Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Wien (OTS) - Die Hamas: Wird die was?

Ratloser Schreck im Westen und erst recht in Israel: Die terroristische Hamas ist überlegener Sieger der Palästinenser-Wahl. Alle Drohungen blieben fruchtlos, dass man mit denen "nie und nimmer" reden werde. Wird der Nahe Osten damit noch explosiver und wie der Iran total unberechenbar?

Das fürchten viele. Dennoch gibt es auch Anlass zum Optimismus. Denn erstens ist eine Abwahl der Fatah absolut verständlich angesichts ihrer gigantischen Korruption. Zweitens müssen die Palästinenser jedenfalls einmal von der chaotischen Anarchie in eine viel straffere Struktur geführt werden, bevor etwas Sinnvolles entstehen kann. Auch wenn es unseren lieben europäischen Werten widerspricht, so hat doch im arabischen Raum bisher immer nur autoritäre Führung funktioniert.

Noch aus einem dritten Grund kann man hoffen, dass eine Friedenslösung mit der Hamas leichter sein wird als mit der Fatah. Denn diese hat bisher bei jeder Konzession fürchten müssen, von der radikalen Konkurrenz überflügelt zu werden. Die Hamas muss das nicht fürchten. Daher sind jetzt Konzessionen leichter möglich.

So haben auch auf israelischer Seite nur der radikale Sharon und vor ihm der ebenso radikale Begin territoriale Konzessionen machen können. So war eine Nordirland-Lösung erst möglich, als die lange verpönte Sinn Fein mit am Verhandlungstisch saß. Auch Jassir Arafats Fatah war und ist massiv terroristisch, wenn auch oft doppelzüngig. Ihre Leute als die Guten hinzustellen, mit denen man als einzige reden dürfe, war und ist lächerlich.

Entweder man gewinnt einen Krieg oder man muss mit dem Feind verhandeln. Europa hat schon so oft etwas anerkennen müssen, was es zuvor "nie und nimmer" hinzunehmen bereit gewesen war: die Teilung Jugoslawiens, die schwarz-blaue Regierung, den EU-Beitritt eines geteilten Zyperns.

So ist es hoffentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Hamas voll salonfähig sein wird. Das sollte daher rasch geschehen. Und das öffnet bessere Perspektiven, als es die nun endgültig gescheiterte Alternative Fatah zuletzt noch vermocht hat.

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