- 19.01.2006, 13:06:49
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ABC-Offensive: "Mit Finnland punkten"
SPÖ Oberösterreich leistet Überzeugungsarbeit für eine moderne und gerechte Schule
Linz (OTS) - "Es wird viel geredet von Aktien und Dividenden. Es
gibt aber nur eine einzige Aktie, die wirklich Gewinn verspricht:
Bildung und Ausbildung für unsere Kinder ist die beste Investition
für die Zukunft!", so SPÖ-Landesparteivorsitzender Erich Haider.
Bildung ist die entscheidende Frage der Zukunft. Mit einer neuen
Kampagne wirbt die SPÖ Oberösterreich derzeit für ein positives
Bildungsklima und startet eine ABC-Offensive für eine moderne und
gerechte Schule. Wie eine solche aussehen kann, zeigt PISA-Sieger
Finnland eindrucksvoll vor.
"Von den Finnen lernen. Mit den Finnen gewinnen!" lautet daher das
Thema der ersten Veranstaltung der SPÖ-Bildungsplattform, bei der der
Frage nachgegangen wird, was PISA-Sieger Finnland besser macht als
andere Staaten. Rainer Domisch, Regierungsschulrat und hoher
Mitarbeiter des finnischen Zentralamtes für Unterrichtswesen wird
beim Bildungs-Talk am 19. Jänner 2006, 19 Uhr in Linz im Neuen
Rathaus und am 20. Jänner 2006, 19 Uhr in Vöcklabruck in der
Arbeiterkammer aus erster Hand über das erfolgreiche finnische
Bildungssystem informieren.
Domisch, geb. in Schwäbisch-Hall, hat als Deutsch- und Englischlehrer
in Baden-Württemberg gearbeitet, bevor er nach Finnland ging. Er ist
Fachberater für Deutsch im Rahmen der deutsch auswärtigen
Kulturpolitik in Finnland. Er ist tätig in
Schüleraustauschprogrammen, der Durchführung von Sprachprüfungen für
finnische Schüler, er bildet Deutschlehrkräfte fort und ist
Lehrbuchautor. Seit 2002 ist er direkt der Leitung der obersten
Schulbehörde zugeordnet.
Das finnische Schulsystem wird mit seiner Hilfe genauer analysiert,
um die besten Elemente für eine Qualitätssteigerung herauszufiltern
und sie für Österreich - soweit es sinnvoll und möglich ist - zu
adaptieren, damit auch Österreichs Kinder in Zukunft besser punkten
können.
"Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass von der Volksschule
bis zur Uni viel investiert werden muss, um in unserem Land ein
bildungsfreundliches Klima zu schaffen und so die Chancen für die
Kinder und Jugendlichen in Zukunft deutlich zu verbessern. Wir
brauchen mehr LehrerInnen, mehr Ressourcen, mehr Ganztagsschulen,
mehr Förderung für Schwache, aber ebenso für Begabte, und wir
brauchen mehr Wertschätzung für die Lehrkräfte. Sie bilden unsere
Kinder aus und gestalten so die Zukunft unseres Landes wesentlich
mit. Durch Einsparungen, Frust und Zurückhaltung ist das nicht zu
erreichen. Bei der Bildung ist viel Energie notwendig. Daher gehen
wir in die Offensive und formulieren eine moderne Bildungspolitik,
die es allen Jugendlichen ermöglicht, ein selbstbestimmtes und
sinnerfülltes Leben zu führen", so Landesparteichef LH-Stv. DI Erich
Haider bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Klubobmann Dr. Karl
Frais, SP-Wissenschaftssprecher NR Josef Broukal, der Vizepräsidentin
des OÖ. Landesschulrats Brigitte Leidlmayer und Regierungsschulrat
Rainer Domisch.
Was macht Finnland besser?
Das finnische Schulsystem hat sich zu einer Schule entwickelt, die
allen Schülern ungeachtet ihres Geschlechts, ihres sozialen
Hintergrunds und ihrer ethnischen Zugehörigkeit gleiche
Bildungschancen garantiert.
Im Zeitraum 1972 bis 1977 wurde die Gemeinschaftsschule (peruskoulu)
eingeführt. Alle SchülerInnen eines Jahrganges besuchen zwischen der
Klassenstufe 1 und 9 die selbe Schulart.
Charakteristische Merkmale des finnischen Schulsystems sind
Bildungsplanung, hohe Bildungsqualität, Chancengleichheit, gemeinsame
Schule für unterschiedlich lernende SchülerInnen, kostenfreier
Unterricht, Schulessen, individuelle Förderung und
sonderpädagogischer Unterricht.
Angenehmes Lernklima
In Finnland werden keine Schüler ausgegrenzt. Wenn ein Schüler
Schwächen hat, wird versucht, ihm mit einem unfangreichen
Fördersystem zu helfen. Man könnte dies auch als Solidaritätsprinzip
bezeichnen: Alle gehören zusammen, und man schaut, dass alle
mitkommen.
Wichtiger Schwerpunkt ist das Wohlbefinden der SchülerInnen und
aller, die an schulischer Arbeit beteiligt sind. Wohlfühlen ist die
Grundvoraussetzung für Motivation.
Sitzenbleiben gibt es so gut wie nicht, denn bei Defiziten wird sehr
früh mit Stütz- und Fördermaßnahmen begonnen.
Ganztagsschule
In Finnland sind momentan zehn Prozent der Schulen gebundene
Ganztagsschulen, aber alle Schulen dauern praktisch den ganzen Tag.
Im letzten Herbst wurde die Morgen- und Nachmittagsbetreuung für die
ersten beiden Schuljahre gesetzlich eingeführt. Kostenloses warmes
Mittagessen gibt es an allen Schulen seit über 50 Jahren.
Am Nachmittag laufen auch sehr viele Arbeitsgemeinschaften und
Fördermaßnahmen, in denen die Lehrer die Schülerinnen und Schüler
unterrichten.
Jede Schule bildet ihre eigene Schulkultur: Morgenbetreuung,
Förderunterricht, Bibliotheksbenutzung, sportliche und sonstige
Aktivitäten gehören in den meisten Schulen zum Alltag.
Besonderer Wert wird auch auf die verantwortungsvolle Nutzung der
neuen Medien als Vorbereitung der Kinder und Jugendlichen auf die
Informationsgesellschaft gelegt.
Großprojekte
Mit landesweiten schulischen Großprojekten, z.b. für Mathematik und
Naturwissenschaften, zur Förderung der Lesekompetenz oder zur
Fremdsprachenvielfalt konnte die Kompetenz der finnischen
SchülerInnen - auch im internationalen Vergleich - wesentlich
verbessert werden.
Erfolgsgeheimnis
Ein Erfolgsgeheimnis Finnlands ist die systematische Evaluierung der
schulischen Qualität auf Schulebene, kommunaler, regionaler,
nationaler oder internationaler Ebene (z.B. PISA).
Es gibt keine landesweiten Prüfungen für einen ganzen
Schülerjahrgang. 100- 120 Schulen werden als repräsentative Auswahl
bestimmt. Inzwischen nehmen zwei bis der Mal so viele Schulen
freiwillig an diesen Evaluierungen teil..
Mathematik, Muttersprache und Literatur sind jährlich abwechselnd
immer vertreten, dazu kommen jeweils mehrere Fächer. Etwa alle fünf
Jahre wird jedes Fach evaluiert.
Es gibt keine veröffentlichten Ranglisten. Veröffentlicht wird der
Landesdurchschnitt und jede Schule erhält ihre Ergebnisse.Schulen und
Schulträger müssen die Ergebnisse und deren Analyse als Grundlage für
die eigene Schulentwicklung verwenden.
Die Schule ist kostenfrei. Es gibt keine organisierten kommerziellen
Nachhilfeeinrichtungen. Förderunterricht ist Aufgabe der Schulen,
auch in den Gymnasien. In den ersten vier Klassen gibt es keine
Benotung in Ziffern, in den Klassen 5 und 6 können die Schulen selbst
entscheiden und erste ab der 7. Klasse gibt es Ziffernnoten.
PISA-Sieger Finnland
Die PISA Tests 2000 und 2003 haben für Österreich eine unerfreuliche
Leistungsbilanz ergeben. Es wurden lediglich Plätze im unteren
Mittelfeld erreicht. Finnland hingegen erreichte im PISA Test 2000
und 2003 in allen Leistungsbereichen (Mathematik, Lesen,
Naturwissenschaft, Problemlösen) insgesamt hervorragende Punktewerte
und gehört damit zur Weltspitze. Die Ergebnisse sind ein Zeichen
dafür, dass das finnische Schulsystem äußerst effizient ist und sich
um alle SchülerInnen eines Jahrgangs in gleicher Weise kümmert.
"Gehrer-Schule alt"
In Österreich gab es im Gegensatz zu Finnland den PISA-Schock. Seit
2000 gibt es unter der VP-dominierten Bundesregierung massive
Stundenkürzungen und LehrerInnenabbau (von 2001 bis 2005 wurden
5.500 PflichtschullehrerInnen und insgesamt an die 10.000 Lehrer und
LehrerInnen abgebaut). Das Unterrichtsangebot wird massiv
zurückgenommen, der Förderunterricht gekürzt, die Unzufriedenheit bei
SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen steigt.
Die Zukunftskommission hat auf Grundlage des für Österreich äußerst
unerfreulichen Abschneidens 33 Vorschläge zur Verbesserung des
österreichischen Schulsystems gemacht. Die Antwort von Ministerin
Gehrer darauf waren zwei Mini-Schulreformpakete, die für die
Schaffung einer neuen Schule völlig unzureichend sind, weil sie keine
echten Reformschritte zur Qualitätsverbesserung darstellen. Daher
bleibt die "Gehrer- Schule alt" leider traurige Realität - zum
Nachteil der österreichischen Kinder und Jugendlichen, der Lehrer,
Eltern, aber ebenso zum Nachteil für die heimische Wirtschaft.
"SPÖ-Schule neu"
Die SPÖ Oberösterreich hat die Sache nun selbst in die Hand genommen,
eine Bildungsplattform gegründet und die ABC Bildungskampagne
(Ausbildung. Braucht. Chancen) gestartet, um frischen Wind in die
bildungspolitische Flaute zu bringen und eine wirklich neue Schule zu
entwickeln bzw. einzufordern. Die Bildungsplattform der SPÖ
Oberösterreich wird künftig in zahlreichen Diskussionsrunden
Fachleute und Schulpartner zu brennenden Themen der Schulentwicklung
zu Wort kommen lassen.
Rückfragehinweis:
SPÖ Oberösterreich
Medienservice
Gerald Höchtler
Tel.: (0732) 772611-22
mailto:[email protected]
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