WirtschaftsBlatt Kommentar vom 31.1.2006: Was wäre Österreich ohne Exporteure - von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Es trifft sich gut. In Deutschland durchbrach in der vorigen Woche eine Optimismus-Welle die Deichwand, hinter der sich der jahrelange Wirtschaftsfrust unserer Nachbarn staute. Dieser scheint allmählich abzurinnen.
In Österreich war die Schwarzseherei nie so chronisch und so wie fast alle Stimmungsschwankungen nicht wirklich ernst zu nehmen. Gerade deshalb ist jede Aufmunterung willkommen. Hier ist sie: Die Erfolgswelle setzt sich im Export fort.
Vergleiche sagen nicht alles, helfen aber, die Proportionen zu wahren. Unseren deutschen Nachbarn wurde schon in der Vergangenheit darzustellen versucht, dass die Grossmächte Russland und China ganz gewiss bedeutend für sie und ihre Politiker sind - dass aber Österreich mehr aus Deutschland importiert als diese beiden Giganten zusammen. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
Und umgekehrt: Österreichs Exportquote ist mit rund 40 Prozent des BIP signifikant höher als jene Chinas (siehe Seite 2). Das bestätigt den Stellenwert der Ausfuhren für Österreichs wirtschaftlichen Erfolg.
Mit einem Aufatmen darf also konstatiert werden: Die Wirtschaft ist mit 26.000 exportierenden Unternehmen auf dem richtigen Weg. Ob sich der Exportzuwachs so einfach in neue Arbeitsplätze umrechnen lässt, bleibt dahingestellt. Ganz sicher ist nur: Ohne EU-Mitgliedschaft und den damit verbundenen Anreiz zur kompetitiven Leistung wären weder so viele Arbeitsplätze entstanden noch hätten so viele Unternehmen den Sprung ins Exportgeschäft vollzogen. In dem Zusammenhang ist es auch eindrucksvoll, dass die Expansion der Österreicher global angelegt ist. Mit plus 6,9 Prozent wuchs der Export Richtung Nicht-EU-Staaten doppelt so schnell wie der in die EU. Oder anders gesagt: Die Schwäche des deutschen Markts und der deutschen Konsumenten ist durch die Erschliessung weltweiter Märkte austariert worden.
Wenn nun das kleine Wunder eintreten sollte, dass der in Umfragen ermittelte neue deutsche Optimismus der Vorbote des Endes der Saure-Gurken-Zeit bei unserem Nachbarn ist - dann stünde eigentlich einem kräftigen Auftrieb in Österreich nichts entgegen.

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