• 26.01.2006, 18:36:46
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Wien (OTS) - Die Hamas: Wird die was?

Ratloser Schreck im Westen und erst recht in Israel: Die
terroristische Hamas ist überlegener Sieger der Palästinenser-Wahl.
Alle Drohungen blieben fruchtlos, dass man mit denen "nie und nimmer"
reden werde. Wird der Nahe Osten damit noch explosiver und wie der
Iran total unberechenbar?

Das fürchten viele. Dennoch gibt es auch Anlass zum Optimismus.
Denn erstens ist eine Abwahl der Fatah absolut verständlich
angesichts ihrer gigantischen Korruption. Zweitens müssen die
Palästinenser jedenfalls einmal von der chaotischen Anarchie in eine
viel straffere Struktur geführt werden, bevor etwas Sinnvolles
entstehen kann. Auch wenn es unseren lieben europäischen Werten
widerspricht, so hat doch im arabischen Raum bisher immer nur
autoritäre Führung funktioniert.

Noch aus einem dritten Grund kann man hoffen, dass eine
Friedenslösung mit der Hamas leichter sein wird als mit der Fatah.
Denn diese hat bisher bei jeder Konzession fürchten müssen, von der
radikalen Konkurrenz überflügelt zu werden. Die Hamas muss das nicht
fürchten. Daher sind jetzt Konzessionen leichter möglich.

So haben auch auf israelischer Seite nur der radikale Sharon und
vor ihm der ebenso radikale Begin territoriale Konzessionen machen
können. So war eine Nordirland-Lösung erst möglich, als die lange
verpönte Sinn Fein mit am Verhandlungstisch saß. Auch Jassir Arafats
Fatah war und ist massiv terroristisch, wenn auch oft doppelzüngig.
Ihre Leute als die Guten hinzustellen, mit denen man als einzige
reden dürfe, war und ist lächerlich.

Entweder man gewinnt einen Krieg oder man muss mit dem Feind
verhandeln. Europa hat schon so oft etwas anerkennen müssen, was es
zuvor "nie und nimmer" hinzunehmen bereit gewesen war: die Teilung
Jugoslawiens, die schwarz-blaue Regierung, den EU-Beitritt eines
geteilten Zyperns.

So ist es hoffentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Hamas voll
salonfähig sein wird. Das sollte daher rasch geschehen. Und das
öffnet bessere Perspektiven, als es die nun endgültig gescheiterte
Alternative Fatah zuletzt noch vermocht hat.

http://www.wienerzeitung.at

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
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