• 21.01.2006, 18:04:54
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Die "Volksseele" für Haider kein aufgelegter Elfmeter

Das irrlichternde "Tafelspiel" des Landeshauptmannes rückt Kärnten wieder einmal in ein schlechtes Licht

Klagenfurt (OTS) - Laut Wahlgesetz kann eine Fraktion im Parlament
nur dann vertreten sein, wenn sie auch bei der Wahl kandidiert hat.
So steht es im Wahlgesetz. Der Satz ist dem Buch "Alfred Worm im
Streitgespräch mit Jörg Haider" entnommen, und er stammt vom Kärntner
Landeshauptmann. Umgelegt auf das BZÖ, löst der Hinweis Verwirrung
aus. Abgeordnete zum Nationalrat, die sich zu Orange bekennen, können
sich auf keine entsprechende Wahl berufen. Bleibt ein janusköpfiger
Haider: Einmal dies, einmal das; einmal so, dann wieder anders; schon
wieder da und wieder weg wies eben beliebt. Man kennt die Kapriolen,
Kapricen und Bocksprünge des LH zur Genüge. Und man muss es einmal
deutlich sagen: Die Medien fallen auf manch eine Laune und
abenteuerliche Verhaltensweise des BZÖ-Chefs regelmäßig herein,
widmen ihnen hypertroph ausgelegten Raum.
Jetzt also die brisante, unsägliche Ortstafelthematik. Mehr als
einmal haben kompetente Kommentatoren der neuen ,,KÄRNTNER
TAGESZEITUNG dazu Richtiges, Vernünftiges, Unwiderlegbares von sich
gegeben, beispielsweise die plausible Frage gestellt, was Haider
unter "Bevölkerung" verstehe.
Seine Tafeln zum Chefthema erhebend, wähnt er besagte "Bevölkerung",
den "Volkswillen", offensichtlich geschlossen hinter sich. Davon kann
aber nicht die Rede sein. Kärnten wird nicht nur von blindwütigen
Tafelstürmern bewohnt, von Leuten, die das Jüngste Gericht in Form
einmarschierender slowenischer (EU-)Soldaten sehen. Und von
erfrischender Gültigkeit ist der Hinweis getragen: Zehntausende
Kärntner fühlen sich nicht von "linken in- und ausländischen Medien
umzingelt".
Haider bleibt trotzdem auf Kurs. Und der heißt: Grundmandat; koste
es, was es wolle. Koste es die Reputation Kärntens, koste es
politische Kultur, koste es vor allem das Miteinander der beiden
Volksgruppen. Deutsch oder Slowenisch sprechenden Kärntnern,
Landsleuten, die beider Zungen mächtig sind oder beide Sprachen
(Dialekte) zu vermischen pflegen, setzt der Oberösterreicher zurzeit
ein irrlichterndes Spiel, eine gleichermaßen provokante wie peinliche
Taktik entgegen.
Maßgebliche Persönlichkeiten und praktisch das gesamte intellektuelle
Lager definieren die in abstrusen Ortstafelverrückungsfantasien
kulminierende Haider-Strategie mit Attributen, die dem Repräsentanten
eines Bundeslandes zu denken geben sollten. Ob er dies konsequent
genug tut, nämlich unter Einbeziehung der Frage, wie weit ein
Politker in Sachen Durchsetzung seiner Interessen gehen soll und
darf, entzieht sich der Kenntnis des Verfassers. Alles deutet
jedenfalls auf ein einfaches Strickmuster: Der Blaue von gestern
scheint mit seiner ungestümen Bedienung dessen, was allenthalben als
"Kärntner Seele" Platz greift, gewillt zu sein, das Land auf Teufel
komm raus hinter die Partei zu reihen.
Haiders akute Orientierung fokussiert, so viel steht fest, die
kommenden Nationalratswahlen. Das quasi auf ihn reduzierte BZÖ
benötigt bundesweit vier Prozent und liegt derzeit vermutlich bei
kaum zwei. Ähnlich schlecht schaut es bezüglich eines Grundmandats
aus (Kärntner Regionalkreis Ost). Die im Süden trutzende Festung
Orange wankt. Das BZÖ rangiert hierzulande mit mageren 24 Prozent
weit hinter der SPÖ. Die "Volksseele" vermittelt dem Burgherrn keinen
aufgelegten Elfermeter. MANFRED POSCH

Rückfragehinweis:
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