WirtschaftsBlatt Kommentar vom 8.2.2006: Fall Alpine: Nachgeschmack bleibt - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Die Gerechtigkeit hat also gesiegt. Zwei
Alpine-Manager wurden in München zu bedingten Haftstrafen verurteilt, die Korruptionsaffäre um den Bau der Allianz-Arena ist damit abgeschlossen, und wir können uns wieder erfreulicheren Dingen zuwenden.
Ganz ist die Sache freilich noch nicht ausgestanden: Das Salzburger Gericht will erst nach dem Vorliegen des schriftlichen Urteils aus München entscheiden, wie es mit der gleichen Causa, die auch bei ihm anhängig ist, weiter verfahren will. Aber wahrscheinlich wird die Causa Allianz-Arena demnächst endgültig abgeschlossen. Abgeschlossen - wenn schon nicht geklärt. Denn der Deal zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung in München hat einen schnellen Abschluss des Verfahrens ermöglicht, lässt aber einen schalen Nachgeschmack zurück: Die Hintergründe der Causa bleiben im Dunkeln. Das ist freilich die Norm: Der aussenstehende Beobachter hat zwar den Eindruck, dass "nützliche Aufwendungen" gerade in der Baubranche (und erst recht im Waffenhandel - also überall, wo Menschen über die Vergabe wirklich grosser Aufträge entscheiden, ohne dabei ihr eigenes Geld auszugeben) eher die Regel als die Ausnahme sind, trotzdem platzen Vergabeskandale relativ selten und werden noch seltener restlos aufgeklärt.
Müssen wir also mit der Korruption leben? Und leben wir nicht letztlich sogar gut damit?
Gerade im Fall Alpine-Allianz-Arena wird ja argumentiert, dass der Auftraggeber sogar einen Vorteil von der Vergabe hatte: Schliesslich war Alpine um 24 Millionen billiger als der beste Konkurrent. Korruption hat - wie alles - zwei Seiten: Betriebswirtschaftlich ist sie zumindest für zwei Parteien von Vorteil - für den Bestecher, der dadurch einen Auftrag erhält, den er sonst vielleicht nicht bekommen hätte. Und natürlich für den Bestochenen, der durch die milden Gaben seinen Lebensstandard spürbar aufbessern kann.
Die andere Seite ist die volkswirtschaftliche: Da Bestechungsgelder zwar betriebswirtschaftlich nützlich sein können, volkwirtschaftlich aber unproduktiv sind, wäre eine Gesellschaft ohne Korruption zweifellos reicher. In einer korruptionsfreien Gesellschaft wären Bauaufträge insgesamt billiger - billiger zumindest um den Wert der "nützlichen Aufwendungen".
Das allein muss ein Grund sein, uns mit dem Faktum der Korruption nicht abzufinden. Auch wenn der Kampf dagegen so selten von Erfolg gekrönt ist.

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