Morak zu Karl-Markus Gauß: ein brillant schreibender Moralist und Aufklärer

Manès Sperber-Preis an Karl-Markus Gauß verliehen

Wien (OTS) - "Karl-Markus-Gauß ist ein Aufklärer ohne geschichtsphilosophisch definierte Ziele oder Utopien, ein skeptischer Humanist ohne größere Hoffnung und ein brillant schreibender Moralist. In seinen Büchern finden Sie keine papierene Schönschreibkunst, keine postmoderne Beliebigkeit und keine bemühte Begriffsakrobatik. Stattdessen begegnen Ihnen wissens- und erfahrungsgesättigte Essays, die ihren eigentlichen Glanz durch die in allen Stil-Lagen sichere, pointiert argumentierte Stimme des Autors erhalten", so Kunststaatssekretär Franz Morak heute, Mittwoch, anlässlich der Verleihung des Manès Sperber-Preises an Karl-Markus Gauß im Vorfeld der Eröffnung des Symposions über Manès Sperber im Jüdischen Museum.

"Seine Literatur, in der Reportage, Erzählung und Reisebild, Journal, historischer Exkurs und politische Analyse auf wunderbare Weise mit-und untereinander verbunden sind, ist vieles: präzise recherchiert und prägnant erzählt, theoretisch fundiert und historisch untermauert", würdigte Morak den Preisträger in seiner Rede.

In seinen Büchern mache sich Karl-Markus-Gauß immer wieder ins unentdeckte Österreich auf, "um uns mit den widerspenstigen Geistern und eigensinnigen Genies aus der Vergangenheit unseres Landes bekannt zu machen. Dabei kommt freilich auch die Gegenwart nie zu kurz. Und so entsteht ein Sittenbild der Zweiten Republik, bei dem mit Phantasie und Witz die Wechselwirkungen zwischen Macht und Geist, Staat und Kultur, politisch-bürokratischem Apparat und kritischer Intelligenz vorgeführt werden", so der Staatssekretär.

Karl-Markus Gauß habe aber auch die Ränder Europas erforscht. Bei seinen Expeditionen in diese Randgebiete Europas - den imaginären gleichermaßen wie den realen - habe er so manches entdeckt und wieder ins Gedächtnis zurückgeholt, "was aus Ignoranz, Überheblichkeit und Desinteresse vergessen oder schlicht und einfach nie wirklich zur Kenntnis genommen worden ist", so Morak. Gerade in unserer Zeit, in der Europa politisch, wirtschaftlich und kulturell wieder zusammenwächst, was vor der kurzen Geschichte des 20. Jahrhunderts zusammengehört hat, seien die Werke dieses österreichischen Europäers von besonderer Aktualität: "Denn nur dann, wenn wir wissen, woher wir kommen, nur dann, wenn wir auf gemeinsam geteilte Erinnerungen und Erfahrungen zurückgreifen können, öffnet sich uns auch der Blick auf eine wünschenswerte Zukunft in jener größeren europäischen Heimat, deren Vielfalt Karl-Markus Gauß in seiner Literatur so eindrucksvoll rekonstruiert und nachgezeichnet hat", so der Staatssekretär abschließend.

Der Manès Sperber-Preis wird zumindest alle fünf Jahre von der Republik Österreich. für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet des gesellschaftspolitischen Romans, der politisch-literarischen Essays oder der gesellschaftspolitisch bedeutsamen Kulturphilosophie vergeben und ist mit Euro 7.300 dotiert.

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