• 25.01.2006, 17:26:32
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 26.1.2006: Im Osten setzen sich nur die Härtesten durch - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Die EVN ist so ein Beispiel: Der
niederösterreichische Energieversorger engagiert sich seit 2004 mit
grosser Begeisterung in Bulgarien. Die EVN kaufte sich mit 271
Millionen Euro in zwei Stromverteilgesellschaften ein und hat künftig
noch so manches vor. Trotzdem ist, wie in vergleichbaren Fällen, von
eitel Wonne keine Rede: Die Niederösterreicher haben nämlich eine
Menge Zores, insbesondere rechtliche Probleme, zu bewältigen - frage
nicht, was das an Nerven kostet. Immerhin zählt die EVN zu einem
exklusiven Zirkel österreichischer Konzerne, die im Osten Europas
gross auftrumpfen konnten: Auf die spektakulären Coups einer OMV,
Ersten, RZB etc. können wir jedenfalls stolz sein.
So fein es auch ist, dass Österreich in den früheren Oststaaten -
sicher schon vor, aber speziell nach der EU-Osterweiterung - als
Profiteur Nummer eins dasteht, so unbestritten ist das Faktum, dass
Business in diesen Ländern - insbesondere wegen nicht ausgereifter
Rechtssysteme - eine sehr riskante Sache sein kann. Gerade in
jüngster Zeit waren solche Storys häufig im WirtschaftsBlatt zu
finden: Da hatte Kapsch in Tschechien einen Maut-Grossauftrag bereits
in der Tasche, aber plötzlich gab’s im Nachbarland eine Störaktion
und alles schien wieder offen zu sein. Da ist das Konsortium Two One
Höchstbieter für die Flughäfen Bratislava und Kosice, sodass der
Zuschlag nur noch Formsache ist, doch plötzlich dreht sich der Wind
und die Österreicher müssen wieder zurück an den Start. Da schien bei
der serbischen Mobtel für deren neue Besitzer aus Österreich alles
optimal zu laufen, da mischt sich der Staat ein und schickt die Firma
in Konkurs.
Solche Horrorbeispiele sind nur die Spitze eines Eisbergs. In
Wahrheit sind im Wilden Osten, als Kontrastprogramm zu den Big Deals,
schon viele geschäftliche Träume geplatzt. Speziell kleinere
rot-weissrote Geschäftsleute haben, u. a. in Kroatien, reihenweise
ihre blauen Wunder erleben und viel Lehrgeld zahlen müssen. Sie
können bloss jene bewundern, die zu den Härtesten zählen, mit allen
Wassern gewaschen sind und stets Erfolg haben - Typen wie RZB-Rambo
Herbert Stepic, Raiffeisen-Zampano Ludwig Scharinger oder Hypo
Alpe-Adria-Boss Wolfgang Kulterer. Sie wissen exakt, was sie wie
durchsetzen können und sind obendrein immun gegen osteuropäische
Schlitzohrigkeit. Dieser Managertypus ist der eigentliche Garant,
dass Österreichs Erfolgsstory im Osten ihre Fortsetzung findet - auch
wenn die internationale Konkurrenz auf diesen Märkten permanent
zunimmt.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/306
http://www.wirtschaftsblatt.at

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