsfreien Gesellschaft wären
Bauaufträge insgesamt billiger - billiger zumindest um den Wert der
"nützlichen Aufwendungen".
Das allein muss ein Grund sein, uns mit dem Faktum der Korruption
nicht abzufinden. Auch wenn der Kampf dagegen so selten von Erfolg
gekrönt ist.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/306
http://www.wirtschaftsblatt.at
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